Autorität und gelingendes Leben
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Epheser 6,1-4 – 10.2.2013 – Pastor V. Janke

Eine alte Dame fuhr mit ihrem schweren, alten Cadillac auf den Parkplatz eines Supermarktes. Es dauerte eine Weile bis sie eine Parklücke fand. Doch just als sie in die Parklücke fahren wollte, kam ein junger Mann in einem Sportwagen und setzte mit quietschenden Reifen in die Parklücke, stieg aus und sagte zu der alten Dame mit einem Grinsen auf dem Gesicht: „Sehn sie, Oma, das ist was sie machen können, wenn sie jung und schnell sind.“ Die Frau schaute ihn an, setzte ihren schweren Wagen ein Stück zurück, legte den ersten Gang ein, gab Vollgas und - Bäng! - drückte den Sportwagen wie eine Blechdose gegen die Wand. Der junge Mann stand mit zitternden Knien da als die alte Dame langsam ausstieg und betont ruhig sagte: „Sehen sie, junger Mann, und das ist was sie machen können wenn sie alt und reich sind.“


Wie gut, dass Konflikte zwischen Alt und Jung nicht immer so enden. Doch Spannungen, Streit und Konflikte sind unvermeidbar in Familien. Wo Menschen miteinander leben, gibt es auch Konflikte. Konflikte sind Begleiterscheinungen des Reifens und der Veränderung. Das gilt aber nicht für alle Konflikte. Es gibt auch zerstörerische und krankmachende Konflikte. Die Bibel spricht offen darüber. Gute und heilsame Ordnungen für das Miteinander sind daher lebensnotwendig - weil wir in einer in Sünde gefallenen Welt leben. Nachdem Paulus grundsätzliches zum Miteinander in der Ehe gesagt hat, wendet er sich dem Miteinander von Kindern und Eltern zu: Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht. Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn.


Die Kinder sollen das Hören auf ihre Eltern und das Gehorchen besonders einüben. Väter sollen Rücksicht und Barmherzigkeit besonders einüben und ihren Kindern helfen, Gott ernst zu nehmen. Für Kinder und Eltern geht es hier um den Segen gottgewollter Autorität. Das ist ein schwieriges und zugleich wichtiges Lernfeld. Weil die Familie die Schule für das Leben ist, soll gelebter Glaube das Familienleben prägen. Familienleben kann eine Quelle von viel Segen sein, aber auch von viel Not und Unglück. Gott will, dass Menschen sich Autorität unterordnen. Unausgesprochen steht im Hintergrund dieses Bibeltextes die Wichtigkeit von gottgewolltem Umgang mit Schuld und Vergebung. In einer Familie ist gelebte Vergebung und Versöhnung der Humus für Hoffnung und Lebensmut.


1. Die Missachtung von Autorität bringt Unheil


Gottes Wort berichtet offen über erschütternde Familienkatastrophen.


  • 1) Da war Ham, einer der Söhne Noahs, der sich über seinen betrunkenen Vater lustig machte. Es war nicht nur die eine verwerfliche Tat, es war auch die Haltung dahinter, der fehlende Respekt, der das Missfallen des Vaters hervorrief.
     
  • 2) Isaak musste erleben, wie sein zweitgeborener Sohn Jakob ihn nach Strich und Faden betrog.
     
  • 3) Jakob erlebte, wie seine Söhne ihn über Josef belogen und über Jahre im Glauben ließen, er sei tot.
     
  • 4) Hofni und Pinehas, die Söhne des Priesters Eli, hatten sich, entgegen den Warnungen ihres Vaters, am Opferfleisch vergriffen. Sie aßen es mit Vergnügen, obwohl es ihnen nicht zustand. Besonders traurig war die Unfähigkeit Elis, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Ein Bote Gottes kam und kündigte ihm schlimme Gerichte an. Sie traten ein. Beide Söhne fielen im Krieg und als der Bote dem betagten Eli die Botschaft überbrachte, fiel er rücklings nach hinten und brach sich das Genick.
     
  • 5) David wurde von seinem Sohn Absalom, den er über alle Maßen liebte, vom Königsthron gedrängt.
     
  • 6) Rehabeam, der als Nachfolger seines Vaters Salomo berufen war, hatte entgegen dem Rat der Minister seines Vaters die Steuern drastisch heraufgesetzt: Er wandte sich vom Rat der Ältesten ab und nahm den Rat der Jüngeren an, die ihn ermutigten, die Steuern noch weiter heraufzusetzen als es sein Vater Salomo schon getan hatte (1. Kön 12). Rehabeam erlebte, dass sich zehn von den zwölf Stämmen Israels von ihm abwendeten. Das Volk Israel wurde geteilt und blieb geteilt. Überall sehen wir Unheil. Schon im AT leiden Menschen unter einem Generationenkonflikt.
     

In den Sprüchen gibt es viele wichtige und kluge Ratschläge über Erziehung und auch über den Gehorsam der Kinder. Fast schockierend drastisch heißt es z.B. in Spr 30,17: Ein Auge, das den Vater verspottet und verachtet der Mutter zu gehorchen, das müssen die Raben am Bach aushacken und die jungen Adler fressen. Der Prophet Maleachi spricht am Ende des AT eine Hoffnung und eine Verheißung aus, in der sich auch die Familien- und Generationennot Israels zeigt. Er drückt die Hoffnung aus, dass vor der Wiederkunft des Messias der Prophet Elia vorausgehen möge und das Herz der Väter zu den Söhnen bekehren und das Herz der Söhne zu den Vätern bekehren werde:
Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des HERRN kommt. Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern, auf dass ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage. Maleachi 3,23f Das Gesetz hat es nicht geschafft, Frieden zwischen den Generationen zu bringen. Maleachi spricht diese große Hoffnung aus, die ins Neue Testament hinüberleitet.


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2. Achtung von Autorität bringt Segen und langes Leben. 6,1-3


Ihr Kinder seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn.. Paulus richtet sich mit drei Versen an die Kinder. Drei von 154 Versen ist nicht viel, aber es ist genug für ein gesegnetes Leben. Ehre deinen Vater und deine Mutter, auf dass dir's wohl gehe und du lange lebest auf Erden. Wenn Kinder das zu Herzen nehmen, dann werden sie davon profitieren. Und weil ich meine Kinder liebe, will ich, dass sie es nicht schwer haben, zu gehorchen, dass sie gern hören, dass es ihnen nicht schwer fällt, mich als Autorität anzuerkennen. Zu Hause sollen Kinder lernen, Autorität zu achten.


Dwight L. Moody, ein amerikanischer Evangelist, hat gesagt, Ich habe mehr als 60 Jahre gelebt und wenn ich nichts anderes gelernt habe, so habe ich doch dies eine gelernt: kein Mann und keine Frau, die ihren Vater oder ihre Mutter nicht ehren, haben jemals im Leben Erfolg. Experimente mit antiautoritärer Erziehung haben gezeigt, dass Kinder ein Problem im Leben bekommen, wenn sie keine ordentliche Erziehung bekommen haben. Gerade in den ersten Lebensjahren werden viele Fundamente gelegt, auf die ein Mensch später sein Leben aufbaut – das kann positiv oder negativ sein, man kann sein Leben lang von seiner Kinderstube profitieren oder lebenslang darunter leiden. Erzieh den Knaben für seinen Lebensweg, dann weicht er auch im Alter nicht davon ab. Spr 22,6 EÜ


Seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn… Kinder, die ihren Eltern gehorchen sind kein Zufall. Kinder, die die Autorität ihrer Eltern anerkennen sind mit dieser Fähigkeit nicht geboren. Sie haben es gelernt. Man braucht ihnen nicht beizubringen Nein zu sagen. Sie brauchen es auch nicht zu lernen sich mit Geschwistern zu streiten – das können sie. Doch auf Eltern zu hören und ihre Autorität anzuerkennen soll gelernt werden. Für mich als Vater bedeutet das: Ich muss die Spannung aushalten, die unweigerlich dort auftritt, wenn ich als Autorität meinen Kindern helfen will, Grenzen zu respektieren. Und Erziehung bringt viele Spannungen und auch Stress mit sich. Aber es lohnt sich. Eins der Zehn Gebote schreibt vor, Vater und Mutter zu ehren. Es ist das erste Gebot, an das sich eine Verheißung knüpft: „damit Du lange lebst“. Das interessant, denn es zeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen einem langen Leben und einer guten Erziehung gibt.


Dr. James Kennedy schreibt in seinem Buch über das Leben in der Familie folgendes, Ich habe viele Menschen gekannt, die in ihrem Beruf sehr fähig waren, aber im Leben nicht zurecht kamen weil sie mit anderen Leuten nicht zurecht kamen. Sie wechselten von einer Arbeit zur anderen, schwächten ihre Familie und machten ihre Ehen kaputt. Der Grund ihres Problems kann auf die Tatsache zurückgeführt werden, dass sie als Kind nie gelernt hatten sich Autorität unterzuordnen weil ihre Eltern es nicht von ihnen verlangt hatten. Diejenigen, die über diesen Sachverhalt eine Studie gemacht haben, stellten fest, dass die meisten Leute an ihrem Arbeitsplatz scheitern, nicht weil es ihnen an technischem Wissen fehlt, sondern weil sie unfähig sind mit anderen Mitarbeitern zurecht zu kommen, besonders mit denen, die in Autorität über ihnen sind. Ein Kind muss lernen sich einer höheren Autorität unterzuordnen. (Learning to live with the people you love S.103)


Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn


  • 1) Joseph wird von seinem Vater vor den anderen bevorzugt. Das führt zu einer Verbitterung und zu einem tiefen Hass der Brüder gegen ihn. Achtet darauf, dass keiner bevorzugt wird.
     
  • 2) Auch wenn Eltern mit aller Macht wollen, dass ihr Kind jemand wird oder etwas kann, dass das Kind überfordert und den Eindruck schafft, „so wie ich bin, bin ich nicht gut genug oder gewollt“ – dann kann das Verbitterung schaffen.
     
  • 3) Verbitterung entsteht auch, wenn Versprechen nicht eingelöst werden. Wem kann das Kind dann noch vertrauen? Verspreche wenig und halte alles!!
     
  • 4) Sei nicht zu streng und trage nicht zu lange nach. Passiert dies, dann erwacht im Kinde die Bitterkeit und es verliert den Glauben an die Verzeihung und gibt die Hoffnung auf Besserung auf. Im Epheserbrief steht: Ich beuge meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesu Christi, von dem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden ihren Namen hat. Alle Vaterschaft muss sich messen lassen am Vater im Himmel: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lk 6,36 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten. Ps 103,13 In der Erziehung und im Umgang mit anderen Menschen ist Gott barmherzig. Vor allem Kinder brauchen barmherzige Eltern. Deswegen ist es so wichtig, dass Christen das Vatersein Gottes studieren und praktizieren. So lernen wir auch neu, Vater und Mutter zu ehren und unsere Pflichten als Eltern wieder neu in den Blick zu bekommen. Mein Sohn, achte auf meine Worte, neige dein Ohr meiner Rede zu! Lass sie nicht aus den Augen, bewahre sie tief im Herzen! Denn Leben bringen sie dem, der sie findet, und Gesundheit seinem ganzen Leib. Spr 4,20-22 EÜ
     

Der Jugendpastor Wilhelm Busch erzählte, dass in den letzten Lebenstagen seines Vaters dieser einmal an seine Tür geklopft und gesagt hat: „Ich möchte gern, dass du mich da auf einen bestimmten Gang begleitest." Wilhelm Busch sagte zu seinem Vater: „Ich habe jetzt keine Zeit, ich muss lernen." Einige Tage später war sein Vater tot. Und er berichtete, er habe eine ganze Nacht am offenen Sarg zugebracht und bitterlich geweint. Da kam es nicht mehr zur Aussprache. Aber wo sie noch möglich ist, da sollten wir sie schleunigst anpacken. Das sind der Wunsch und die Verheißung des Maleachi.


Das sind wir unserem Herrn, dem Vater im Himmel, und das sind wir dem Sohn schuldig.



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