Ich bin Gast auf Erden
Hebräer 13,10-14 – 13.1.2013 – Pastor V. Janke

Zwei afrikanische Straßenkinder unterhalten sich über das Leben. Der 10-jährige Nelio ist neu in der Gruppe. Cosmos ist der Anführer. „Wenn du Tristeza oder Alfredo oder einen der anderen fragen würdest, was sie sich am meisten im Leben wünschen, was meinst du, würden sie antworten?” Nelio überlegte. „Verschiedenes, meinte er.” „Da bin ich nicht sicher”, sagte Cosmos. „Gibt es etwas, das über allem andern steht? Über Müttern und satten Bäuchen und fernen Dörfern und Kleidern und Autos und Geld?” - Sie lagen schweigend da, während Nelio nachsann. „Personalausweise”, sagte er schließlich. „Ein Papier mit einem Foto, das sagt, dass man genau der ist, der man ist, und niemand anderer. ” „Ich wusste, dass du es erraten würdest, sagte Cosmos. Das ist es, wovon wir träumen. Personalausweise. Aber nicht, damit wir wissen, wer wir sind. Das wissen wir auch so. Sondern damit wir ein Papier besitzen, das uns das Recht gibt, der zu sein, der wir sind.” „Ich habe nie einen Personalausweis besessen”, meinte Nelio nachdenklich. „Wir sollten uns welche besorgen”, sagte Cosmos. (Der Chronist der Winde, H. Mankell, S.138f)


Das ist nicht einfach, sich einen Personalausweis zu besorgen. Brot kann man sich besorgen. Aber einen Personalausweis bekommt man nicht so einfach. Und das wünschen sich diese Straßenkinder am meisten im Leben: einen Personalausweis, ein Papier, das ihnen das Recht gibt, der zu sein, der sie sind. Doch braucht ein Mensch einen Personalausweis, um das Recht zu haben, der zu sein, der er wirklich ist? Wer gibt mir das Recht, der zu sein, der ich wirklich bin?


Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hebr 13,14 ruft uns zur Besinnung. Wie sicher ist das, was dir Sicherheit bietet? Weißt du, wohin du unterwegs bist? Und weißt du, wer du bist? Weißt du es, wer du wirklich bist?? Der Hebräerbrief konfrontiert auch uns mit diesen Fragen. Der Brief war an Juden geschrieben, die zum Glauben an den auferstandenen Jesus Christus gefunden hatten. Dann waren sie enttäuscht und mutlos geworden und wollten zurück zu ihrem alten, vertrauten Glauben. „Nein! Das ist falsch und gefährlich,” argumentiert der Hebräerbrief. „Als Christen dürft ihr nie vergessen, wer ihr wirklich seid: Nachfolger von Jesus Christus. Ihr könnt nicht beides haben: diese Welt und Gottes neue Welt, hier eine Heimat und dort eine Heimat.”


1. Weißt du, wohin du unterwegs bist?


Denn hier auf der Erde gibt es keinen Ort, der wirklich unsere Heimat wäre und wo wir für immer bleiben könnten. Unsere ganze Sehnsucht gilt jener zukünftigen Stadt, ´zu der wir unterwegs sind`. NGÜ Ein englisches Sprichwort fragt, ob Heimat dort ist, wo man geboren wurde oder dort, wo man seine Freunde hat. Der große Dramatiker Carl Zuckmayer fragte, ob Heimat der Ort ist, an dem man geboren wurde oder der, an dem man zu sterben wünscht. Wo Heimat ist, wird unterschiedlich gesehen. Und doch ist es sehr wichtig, eine Heimat zu haben. „Hier geben wir Ihnen einen Überblick über unsere derzeit zu vergebenen freien Parzellen. Die Angebote werden laufend auf den neuesten Stand gebracht.” Als ich dies Angebot las, dachte ich erst, es handelt sich um eine originelle Idee von Christen. Dann habe ich festgestellt, dass die „Kleingartenanlage Ewige Heimat e.V.” dies Angebot macht.


Heimat ist eine tiefe menschliche Sehnsucht. Wir können dankbar sein, dass wir unsere Heimat nicht verlassen müssen, um Arbeit zu haben oder unseren Glauben leben zu können. In vielen Ländern ist das anders. 43 Millionen Menschen sind auf weltweit jährlich auf der Flucht. Wir haben hier keine bleibende Stadt - das ist für Flüchtlinge eine schmerzhafte Wahrheit. Oder wenn die letzte Lebensphase von Demenz geprägt ist. Der Dichter Arno Geiser beschreibt in seinem berührenden Buch „Der alte König in seinem Exil" die tiefe Heimatlosigkeit seines demenzkranken Vaters: „Mit der Krankheit nahm er die Unmöglichkeit, sich geborgen zu fühlen, an den Fußsohlen mit. ... Und seine Familie konnte unterdessen täglich beobachten, was Heimweh ist. ... Und erst Jahre später begriff ich, dass der Wunsch, nach Hause zu gehen, etwas zutiefst Menschliches enthält. Spontan vollzog der Vater, was die Menschheit vollzogen hatte: Als Heilmittel gegen ein erschreckendes, nicht zu enträtselndes Leben hatte er einen Ort bezeichnet, an dem Geborgenheit möglich sein würde, wenn er ihn erreichte. Diesen Ort des Trostes nannte der Vater Zuhause, der Gläubige nennt ihn Himmelreich” (S. 56)


Über das Ziel des Lebens haben sich Christen seither Gedanken gemacht, ob modern oder alt. Das Wissen um die Heimat bei Gott gehört wesentlich um Christsein.


Es gibt Menschen, die haben ihre Heimat verloren. Ihr Zuhause, wo sie lebten und wo sie geboren.
Sie kennen Einsamkeit und Verlassensein, sie klagen und stimmen mit Nietzsches Vers überein: „Weh dem, der keine Heimat hat.” // Wir Menschen sind von Gott auf Heimat angelegt. Auf Gemeinschaft, Geborgenheit, die das Herz bewegt. Auf einen Platz, von dem wir sagen: „Hier gehöre ich hin, / sonst verliert alle Arbeit und Mühe den Lebenssinn.” // In unserer Welt gibt es aber nur Heimat auf Zeit. Einmal heißt es Abschiednehmen. Sind wir bereit? Getröstet ist der, der weiß von einem himmlischen Ort. Davon spricht Gott zu uns in seinem heiligen Wort. // Verloren ist der Mensch, der Weg und Ziel nicht kennt, weil er ohne Gottes Weisung durch sein Leben rennt. Er ist ohne Hoffnung gebunden an die Dinge dieser Welt, wo kein Glanz der Liebe Gottes das Leben erhellt. // Wer aber von Gottes Liebe als sein Kind ist angenommen, der kennt ein Sehnen in die ewige Heimat zu kommen. Es sind alle Menschen, die Jesus Christus von Herzen lieben, ihre Namen stehen im Lebensbuch Gottes geschrieben.

(Ewigkeitsgedicht, Autor: Ursula Wulf, 2009)


Ich bin ein Gast auf Erden - Und hab hier keinen Stand, - Der Himmel soll mir werden, - Da ist mein Vaterland. - Hier reis' ich bis zum Grabe; - Dort, in der ewgen Ruh, - Ist Gottes Gnadengabe, - Die schleußt all Arbeit zu. // So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt, Doch denk ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straßen, Die zu der Heimat führt, Da mich ohn alle Maßen Mein Vater trösten wird. // 9. Mein Heimat ist dort droben, Da aller Engel Schar Den großen Herrscher loben, Der alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und für erhält, Auch alles hebt und leget, Nach dems ihm wohl gefällt. (P. Gerhardt)


„Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit.”
G. Tersteegen)


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Die zukünftige Stadt ist ein Ort der Freude am Leben mit Jesus, an der neuen Schöpfung, am Wiedersehen mit geliebten Menschen. »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« 1. Kor 2,9 Die zukünftige Stadt ist ein Leben ohne quälende Fragen und Zweifel. Gott befreit uns von der Sehnsucht nach den „schönen alten Zeiten.“ Jesus stärkt unsere Sehnsucht nach einer besseren Welt.


2. Weißt du, wer du bist?


Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hebr 13,14 Im Unterschied zu allen anderen, wissen wir Christen, dass wir hier keine bleibende Stadt haben und dass es eine zukünftige Stadt gibt, die zu suchen sich lohnt! Auf die Frage, wer ich bin, antworte ich:


1) Ich bin ein Mensch, der den Ruf von Jesus Christus gehört hat und Ihm vertraut.

Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Hebr 13,8 Jesus sagt uns, Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Joh 14,1-3 Wenn Jesus will, dass ich da bin, wo er ist, dann will ich das auch!


2) Ich bin ein Mensch, der so fest glaubt und hofft, dass mein ganzes Leben davon geprägt ist.

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (…) Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt. Hebr 11,1+6 Das Wort „suchen“ beschreibt das ganze Denken und Trachten, das vom Glauben geprägte Leben. Gott suchen und die „zukünftige Stadt suchen“ sind eins.


3) Ich bin ein Mensch, der in Gottes Reich und in die Ewigkeit investiert und dessen Bankkonto das bestätigt.

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Matth 6,19-21 Christen haben einen Schatz im Himmel, weil sie in das investieren, was bleibenden Wert verspricht.


4) Ich bin ein Mensch, der mitarbeitet und der seine Zeit und Kraft für Gott einsetzt.

Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Matth 6,31-33 Wenn Jesus hier von allem spricht wonach die Heiden trachten, dann gebraucht er das gleiche Wort, das wir als „suchen“ auch in der Jahreslosung haben. Mein Denken und viele Entscheidungen in meinem Leben sollen um das kreisen, was Gott wichtig ist. Denn dann wird Gott für das sorgen, was ich zum Leben brauche.


5) Ich bin ein Mensch, der festhält an der Zuversicht, an der Gemeinschaft und am Bekenntnis der Hoffnung.

Denn wir haben an Christus Anteil bekommen, wenn wir die Zuversicht vom Anfang bis zum Ende festhalten. Hebr 3,14 So sollten wir durch zwei Zusagen, die nicht wanken - denn es ist unmöglich, dass Gott lügt -, einen starken Trost haben, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung. Hebr 6,18 Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; und lasst uns aufeinander achthaben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken. Hebr 10,23f Gott wirkt in mir Treue und Beharrlichkeit – so leicht lass ich mich nicht davon abhalten, für Gott und sein Wort zu leben.


6) Ich bin ein Mensch, der auch Leid und Unrecht im Vertrauen auf Gott erträgt.


Gedenkt aber der früheren Tage, an denen ihr, nachdem ihr erleuchtet wart, erduldet habt einen großen Kampf des Leidens, indem ihr zum Teil selbst durch Schmähungen und Bedrängnisse zum Schauspiel geworden seid, zum Teil Gemeinschaft hattet mit denen, welchen es so erging. Denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und den Raub eurer Güter mit Freuden erduldet, weil ihr wisst, dass ihr eine bessere und bleibende Habe besitzt. Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Hebr 10,32-35 Wer oder was gibt Christen die Kraft, Unrecht und Leid um ihres Glaubens willen zu ertragen? Jesus selbst und sein Vorbild sind Christen eine Hilfe, Leid und Unrecht zu ertragen. Aber auch das Wissen, dass ich unterwegs bin zur bleibenden Stadt, gibt mir Kraft. Es sollte Christen nicht wundern oder befremden, wenn sie Spott, Verfolgung und Schmach um ihres Glaubens willen erleiden. Das sollen wir als Mahnung verstehen, dass wir hier keine bleibende Stadt haben. So erklärt es der Hebräerbrief: So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Hebr 13,13 (vgl. 10-14)


Wer gibt mir also das Recht, der zu sein, der ich wirklich bin? Die Antwort finden wir am Ende des Hebräerbriefes, Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Hebr 13,20f Gott macht mich tüchtig, der zu sein, der ich wirklich bin.



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