Damit ihr seid, wo ich bin
Johannes 14,1-6 – 24.11.2013 – Pastor V. Janke

Vor Kurzem sah ich eine Art Gleichnis für den Himmel. Es war spät am Freitagabend. Meine Frau und ich bestaunten ein Schiff in Bremerhaven. Kalt war es, dunkel und windig. Aber wir wollten gern dies imposante Schiff aus der Nähe sehen. Sabine und ich waren sehr nah dran, keine 50 Meter. Dies Schiff ist beeindruckend groß, unbeschreiblich schön und war hell erleuchtet. Es ist 324 m lang, 40 m breit und 63 m hoch. Es lag an der Kolumbus Kaje in Bremerhaven.


Dies gigantische Kreuzfahrtschiff heißt Norwegian Getaway „Norwegischer Ausflug/Flucht/Reise”. Auf der „Getaway”, die zukünftig von Miami aus in die östliche Karibik fahren wird, finden 4.000 Passagiere Platz, dazu kommen 1600 Besatzungsmitglieder. Das Schiff zeichnet sich durch ein neuartiges Promenadendeck aus, das durch drei fließend ineinander übergehende Ebenen ergänzt wird.


Als Zuschauer kann man nur ahnen, was es auf dem Schiff alles gibt, was Menschen dort genießen werden, wie es ist, Passagier auf dem Schiff zu sein. Auf dem Schiff mitzufahren - das wäre doch Mal ein Erlebnis?! Für mich war es als ob ich eine ganz andere Welt sehe - eine Welt zu der ich nicht gehöre und nie gehören werde. Oder doch? Wer sagt mir, zu welcher Welt ich gehöre?


Die Wahrheit ist: ich habe als Christ allen Grund zu sagen: „Ihr glücklichen Passagiere auf der Norwegian Getaway, für mich wird etwas noch viel Schöneres gebaut. Der weltbeste Baumeister baut ein Getaway für mich! Das ist mein Glück! Und dort bin ich nicht nur Passagiere für ein paar Tage, dort bin ich ein Bürger! Dort gehöre ich hin! Dort bin ich wirklich zuhause. Und ob ihr es glaubt oder nicht: das Ticket wurde mir schon zugestellt. Nicht mehr lange, dann beziehe ich meine Luxussuite.”


Die „Norwegian Getaway” wird dort am Kai ausgerüstet. Es wird also alles vorbereitet, damit die zukünftigen Passagiere sorglose Tage und Wochen auf dem Schiff erleben können. Mit dem Ausrüsten und Einrichten werden viele Menschen in den nächsten Wochen beschäftigt sein. Für mich ist die Norwegian Getaway darum auch ein Symbol und ein Gleichnis. Das Schiff ist ein Symbol für ein besseres, schöneres Leben. Es ist Symbol für eine andere Welt, für Menschen, die raus wollen aus ihrer Welt und eine andere Welt erleben wollen. Es ist Symbol für „Stell dir mal vor!” Und das Schiff ist ein Gleichnis für das, was Christen gemeinhin als „das Schönste kommt noch” beschreiben – die Ewigkeit, den Himmel, das Paradies. Ja, schaut es euch an und wenn ihr richtig hinschaut, dann hat so ein Luxus-Kreuzfahrtschiff eine leise und zugleich klare Botschaft: das Schönste kommt noch!


Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? In einer anderen Bibelübersetzung steht hier: Ich gehe hin, um dort alles für euch vorzubereiten. Das feiern wir heute mit Christen auf der ganzen Welt: Jesus, der alles für uns vorbereitet! Wir feiern diesen Jesus, der wiederkommt für uns. Der Ewigkeitssonntag könnte auch heißen „Stell-dir-Mal-vor Sonntag! Das Schönste kommt noch Sonntag.” Wir haben einen Herrn, der alles für uns vorbereitet hat, wenn wir die Gangway hinaufgehen – also, wenn wir da sind, wo Jesus ist! Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.


Aber geht das denn? Kann man im kalten Wind spätabends sich ein Kreuzfahrtschiff anschauen und sich vorstellen, wie es ist, auf dem Schiff zu sein? Geht das? Kann man als Christ in dieser Welt Gottes Wort lesen und sich vorstellen, wie es wenn sich Friede und Gerechtigkeit küssen, wenn der Tod und das Leid endgültig besiegt sind? Kannst du dir vorstellen, wie es im Himmel einmal sein wird?


Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der vorige Himmel und die vorige Erde waren vergangen, und auch das Meer war nicht mehr da. Ich sah, wie die Stadt Gottes, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkam: festlich geschmückt wie eine Braut an ihrem Hochzeitstag. Eine gewaltige Stimme hörte ich vom Thron her rufen: »Hier wird Gott mitten unter den Menschen sein! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein. Ja, von nun an wird Gott selbst in ihrer Mitte leben. Er wird alle ihre Tränen trocknen, und der Tod wird keine Macht mehr haben. Leid, Klage und Schmerzen wird es nie wieder geben; denn was einmal war, ist für immer vorbei.« Der auf dem Thron saß, sagte: »Sieh, ich schaffe alles neu!« Und mich forderte er auf: »Schreib auf, was ich dir sage, alles ist zuverlässig und wahr.« Offenbarung 21,1-5 (Hfa)


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Ja, vielleicht kann man es sich vorstellen. Aber ich gehe auch ganz fest davon aus, dass wir dann sagen werden: Es ist viel schöner als ich es mir je vorstellen konnte! »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« 1 Kor 2,9 Bsp.: Joseph Bayly erzählt in seinem Buch „The view from a hearse („Die Sicht vom Leichenwagen”) von einer Erfahrung als Jugendlicher. Er lief im Winter zum Briefkasten und hielt den ersehnten Saatkatalog in Händen. Er blätterte darin und sah Fotos von reifen Früchten. Er erlebte den Geruch und den Geschmack von reifen Tomaten. In der Kälte und im Winter der Welt können wir daran denken, wenn Gottes neue Welt da ist.


Wenn nach der Erde Leid, Arbeit und Pein ich in die goldenen Gassen zieh ein, wird nur das Schau'n meines Heilands allein Grund meiner Freude und Anbetung sein. Das wird allein Herrlichkeit sein, das wird allein Herrlichkeit sein, wenn frei von Weh ich sein Angesicht seh! Wenn frei von Weh ich sein Angesicht seh! (Hedwig von Redern)


Ich war beim 92. Geburtstag von Schw. Wismann. Als Andacht gab es eine Kurzform dieser Predigt. Als ich fertig war, sagte sie nur: „Das kann ja nicht mehr lange dauern.” Und später sagte sie zu ihren Geburtstagsgästen: „Ihr Jungen müsst auch Mal sterben.” (Leni Wismann)


Marie Schmalenbach wurde als drittes von elf Kindern des Pastors und späteren Superintendenten des Kirchenkreises Vlotho Ferdinand Huhold in Holtrup, heute Porta Westfalica, geboren. Sieben ihrer Geschwister starben früh. Mit noch nicht ganz 22 Jahren heiratete Marie am 21. Januar 1857 Theodor Schmalenbach, damals Hilfsprediger, später Pfarrer und Superintendent, mit dem sie zunächst in Minden und ab 1863 bis zu seinem Tode am 7. Februar 1901 in Mennighüffen, heute Löhne, lebte. Das Paar hatte fünf Kinder. Marie Schmalenbach kränkelte lange Jahre. Dennoch überlebte sie ihren Mann um 23 Jahre und verstarb am 10. März 1924 im hohen Alter von 88 Jahren. Maries Grabstein trägt als Inschrift die dritte Strophe ihres Lieds „Brich herein süßer Schein”


Brich herein, süßer Schein selger Ewigkeit. Leucht in unser armes Leben, unsern Füßen Kraft zu geben, unsrer Seele Freud unsrer Seele Freud. 2. Hier ist Müh morgens früh und des Abends spät, Angst, davon die Augen sprechen, Not, davon die Herzen brechen, kalter Wind oft weht, kalter Wind oft weht. 3. Jesus Christ, du nur bist unsrer Hoffnung Licht, stell uns vor und lass uns schauen jene immergrünen Auen, die dein Wort verspricht, die dein Wort verspricht. 4. Ewigkeit, in die Zeit leuchte hell hinein, dass uns werde klein das Kleine, und das Große groß erscheine, selge Ewigkeit, selge Ewigkeit.


Am 10. Januar 2014 wird die „Norwegian Getaway” an der Columbuskaje feierlich an die Reederei NCL übergeben. Diese feierliche Übergabe des fertigen Schiffes ist für uns mehr. Es ist eine Ahnung von dem feierlichen Tag, auf den wir hoffen. Was für ein Tag wird das erst sein, wenn wir droben einziehen! „Oh happy day!” Der Tag kommt!


Ein farbiger Prediger hat seiner Gemeinde in Philadelphia einmal sehr eindrücklich gepredigt.

Seine Predigt war dieser Satz:
Es ist Freitag, doch Sonntag wird kommen.

  • Freitag – die Jünger laufen umher wie verirrte Schafe ohne Mut und Glauben, am Boden zerstört. Doch es ist erst Freitag, Sonntag wird kommen.
  • Kinder sterben und Menschen leiden an Hungersnot, Unterdrückung und Armut. Doch es ist erst Freitag. Sonntag wird kommen.
  • Viele verzweifeln und glauben nicht, dass es einen liebenden Gott gibt. Doch sie wissen nicht, es ist erst Freitag, Sonntag wird kommen!
  • Krieg und Terror herrschen, Kinder verlieren Eltern und Willkür herrscht. Denn es ist erst Freitag. Sonntag wird kommen.

Über eine Stunde predigte er diese eine Wahrheit. Am Ende rief er so laut er konnte: Es ist Freitag – Und die ganze Gemeinde antwortete laut: Sonntag wird kommen!


Unser Glaube und unsere Hoffnung ist: Es ist Freitag, doch Jesus wird kommen. Und Er wird sagen: „Damit ihr seid, wo ich bin!” Dort vor dem Throne im himmlischen Land treff ich die Freunde, die hier ich gekannt; dennoch wird Jesus und Jesus allein Grund meiner Freude und Anbetung sein. Das wird allein Herrlichkeit sein…



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