Jesus möchte unser Vertrauen
Johannes 20,24-30 – 20.04.2014 – Pastor V. Janke

Glaube bedeutet den ersten Schritt zu gehen, obwohl man nicht die ganze Treppe sehen kann.
(Martin Luther King)


Der Glaube an Christus wurde zu Anfang beschrieben als der neue Weg. (Apg 19,23) Angelehnt an das Zitat von King bedeutet das: Vertrauen in Jesus bedeutet den ersten Schritt zu gehen, auch wenn man den ganzen Weg nicht kennt! Es gibt Menschen, die Jesus vertrauen und die, die noch nicht vertrauen. Es gibt die, die sagen: „Ich weiss, dass es stimmt mit Jesus und seiner Auferstehung.” Und es gibt die, die sagen: „Ich will wissen, ob das wirklich stimmt, mit Jesus und seiner Auferstehung.” Thomas wollte das wissen. Und mit ihm viele andere. Thomas hat ganz klar gesagt, was er braucht um vertrauen zu können. Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.


Welche Bedingungen stellst du? Viele Menschen haben eine ähnliche Sehnsucht wie Thomas. Sie erleben den Glauben anderer, und wollen herausbekommen, ob das stimmt. Seit dem ersten Ostermorgen gibt es diese Spannung. Da sind Menschen, die Jesus persönlich kennen. Und da sind die, die Jesus noch nicht begegnet sind. Da sind Christen und Suchende, Skeptiker. Wir tun Thomas Unrecht, wenn wir ihn den Ungläubigen oder den Zweifler nennen. Die anderen Jünger waren nicht besser oder schlechter: Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den elf Jüngern und den andern allen. Es waren aber Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern mit ihnen; die sagten das den Aposteln. Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär's Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. Lk 24,8-11


»Der beste Weg herauszufinden, ob man jemandem vertrauen kann, ist ihm zu vertrauen.«
(Ernest Hemingway)


1. Respektvoll Jesus bezeugen V.24f


Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen.


Thomas hat Ostern verpasst. Ich war auch nicht dabei. Mein Ostern war viel später. Thomas hat den auferstandenen Jesus nicht gesehen. Man kann darüber spekulieren, ob das Zufall war oder ob er sich abgesetzt hat von den anderen. Das Erlebnis der anderen Jünger ist für Thomas unglaublich. Aber er will herausfinden, ob es wirklich stimmt. Es geht im Glauben um nicht weniger als um das ganze Leben, um eine Übergabe des Lebens. Bonhoeffer sagt: "Thomas hat recht, wenn er seinen Glauben entweder selbst finden oder gar nicht glauben will; aber der Weg, auf dem er ihn sucht, ist falsch." Thomas ist beides: Vorbild in seiner Aufrichtigkeit, aber auch ein schlechtes Beispiel, weil er Gott Vorschriften macht, wie ER sich ihm zu offenbaren hat. Gut, dass die anderen Jünger Thomas das zugestehen. Johannes schreibt nicht, dass sie ihn bestürmen, überzeugen oder überreden. Thomas wollte und brauchte ein bestätigendes Zeichen, um glauben zu können und gewiss zu sein, dass Jesus wirklich von den Toten auferstanden war. Er war bereit für einen Neuanfang. Da war aber auch das Signal: Eure Begegnung mit Jesus, eure Erfahrungen, Argumente, mich zu überzeugen reichen mir nicht. Was ich brauche, könnt ihr mir nicht geben. Ich kann noch nicht glauben. Wir laden Menschen ein unter Gottes Wort zu kommen. Diese Menschen sind vielleicht enttäuscht vom Christentum, von der Kirche und ihren Repräsentanten, von Christen vielleicht auch von Gott selbst. Wir kennen es nur zu gut, wenn Menschen auf unsere Einladung „Nein Danke” sagen. Dieser Bericht passt sehr gut in unsere heutige Zeit. Können wir Menschen helfen, Enttäuschungen zu überwinden?


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2. Vertrauensvoll auf Jesus warten V.26f


Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!


Die wichtigste Frage ist diese: Vertraue ich Jesus? Vertraust du Jesus? Nach acht Tagen kam Jesus. Und dann kommt der Höhepunkt des Berichts. Jesus steht vor ihnen. Friede sei mit Euch! sagt Jesus. Warum gerade dies Worte? Gibt es da nicht Wichtigeres? Friede sei mit euch! Das ist der Grund, warum er auf die Welt gekommen ist. Jesus brachte Frieden. Er überwinde den Unfrieden der Menschen mit Gott und Unfrieden zwischen Menschen. Wie viel Kraft kostet Feindschaft und Krieg. Auch heute bringt Jesus Frieden.


Als sie ihn über den See gehen sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrien auf. Alle sahen ihn und erschraken. Doch er begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Mk 6, 49-51


Doch alle sollen sich freuen, die auf dich vertrauen, und sollen immerfort jubeln. Ps 5, 12-13


Der Habgierige erregt Streit, wer auf den Herrn vertraut, wird reichlich gelabt. Spr 28,25


Die größte Ehre, die man einem Menschen geben kann ist die, dass man ihm vertraut. M. Claudius


Nur noch Jesus und Thomas. Jesus spricht Thomas freundlich an. Er tadelt ihn nicht. Jesus weiß wie es in ihm aussieht. Er muss seine Bedenken gar nicht vortragen und keine großen Reden halten. So sagte David es in seinem Gebet in Psalm 139: Herr du durchschaust mich, du kennst mich durch und durch. Ob ich sitze oder stehe, du weißt es, du kennst meine Pläne von ferne. Dass du mich so vollständig kennst, das übersteigt meinen Verstand; es ist mir zu hoch, ich kann es nicht fassen.


Trotz seiner Weigerung zu glauben, kommt Thomas am folgenden Sonntagabend in den Jüngerkreis. Das ist wichtig; denn es zeigt die Bereitwilligkeit des Thomas, sich überzeugen zu lassen, zeigt die Aufrichtigkeit seines Zweifels.” (Bonhoeffer)


Die Jünger akzeptierten Thomas mit seinem Zweifel, seinem Unvermögen. Sie selbst hatten Jesus gesehen. Sie sind Jesus begegnet. Sie wussten: Jesus ist von den Toten auferstanden. Und doch konnten sie Thomas nicht überreden oder mit ihren Erfahrungen überzeugen. Wir können es auch nicht. Allein Gott kann Menschen durch seinen Geist überzeugen: Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. Joh 6,44 Wie sind die Jünger mit der Erfahrung umgegangen, dass Thomas ihnen nicht glaubte? Was haben sie gefühlt und gedacht? Waren ihre Worte, Thomas zum Glauben zu überreden, vergeblich? Die Jünger hielten trotz der Ablehnung an Thomas fest. Er konnte und durfte ein Zweifelnder unter Gläubigen sein.


3. Mutig Jesus bekennen V.28


Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!


Vers 28 ist das größte Bekenntnis im Johannes-Evangelium. Und es kommt aus dem Herzen eines Skeptikers. Das ist mehr als nur ein frommer und schöner Ausspruch. Es ist das Urbekenntnis der Christen. Mein Herr und mein Gott! bedeutet, sich mit Leib und Leben zu Jesus Christus zu bekennen. Wir stellen Jesus damit über alle anderen Herren und Mächte dieser Welt. Das hat Thomas getan. Von ihm wird in der nachbiblischen Überlieferung berichtet, er sei als Missionar nach Persien und bis nach Indien gegangen, um dort seine Begegnung mit Jesus zu bezeugen.


Was (aber) in diesem Buch steht, wurde aufgeschrieben, damit ihr daran festhaltet, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der versprochene Retter. Wenn ihr euer Vertrauen auf ihn setzt, habt ihr durch ihn das Leben. Darum geht es Johannes in seinem Evangelium: "Setzt euer Vertrauen auf Jesus. Mit ihm und bei ihm habt ihr das Leben." Doch wie findet man zum Vertrauen? In der Begegnung mit Jesus. Jesus will heute Menschen begegnen. Jesus ist Suchenden und Fragenden entgegengekommen. Er nimmt Menschen mit ihren ehrlichen Fragen, Einwänden und Verletzungen ernst. Das ist auch ein Ausdruck der Liebe. Jeder Mensch ist einzigartig, verschieden von allen anderen. Jesus hat Menschen zum nächsten Schritt ermutigt: Kommt und seht! Joh 1,39



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