Lernen, genügsam zu sein
Philipper 4,10-13 – 10.08.2014 – Pastor V. Janke

In einer texanischen Kleinstadt prangte in einem Schaufenster ein Schild:

„Wir haben alles,
was sie brauchen!”

Bei der Konkurrenz auf der anderen Seite war ein ähnliches Schild:

„Was wir nicht haben, das brauchen sie auch nicht!”

Wo gehst du einkaufen?


Paulus hätte am Schild sicher seine Freude. Er hat durch seinen Alltag mit Jesus gelernt:

'Was ich nicht habe, das brauche ich auch nicht.'

Er konnte sagen:

denn ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie's mir auch geht.

Phil 4,11


Paulus war in Gefangenschaft in Rom. Dort bekam er Besuch von Epaphroditus, der ein Geschenk und Neuigkeiten von der Gemeinde in Philippi brachte (4,18). Aus dem Gefängnis schreibt Paulus den Philipperbrief. Am Ende dieses Briefes spricht er über seine Freude. Paulus freut sich mehr über die Geber und ihre Haltung und Opferbereitschaft, als über die Gabe selbst.


Darum frage ich:

  • Mit welcher Haltung empfange und schenke ich?
  • Wie sehe ich auf die Geschenke, die andere bekommen?
  • Wie reagiere ich, wenn ich nicht bekomme, was ich mir gewünscht habe?
  • Kann ich mich noch richtig freuen?

Jesus sagt: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat. Lk 12,15
Gelegenheiten um Genügsamkeit zu lernen haben wir alle. Nehmen wir sie wahr? Wollen wir lernen, uns genügen zu lassen? Es gibt eine innere Überlegenheit und Unabhängigkeit, die wir erlernen sollen und erlernen können. Jesus Christus will dich frei machen für das, was wirklich wichtig ist: Dankbarkeit, Frieden, Freude, Vertrauen, Leben in der Kraft Gottes.


1. Genügsamkeit ist eine innere Freiheit. V.10


Unsere größten Bedürfnisse sind nicht materieller oder finanzieller Art. Unsere größten Bedürfnisse sind geistlicher Art. Viele sind nicht frei. Unser Streben nach Geld und Gütern offenbart innere Armut und Gebundenheit. Warum brauchen wir manches so nötig? Hinter unseren Wünschen kann sich Geltungsdrang verbergen, Einsamkeit, Leere, Lebensdurst, Minderwertigkeitsgefühle, Neid, die Angst, etwas zu verpassen oder Angst, altmodisch genannt zu werden. Der Apostel Paulus hat durch seinen Glauben an Christus eine innere Freiheit erlernt, die Freude und Selbstlosigkeit ermöglichen.


  • Genügsamkeit befreit zu echter Freude. Ich habe mich aber im Herrn sehr gefreut... Treffender wäre: Ich habe mich mächtig gefreut im Herrn... Paulus war in seiner Freude nicht abhängig von der Gabe, die er empfing. Und darum freut er sich am meisten über die Liebe, die ihm die Geschwister erwiesen haben. Und seine riesige Freude ist im Herrn. Paulus erkennt hinter der Gabe Gottes Freundlichkeit. Letztlich bleibt Gott der Geber aller guten Gaben (Jak 1,17). Gott macht uns frei zu geben und er macht uns frei, dankbar und froh zu empfangen. Können wir uns noch freuen an allem, was Gott uns gibt? Meine Stellung und meinen Wert möchte ich nicht daran messen, was ich besitze, weiß oder kann, sondern an der Liebe Gottes, die er mir bewiesen hat (Röm 5,8).

  • Genügsamkeit befreit vom Egoismus. ...aber ihr hattet keine Gelegenheit. Kein Wort der Klage und kein Vorwurf. Paulus konnte Ansprüche und Erwartungen loslassen. Er akzeptierte, dass er über lange Zeit keine Hilfe erhielt. Wieviel Streit und wie viele Verletzungen entstehen durch egoistisches Anspruchsdenken, durch stille und laute Vorwürfe, durch Unwilligkeit, sich selbst zurückzunehmen. In einem Lied drückt Paul Gerhardt seinen Wunsch nach dieser Freiheit so aus: 'Laß mich mit Freuden ohn' alles Neiden sehen den Segen, den du wirst legen in meines Bruders und Nähesten Haus. Geiziges Brennen, unchristliches Rennen nach Gut mit Sünde, das tilge geschwinde von meinem Herzen und wirf es hinaus.'

2. Genügsamkeit ist eine erlernte Freiheit. V.11+12


Manche Ziele kann ich nur auf einem bestimmten Weg erreichen. Um ein guter Pianist zu werden, muss man lange und hart üben. Ein guter Sportler muss regelmäßig und diszipliniert trainieren. Und auch Geduld lernt man nicht durch Bücher. Geduld erlernt man durch Schwierigkeiten und Prüfungen. So ist auch Genügsamkeit keine Gabe, sondern eine erlernte Fähigkeit. denn ich habe gelernt, mich darin zu begnügen, worin ich bin.


Werner de Boor schreibt zu diesem Vers: 'Unsere falschen Gedanken über die göttliche Gnade und die menschliche Unfähigkeit zum Guten erwecken in uns oft törichte Erwartungen und hindern uns am Lernen und am notwendigen Einsatz unseres Willens.' Genügsamkeit ist eine gelernte innere Haltung, die niemandem in den Schoß fällt.


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  • Lerne, von äußeren Umständen frei zu werden. Nicht dass ich es des Mangels wegen sage... Paulus kannte Mangel und Entbehrungen. Und er nennt Mangel beim Namen. Doch Paulus hat durch Christus gelernt, mit Mangel zu leben ohne zu klagen und zu murren. Es gibt eine innere Freiheit gegenüber den äußeren Umständen, die wir lernen sollen. Gibt es etwas in deiner Lebenssituation, das dir das Leben schwer macht? Gibt es etwas, das dich nicht richtig froh werden läßt? Vielleicht ist es ein Studienfach, das Gott dir schickt, damit du lernst, innerlich frei zu werden.

  • Lerne, demütig und niedrig zu sein. Sowohl erniedrigt zu sein weíß ich... Niedrigkeit und Demut sind auch ein Studienfach, das Gott gebraucht, damit wir lernen, uns genügen zu lassen. Genügsamkeit hat nicht nur mit materiellen Dingen zu tun. In der GN heißt es: Ich kann leben wie ein Bettler und wie ein König. Paulus bekam viele Gelegenheiten, sein Ehrgefühl, seinen Stolz, seine ehemals angesehene Stellung unter den Juden loszulassen. Er musste seine Schuld gegenüber Gott und der Gemeinde Jesu zugeben. In einem Korb musste er über eine Stadtmauer fliehen, Barnabas musste für ihn vermitteln (Apg 9,25-27; 2 Kor 11,23-26) Immer wieder bekam Paulus Gelegenheiten, Demut und Niedrigkeit einzuüben. Gott will auch dich lehren, demütig und niedrig zu sein: lerne, Unrecht zu ertragen, Verletzungen zuzulassen, Mißerfolg und Fehlschläge als 'Studienfächer' zu sehen, Verlierer zu sein, niedrige Dienste gern zu tun u.a.

  • Lerne, Überfluß dankbar zu genießen. Ich kann satt sein und hungern. Sowohl Überfluß zu haben... Paulus hat auch gelernt, Überfluß anzunehmen und dankbar zu genießen. Dafür brauchen wir uns nicht zu schämen. Überfluß zu haben ist keine Sünde. Aber: Ermahne die, die in dieser Welt reich sind, nicht überheblich zu werden und ihre Hoffnung nicht auf den unsicheren Reichtum zu setzen, sondern auf Gott, der uns alles reichlich gibt, was wir brauchen. 1 Tim 6,17

3. Genügsamkeit ist eine durch Jesus Christus erfahrbare Freiheit. V.13


Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt. Obwohl Paulus der Lernende war, gibt er Christus alle Ehre. Ohne Christus und seine Kraft hätte er Genügsamkeit weder lernen noch leben können. Wir sollen also nicht Paulus bewundern, sondern Christus. Er macht auch uns stark, mit Mangel und Überfluß zu leben. Paulus sagt nicht, dass er im absoluten Sinn alles vermag. Vielmehr vermag er alles, was Gott von ihm erwartet.


Gott will und kann uns für jede Situation genug Kraft geben. Aber er gibt sie nicht im voraus. Im Vertrauen auf Jesus Christus erfahren wie die Kraft und Freiheit, die wir brauchen, um das zu tun, was Gott will. Bitten wir darum? Glauben wir, dass Gott Kraft und Gnade genug gibt? Unsere größten Bedürfnisse sind nicht finanzieller oder materieller Art. Unsere größten Bedürfnisse sind geistlicher Art!



Ein kriegsversehrter Offizier und Vietnamveteran hat folgendes Gebet einmal anläßlich eines Gebetsfrühstücks beim amerikanischen Präsidenten gesprochen:

»Ich bat Gott um Stärke, um etwas leisten zu können; und ich bekam Schwäche, um gehorchen zu lernen.

Ich bat um Hilfe, um große Dinge zu tun; und ich bekam Hilflosigkeit, um bessere Dinge zu tun.

Ich bat um Reichtum, um glücklich zu sein; und ich bekam Armut, um weise zu sein.

Ich bat um Macht, um den Beifall der Menschen zu haben; und ich bekam Schwachheit, um zu lernen, Gott nötig zu haben.

Ich bat um alles, um mich am Leben zu erfreuen; und ich bekam das Leben, um mich an allem zu erfreuen.

Ich bekam nichts von dem, um das ich bat, aber ich bekam alles, was ich nötig hatte.

Fast gegen meinen Willen wurden meine unausgesprochenen Gebete erhört, so dass ich jetzt unter allen Menschen der am reichsten gesegnete bin.«


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