Wenn ihr nicht werdet wie Kinder
Matthäus 18,1-5 – 10.03.2013 – Pastor V. Janke

Was macht eine Frau im Bikini in Hamburg in der Fußgängerzone im Februar? Das Foto war vor einigen Jahren in der Zeitung. Auf dem Foto waren noch ein paar andere Leute in Badebekleidung zu sehen. Sehr ungewöhnlich! Für die Jahreszeit völlig unpassend. Unter dem Foto stand: ein Hamburger Radiosender verschenkt Urlaubsreisen auf eine warme Insel im Süden. Aha. Dafür zogen sich die Leute Badesachen im Winter an. Es ist doch interessant, was Menschen für etwas tun, das sie gerne haben wollen. Menschen sind bereit, ungewöhnliche, unangenehme, schwierige Dinge zu tun – wenn es sich lohnt. Was würdest du dafür tun, ewiges Leben zu haben, an Gottes neuer Welt teilzuhaben? Reicht es zu beten: Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm?


Jesus sagt. »Ich versichere euch: Wenn ihr euch nicht ändert und den Kindern gleich werdet, dann könnt ihr in Gottes neue Welt überhaupt nicht hineinkommen. Wer es auf sich nimmt, vor den Menschen so klein und unbedeutend dazustehen wie dieses Kind, der ist in der neuen Welt Gottes der Größte«.


1. Wer ist doch der Größte im Himmelreich? V.1


Ein Junge betrat einen Friseursalon. Der Friseur sagte leise zu seinem Kunden, „Das ist das dümmste Kind der Welt. Pass auf, ich zeig es ihnen.” Der Friseur hält dem Jungen in einer Hand einen 5-Euro Schein hin und in der anderen eine 1-Euro Münze. „Welchen willst du?” Der Junge nimmt die Euro Münze. „Was sagte ich ihnen?! Das Kind lernt einfach nicht dazu.” Als der Kund später den Salon verlässt, sieht er den Jungen mit einem Eis aus dem gegenüberliegenden Laden kommen. „Warte doch Mal, Junge. Ich möchte dich etwas fragen,” ruft der Mann ihm zu. „Warum nimmst du das 1-Euro Stück und nicht den 5-Euro Schein?” Der Junge leckte noch einmal am Eis und erklärt dann, „Ganz einfach, denn an dem Tag an dem ich den Schein nehme ist das Spiel vorbei….” – Man sollte Kinder nie unterschätzen!


Wer ist der Größte, Erste, Schnellste, Beste, - eine ganz normale Frage. Einer wird gewinnen, und hebt sich ab von allen anderen. Gäbe es eine Preisverleihung für den Größten im Himmelreich, unter der Herrschaft Christi, wie würde sie aussehen? Die würde anders aussehen. Wir sollten uns fragen: Was suche ich? Was ist mir wichtig? Welches Ziel hat mein Leben? Was will ich erreichen, wenn ich am Ende meines Lebens angekommen bin? Was bestimmt mein Leben? Jesus Christus sagt: Größter sein zu vollen ist gut und lobenswert - wenn es dahin führt, dass ich mich erniedrige und zum Diener anderer werde.


Wenn ihr nicht umkehrt... Damit beschreibt Jesus die Bekehrung. Die Diskussion unter den Jüngern hält Jesus für völlig verfehlt. Mit einem harten Wort wird allen Jüngern das Streben nach Größe – auch nach geistlicher Größe – untersagt. Wer so denkt, ist auf einem falschen Weg. Wer unter euch groß sein will, sei euer Diener. Vgl. Lk 22,24-27 Wir leben zwar in einer Dienstleistungsgesellschaft, doch wirkliche Diener gibt es immer weniger! Was macht einen Menschen zu einem Diener? Die Gesinnung Jesu, selbstlos zu lieben. Wir sollen wie Kinder werden. Wollen wir wie Kinder werden? Das ist nicht eine Möglichkeit unter vielen, sondern die einzige Möglichkeit, unter der Herrschaft Christi zu leben. Es war Jesus sehr wichtig, dass seine Jünger ein Kind vor Augen hatten. 'Schaut euch dieses Kind gut an. Strebt danach, wie ein solches Kind zu werden.' Wir können von Kindern lernen!


2. Werdet wie Kinder. V.2+3


Das sagt Jesus Christus auch uns. Wir wollen darüber nachdenken, was er damit meint und was das für uns bedeutet. Er meint damit sicher nicht, dass Erwachsene wieder klein werden sollen, so wie ein Pullover schrumpft, den man zu heiß gewaschen hat. Vielmehr sollen wir unser Denken und Verhalten ändern. Unser Herz soll sich verändern. Hier brauchen wir Gottes Hilfe. Es geht Jesus darum, in manchen Dingen wie ein Kind zu denken und wie ein Kind sich zu verhalten. Darum sollen wir umkehren (Denken) und uns selbst erniedrigen (Demut). V.2-4.


Der Audienzsaal ist der größte Saal im Lübecker Rathaus und wird heute für Empfänge und Feierlichkeiten benutzt. Der sogenannte Ratssaal befindet sich im Erdgeschoss. Hier tagte früher das Obergericht der Hanse. Dies geht heute noch aus den dort zu lesenden Inschriften hervor. Es gibt zwei Eingangstüren: Eine große und eine kleine. Die vor Gericht stehenden Personen sollten im Falle einer Verurteilung den Saal durch die kleine Tür verlassen und im Falle eines Freispruches den Ausgang durch die große Tür nehmen. Dies diente zur Information für die vor dem Saal wartenden Bürger.


Das war nicht angenehm für die Verurteilten, durch diese kleine Tür zu gehen, sich zu bücken. Das Wunderbare bei Gott ist, dass wir zwar auch durch so eine Tür gehen und uns zu unserer Schuld bekennen, aber dass er uns mit offenen Armen empfängt und wir neue Menschen werden.


Wie nur Kinder es können, sollen wir vertrauensvoll abhängig werden von unserem himmlischen Vater. Mal ehrlich: War die Kindheit nicht eine wunderbare Zeit?! War es nicht toll, völlig unbeschwert, sorglos zu leben?! Als Kinder brauchte man sich über vieles keine Sorgen machen.


Kinder vertrauen ihren Eltern völlig. Wenn ihr Vater Ihnen etwas gesagt hat, dann ist es für sie Wahrheit. Sie machen sich dann keine Sorgen darum, ob das auch wirklich stimmt. Sie glauben fest daran. Deshalb sollen Eltern darauf achten, dass dieses kindliche Vertrauen nicht durch voreilige Versprechungen zerstört wird, die sie später nicht einhalten können. Denn das Vertrauen in Gott hängt sehr davon ab, inwieweit ein Kind seinen Eltern vertrauen konnte. Ein Beispiel kindlichen Vertrauens zeigt diese kleine Begebenheit: Als im letzten Jahrhundert in England eine große Dürre das Land heimsuchte, wurde in einer Kirchengemeinde eine Gebetsstunde angesetzt, um für Regen zu beten. Ein Kind, das auch davon gehört hatte, nahm daran teil und kam mit einem Regenschirm zur Kapelle. Als man es lächelnd fragte, was es denn mit dem Schirm wolle, fragte es erstaunt: Soll hier denn nicht um Regen gebetet werden?


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Hast du gelernt, Kinder mit Jesu Augen zu sehen? Bist du bereit, dir von Kindern etwas sagen zu lassen? 1. Kön 5,1-5 Der Hauptmann Naeman war bereit, sich von einem Kind helfen zu lassen. Gott hat ein Kind gebraucht, damit er ein anderer, neuer Mensch wurde. Das kann Gott auch heute! Für Jesus sind Kinder Vorbilder. An ihnen sehen wir, wie wir Gott vertrauen sollen, ernst nehmen sollen. Jesus macht deutlich, welche Haltungen in unserer Beziehung zu Gott wichtig sind: Offensein, Staunen, Vertrauen können. Es ist ein ganz schlichter Glaube, der hier gefordert ist, ein Glaube, in dem der Mensch in Gott einen treuen Vater und eine liebende Mutter sieht und bereit wird, sein Leben in die Hände dieses Gottes zu legen.


Und dann gibt es noch etwas, dass hier als Leitbild uns vor Augen gestellt wird. Wenn Kinder fragen, dann fragen sie weil sie es wirklich wissen wollen. Erwachsenen ist das manchmal sogar lästig, weil sie so konsequent ihre Fragen stellen. Wenn Kinder dann nach Gott fragen, wenn sie ihm sozusagen einmal auf die Spur gekommen sind, dann kann ihre Neugierde nicht so schnell ausgelöscht werden. Sie sind wach und hellhörig, sie beginnen zu fragen und zu forschen. Sie sind offen für etwas, auch wenn es ihren Horizont übersteigt. In diesem Sinn sollen wir eine kindliche Haltung annehmen. Und so wünsche ich uns auch einmal die Unbekümmertheit, die sagt, Komm, lasst uns es doch einmal probieren, die Offenheit auch was Neues zu wagen. Gottvertrauen ist zu wissen: Er ist dabei und wir wollen ihm auch zutrauen, dass er uns mit offenen Armen auffängt, wenn tatsächlich einmal was schief gehen sollte.


In dein Erbarmen hülle /
mein schwaches Herz /
und mach es gänzlich stille /
in Freud und Schmerz.

Laß ruhn zu deinen Füßen /
dein armes Kind: es will die Augen schließen /
und glauben blind.

(Julie von Hausmann)


Gebet: 'Herr, danke, dass ich fragen und lernen darf wie ein Kind. Schenke mir den Mut, dass ich mich nicht mit oberflächlichen Antworten zufrieden gebe. Und schenke mir Weisheit, gute und wichtige Fragen zu stellen. Ich will dein Wort und deinen Willen verstehen. Ich will wachsen. Bitte, hilf mir dabei.'


3. Kinder brauchen Hilfe.


Je kleiner Kinder sind, desto größer scheint ihr Bedürfnis nach Hilfe. In Wirklichkeit brauchen größere Kinder nicht weniger Hilfe als kleinere. Größere Kinder brauchen andere Hilfe. Das hat Gott so gewollt. Ja, es ist gut, sich helfen zu lassen. Gott möchte, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. l Tim 2,3f David dichtete einen wundervollen Psalm, der diese Wahrheit bekennt: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat. Ps 121,1


Herrlich, in dieser Gewißheit zu leben. Wer wie ein Kind gern Hilfe annimmt, für den ist Platz im Reich Gottes. In Jesu Augen ist ein Mensch erst dann wirklich groß, wenn er sich wie ein Kind gern helfen läßt. Sich selbst klein machen heißt sich bewußt unter die starke Hand Gottes zu stellen. Wer sich unter Gottes Hand stellt, der kann sich auch unter andere Menschen stellen, um ihnen zu dienen. Menschliches Denken wird umgekehrt. Es gilt: Je kleiner, desto größer.


Gebet: 'Herr, hilf mir zu erkennen und zu glauben, dass es gut ist, sich helfen zu lassen. Hilf mir, davon überzeugt zu sein, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, Hilfe und Rat anzunehmen, sondern von Größe.'


4. Kinder machen Fehler.


Manchmal freuen sich Erwachsene über die Fehler von Kindern, oft freuen sie sich nicht darüber. Doch wie soll ein Kind lernen, was richtig und was falsch ist, was gut und was böse ist, wenn es keine Fehler machen darf?! Selbstverständlich machen Kinder Fehler. Und wir vergeben ihnen. Kinder dürfen Fehler machen. Kinder dürfen versagen. Könnt ihr euch vorstellen, dass ein Kind sich tagelang, wochenlang, jahrelang Vorwürfe macht, ach hätte ich doch...? Aber das tun wir. Wie verkehrt. Wir dürfen Fehler machen. Gott hat uns trotzdem lieb. Er liebt dich auch wenn du ihm Kummer gemacht, ist näher als je du gemeint. Barmherzig, geduldig und gnädig ist er... Wir dürfen Vergebung erbitten, vergessen und Gott danken, dass er von Herzen vergibt.


5. Kinder bleiben nicht sauber.


Ob sie es wollen oder nicht, Kinder werden regelmäßig gebadet (meistens). Ginge es nach manchen Kindern, dann gäbe es keine Badewannen und Waschlappen. Jesus sagt uns: Ihr sollt werden wie Kinder. Laßt euch regelmäßig von allem Schmutz und Dreck befreien. 1. Joh 1,7-9 Sünde ist wie Schmutz, der uns von anderen und von Gott trennt. Sünde ist wie Sand im Getriebe. Wir verletzen andere, sind gedankenlos, rücksichtslos und egoistisch, ungeduldig und unehrlich, gemein, gleichgültig, feige...


Gebet: 'Herr, ich will gern deine Vergebung annehmen. Wie ein Kind immer wieder gewaschen werden muss, so will ich täglich aus deiner Vergebung leben. Hilf mir, deine Vergebung dankbar anzunehmen und auch anderen von Herzen zu vergeben."


6. Kinder wollen lernen.


Kinder wollen Zusammenhänge verstehen. Sie wolle ihre Welt verstehen. Wieso, weshalb, warum - wer nicht fragt bleibt dumm. Kinder sollen Fragen stellen und müssen Fragen stellen. Sie sollen nachfragen. Das ist im Judentum eine wichtige Sitte, z.B. bei Festen (5 Mo 6,20) oder Denkmälern (Josua 4,5-7). Kinder sollen angeleitet werden, die richtigen Fragen zu stellen. Hier haben Eltern eine große Verantwortung, Kindern geduldig und ehrlich Fragen zu beantworten. Wir können von ihnen lernen. Christen sollen Jünger sein und bleiben Ein Jünger ist ein Lernender, Schüler, d.h. Fragender, Suchender. Von uns sollte es auch heißen; Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel... Apg 2,42 Denn wer aufgehört hat zu fragen und zu lernen, hat aufgehört nachzufolgen und zu wachsen.



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