Herr, du bist unsere Zuflucht für und für
Psalm 90 – 02.06.2013 – Pastor V. Janke

Diese Woche sah ich im Stern ein ungewöhnliches Foto. Auf dem Foto sieht man die Füße eines Chinesen, der sein eigenes Haus trägt. Das Haus hat er gebaut aus Bambus und dünner Plastikfolie. Es wiegt ca. 60 kg. In Bremen war letztes Jahr ein Hochbunker zu verkaufen. Die Wände bestehen aus 1,10 m dickem Stahlbeton. In so einem Bunker lebt es sich sicherer als in einem Plastikhaus, einem Zelt oder einem Wohnwagen. Sicher und geschützt zu wohnen ist wichtig. Jedes Mal, wenn ich mein Haus verlasse und meine Haustür abschließe, denke ich an Absicherung. Was wäre wenn…? Das Leben ist nicht so sicher. Man muss sich und sein Hab und Gut schützen. Psalm 90 beginnt mit den Worten, Ein Gebet des Mose, des Mannes Gottes. Herr, du bist unsre Zuflucht für und für.


Kurz nach 15 Uhr am Montagnachmittag, dem 21.5., kam er in die Stadt. Die kleine Stadt Moore im Staat Oklahoma, USA, wurde weltbekannt. Ein verheerender Tornado hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Drei Grundschulen wurden in Minuten zerstört. Wände stürzten ein, viele Kinder suchten Zuflucht in Waschräumen, Lehrer warfen sich schützend über die Schüler. Als der Sturm näherkam, rannte James Rushing zur Schule, die auch sein fünf Jahre alter Pflegesohn besucht. Er dachte, er sei dort sicherer als in seinem Haus auf der anderen Straßenseite. „Zwei Minuten nachdem ich ankam, begann alles auseinanderzufallen“, erinnerte sich Rushing. Die Schüler seien zu den Toiletten geschickt worden, um sich in Sicherheit zu bringen. Doch gegen diese Naturgewalt bot die Schule kaum Schutz: Geschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern pro Stunde herrschten Schätzungen zufolge im Inneren der Windhose. Es musst kein Monstertornado sein, es kann auch ein Virus sein, ein Tumor, verdorbenes Essen… Herr, eine Zuflucht bist du uns gewesen, wo man sicher wohnen kann, du warst es für uns durch alle Generationen. NGÜ


Altbundeskanzler Helmut Schmidt zitierte im Dezember 1998 anlässlich eines Fernsehinterviews zu seinem 80. Geburtstags den Vers 10: Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe! Das ist eine allgemeine Weisheit, die jeder Nachdenkliche feststellt. Der Psalm sagt aber noch mehr aus! Es geht in diesem Psalm um Sicherheit in einer unsicheren Welt, um Leben in einer todgeweihten Welt. Es geht in diesem Psalm um wahre Klugheit, die darin besteht, eine Antwort zu haben auf die Frage nach dem Tod und danach. Das ist wahre Klugheit – wenn ich sagen kann: Herr du bist meine Zuflucht! Psalm 90 fragt Menschen nach dem was wirklich hält und Schutz gewährt. Ein alter Christ wurde gefragt, ob er sich denn gar nicht vor dem Tod fürchten würde. Er antwortete: „Ja, manchmal zittere ich; aber ich stehe auf einem Felsen, und der Fels zitiert nicht!“


1. Gott ist dem, der vertraut, eine Zuflucht


Das Wort Zuflucht kommt von dem mittelhochdeutschen zuovluht. Das bedeutet schützender Ort. Der lateinische Name für einen schützenden Ort lautet Refugium. Andere Begriffe sind Asyl, Schlupfloch, Schutzort, Schutzzone, Unterschlupf; Schlupfwinkel. Menschen brauchen eine Zuflucht, ein Refugium, Schutz, Asyl! Wenn in der Bibel das Wort Zuflucht gebraucht wird, dann ist das Leben von jemandem bedroht. Oder jemand ist vor einer Bedrohung beschützt. Das Wort Zuflucht bedeutet auch: Menschen können sich selbst nicht schützen. Wenn das Wort Zuflucht gebraucht wird, geht es um Leben und Tod. Zuflucht bedeutet auch: da ist jemand, der einen Stärkeren braucht.


  • Der Herr, der Gott Israels, unter dessen Flügeln du Zuflucht gesucht hast, soll dir das vergelten und dich reich dafür belohnen. Ruth 2,12
  • Gott ist uns Zuflucht und Stärke, als Beistand in Nöten reichlich gefunden. Ps 46,2
  • Ich aber will singen von deiner Stärke und am Morgen jubelnd preisen deine Gnade; denn du bist mir eine Festung gewesen und eine Zuflucht am Tag meiner Not. Ps 59,17
  • Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele, und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe. Ps 57,2
  • Laß mich wohnen in deinem Zelte ewiglich und Zuflucht haben unter deinen Fittichen. Ps 61,5
  • Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, (…)Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht Ps 91,4+9
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2. Gott ist dem, der Vergebung sucht, eine Zuflucht


Ein Gedicht von Gerhard Teerstegen heißt Zuflucht zu Jesus: Wer immer seine Sünden siehet, - Wird mutlos und dem Herren scheu; - Wer mit der Sünd' in Jesus fliehet, - Der wird durch ihn von Sünden frei. Auch das ist Zuflucht, wenn ich weiß wohin ich mit meiner Schuld und meinem Versagen gehen kann, wenn ich die Last, die Schuld spüre und ich nicht frei bin. Martin Luther hat in seiner Vorlesung über den Propheten Jesaja gesagt: „Die nicht glauben und ihre Zuflucht zu menschlicher Hilfe nehmen, die werden fallen und umkommen.“ Die Israeliten waren der Natur gegenüber keineswegs blind. Sie erkannten die Begrenztheit des menschlichen Lebens und die Begrenztheit der Welt. (V.10) Aber dieser Psalm besteht nicht nur aus Klagen über die Begrenztheit des Menschenlebens. Der Psalm erinnert an die Hoffnung angesichts des Todes und der Bedrohung des Lebens: Herr, du warst unsere Zuflucht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ehe denn die Berge geboren wurden und die Erde und die Welt geboren wurde, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit Ps 90,1f. Mose bekennt hier: „Ich bin gewiss, dass dieser Gott, der die Welt und uns alle ins Leben gerufen hat, Leben und Hoffnung schenkt.“


3. Gott ist dem, der schwach ist, eine Zuflucht


Hyracoidea ist ihr botanischer Name. In seinem Wort stellt Gott uns die Klippdachse, auch Klippschliefer genannt, als kluge und nachahmenswerte Vorbilder vor Augen. Sie gehören zu den Kleinsten auf Erden und sind doch klüger als die Weisen lesen wir im Buch Sprichwörter 30,24. Worin zeigt sich ihre Klugheit? Die Klippdachse - ein schwaches Volk, dennoch bauen sie ihr Haus in den Felsen. Spr 30,26 In einer anderen Übersetzung heißt es, Die Klippdachse - sie sind nicht stark, doch sie schaffen sich sichere Wohnungen in den Ritzen der Felsen (GN). Was sind das überhaupt für Tiere? Klippdachse sind in Afrika und Kleinasien beheimatet und gehören zur Familie der Huftiere. Diese Tiere sind etwa so groß wie ein Murmeltier, haben einen gedrungenen Körper, und erreichen eine Länge von ca. 40-50 cm. Sie haben einen sehr kurzen Schwanz, aber sehr ausgeprägte Sinnesleistungen. Klippdachse sind gesellige, anspruchslose Tiere, die in großen Rudeln Felsgebiete Afrikas und Kleinasiens bewohnen. Wenn Beduinen diese Tiere jagen, dann liegen sie nachts für viele Stunden versteckt in der Nähe ihrer Felswohnungen auf Lauer. Beim geringsten Anzeichen von Gefahr verschwinden die Klippdachse mit großer Schnelligkeit in den Felsspalten. Dafür haben sie einen Ruf. Die hohen Berge sind für die Steinböcke, die Felsen eine Zuflucht für die Klippdachse. Ps 104,18 Ohne Felsen hätten diese Tiere keine Zuflucht und wären eine leichte Beute für alle Feinde. Klippdachse sind schwach und verletzlich. Sie brauchen zum Leben und zum Überleben eine Zuflucht. Die Felsspalten sind ihre Zuflucht! Da sind sie sicher und geschützt.


4. Gott ist dem, der auf der Durchreise ist, eine Zuflucht


Baron von Rothschild (1743 - 1812) - einflussreicher amerikanischer Bankier - soll zu seiner Zeit der reichste Mann der Welt gewesen sein. Aber er lebte und starb in einem unfertigen Haus. Das Dachgeschoss seines Hauses war bewusst unfertig geblieben. Damit wollte er bezeugen, dass er sich als ein Fremder und Wanderer auf dieser Erde verstand. Rotschild war orthodoxer Jude, und nach dem Talmud (jüdischer Kommentar) muss das Haus eines Juden an irgendeiner Stelle unfertig bleiben.


»Wir werden nie weise werden, bis wir jeden Tag als unseren letzten rechnen!« Augustinus


Ein Tourist darf bei Mönchen in einem Kloster übernachten. Er ist erstaunt über die spartanische Einrichtung der Zellen und fragt einen Bruder: „Wo habt ihr eure Möbel?“ Da fragt der Mönch zurück: „Ja, wo haben Sie denn ihre?“ „Meine?“, erwidert darauf der Tourist verblüfft. „Ich bin nur auf der Durchreise hier!“ „Eben“, antwortet der Mönch, „das sind wir auch!“ / In einem indischen Kloster kehrt ein Reisender ein. Es ist sehr schlicht eingerichtet. Auf sein Erstaunen hin wird er informiert: „Wenn Sie irgend etwas vermissen sollten, melden Sie sich bitte. Wir werden Ihnen dann sagen, wie Sie auch so zurechtkommen!“


»Es ist nur einer ewig -
und an allen Enden, -
und wir in seinen Händen!«

Matthias Claudius


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