Von Eulen und Eseln leben lernen (2)
Epheser 5,15-21 – 11.11.2012 – Pastor V. Janke

„Der Esel nennt sich selbst zuerst.”

„Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis tanzen.”

„Störrisch wie ein Esel.”


Der Esel gehört zu den Tieren, mit denen man nicht gern in Verbindung gebracht werden möchte. Nennt jemand dich einen Esel, dann ist das kein Lob. Es ist eine höfliche Umschreibung für: „Du bist dumm.” Oder: „Du bist störrisch, starrsinnig oder faul.” In Psalm 32 werden wir eindringlich gebeten, Seid nicht wie Rosse und Maultiere, die ohne Verstand sind, denen man Zaum und Gebiss anlegen muss; sie werden sonst nicht zu dir kommen. In der Guten Nachricht wird die Bitte so übersetzt: Sei doch nicht unverständig wie ein Maultier oder Pferd! Die musst du mit Zaum und Zügel bändigen, sonst folgen sie dir nicht.


Da ist in der Tat eine Menge dran – auch wenn es uns empört, dass wir mit einem Maultier und einem Pferd verglichen werden. Gott möchte, dass wir verständig werden. In der sog. Weisheitsliteratur der Bibel wird der Mensch beschrieben als von Natur unverständig. Wie lange wollt ihr Unverständigen unverständig sein und ihr Spötter Lust zu Spötterei haben und ihr Toren die Erkenntnis hassen? Spr 1,22 Menschen sind von Natur aus unverständig. Sie tun sich schwer, freiwillig zu Gott zu kommen, Gott zu vertrauen. So viel was Menschen tun kann mit Recht als Eselei bezeichnet werden. Eine Eselei ist eine höfliche Umschreibung für eine Dummheit. Zweimal erwähnt Paulus die Themen Weisheit und Dummheit in diesen Versen. So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, (…) Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. V.15.17


2. Christen sollen nicht wie die Esel leben – unverständig. V.17-21


Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.


Wodurch zeigt sich nun, dass ich verständig und weise bin, dass ich kein Esel bin, dass ich klug bin wie die Eule? Auf diese Frage gibt Gottes Wort hier zwei Antworten.


Erstens, verständig und weise ist der, der die Zeit auskauft, der Gelegenheiten nutzt um Gott zu ehren, um Salz und Licht zu sein. Zweitens, verständig und weise ist der, der sich nicht mit Wein berauscht, sondern vom Geist erfüllen lässt. Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern laßt euch vom Geist erfüllen. Weingenuss ist nicht verboten, wohl aber der Missbrauch von Alkohol. Erstaunlich sind diese beiden Alternativen nebeneinander: Sich berauschen oder sich vom Geist erfüllen lassen. Wer sich Rauschmitteln hingibt ist noch unverständig, ist ein Esel. Wer sich dagegen vom Geist Gottes erfüllen lässt, ist klug und verständig wie eine Eule. Hinter beidem verbirgt sich das Gleiche: die Sehnsucht nach Leben. Sich vom Geist Gottes erfüllen zu lassen ist jedoch der bessere Weg. Und darum beantwortet Paulus konkret, wie es gelingen kann, sich vom Geist erfüllen zu lassen – wirklich lebendig zu sein.


Ein amerikanischer Werbemanager ist gestorben und steht vor Petrus. Der fragt ihn: „Wollen sie in den Himmel oder in die Hölle?” Da entgegnet der Werbemanager: „Ja, kann ich mir Himmel und Hölle mal anschauen? Das würde mir die Entscheidung erleichtern.” „Sicher.” antwortete Petrus und zog mit dem Werbemanager los. Zuerst kamen sie über eine große Wiese, auf der viele Menschen in kleinen Gruppen zusammen saßen. Sie sangen Lieder, waren vergnügt, und die friedliche Atmosphäre wurde von Harfenklängen untermalt. „Das ist der Himmel.” sagte Petrus.


Sie gingen weiter. Da sahen sie vor sich einen großen Swimmingpool. Es herrschte Partystimmung. Den Menschen im Pool wurden von leicht bekleideten Mädchen Drinks serviert. „Das ist die Hölle.”, sagte Petrus. „Also, für was entscheiden sie sich?”. „Na, wenn das so ist, dann ich möchte in die Hölle!” Kaum hatte der amerikanische Werbemanager diese Worte gesagt, bogen um die Ecke zwei grässliche Teufel, die nach Schwefel stanken. Sie zerrten den Werbemanager, der sich heftig wehrte, mit sich zu einem großen Topf mit kochendem Öl. „He”, rief der empört, „was soll das! Vorhin sah das hier noch ganz anders aus, so mit Pool und Mädchen und Drinks!”. „Tja”, entgegnete einer der Teufel, „da haben sie wohl unsere Werbeabteilung gesehen!”


Menschen sind verführbar. Darum gibt die Werbung jedes Jahr Milliarden aus.


Wichtig: Es gibt kein Schnellverfahren zur Geisterfüllung. Hier sind neue Gewohnheiten wichtig. Wir haben hier vier Wege, die der Erfüllung mit dem Geist Gottes dienen:


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Erfüllung mit dem Geist Gottes geschieht dadurch


1. dass wir einander mit Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern ermuntern.


Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern. - Die ersten Christen erlebten ihre Gottesdienstfeiern als eine Art Buffet. Jeder brachte etwas mit, wen man zusammen kam. Der eine hatte einen Psalm, der andere eine Lehre, der dritte ein persönliches Erlebnis. Die geistliche Auferbauung geschah durch viele. Psalmen und Lieder bringen uns in die Gegenwart Gottes, erinnern uns daran, wer Gott ist und was andere vor uns mit Gott erlebt haben. Erfüllung mit dem Heiligen Geist geschieht in der Gemeinschaft von Christen und durch den anderen.


2. dass wir von Herzen für den Herrn musizieren.


Singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen. - Das Wort hier (psallo) ist verwandt mit dem Wort Psalmen. Es wird auch mit musizieren übersetzt. Damit kann Singen gemeint sein, aber auch das von Instrumenten begleitete Singen oder das Zupfen von Saiteninstrumenten. Wichtig ist hier, dass dies Musizieren von Herzen kommen soll und dem Herrn gelten soll. Das Wesentliche beim Lob ist die innere Einstellung und Ausrichtung im Herzen.


3. dass wir immer für alles Gute danken


und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. - Danken ist Ausdruck der frohen Anerkennung empfangener Geschenke. Hier geht es um alles Gute, was Gott gibt. Nicht für Schwierigkeiten sollen wir danken, aber in Schwierigkeiten das Danken nicht ver-gessen. Gott ist Geber aller guten Gaben! Jak 1,17 Ich mochte als Kind die TV-Sendung Am laufen Band. Am Ende konnte ein Kandidat alle Dinge behalten, die auf einem Förderband vor seinem Auge vorbei liefen – und an die er sich danach erinnern konnte. Es heißt ja, „Nur das, wofür wir danken, gehört uns wirklich.” In dem Sinne: Was gehört dir wirklich? Wofür hast du Gott schon gedankt?


„Gott will das Heil und das Leben für alle Menschen, das Licht. Diese Aufforderung können wir eher so begreifen, als dass wir auch in schweren Zeiten unseres Lebens, auch in dunkeln Stunden innerlich danach Ausschau halten, wofür wir dankbar sein können, und dieser Dankbarkeit großen Raum geben. Ich kenne Trauernde, die sich mit tief verwundeten Seelen in Dankbarkeit üben und täglich danken für das große Geschenk, den Verstorbenen gehabt zu haben, gekannt haben zu dürfen, für alle geteilten glücklichen Momente, dafür, dass es ihm jetzt gut geht, für den Trost, den Gott schenkt und für vieles weitere. Dankbarkeit hilft uns auf den schweren Wegen unseres Lebens, auch auf dem weg der Trauer. Es geht nicht darum, Leiderfahrungen zu verdrängen oder zu überspielen, sondern dem Rechnung zu tragen, dem Ausdruck zu verleihen, dass auch diese Leiderfahrungen eingetaucht sind in das große Licht, das von Gott ausgeht.” (Pfarrerin Angelika Volkmann)


4. dass wir einander in der Ehrfurcht vor Gott unterordnen V.21


Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi. - Dieser Vers gehört von der ursprünglichen Satzkonstruktion zu dem vorherigen Abschnitt. Hier ist ein Sinnzusammenhang, der mit der Frage zu tun hat, wie sich Christen zueinander verhalten. So wird deutlich, wie weit der Heilige Geist Raum hat in ihrem Leben und Herr ist. „Man kann Geistesfülle nicht durch Gotteslob haben wollen, wenn man zugleich nicht die Ordnungen Gottes für unser Zusammenleben befolgen will” (Pastor Helge Stadelmann) Ordnet euch einander unter bedeutet, dass jeder sich in die Ordnung, die Gott für das jeweilige Verhältnis gesetzt hat, einordnet. Da gibt es für beide Seiten Pflichten. Wo Mann und Frau, wo Kinder und Eltern, wo Angestellte und Chefs sich um Gottes Willen so verhalten, gewinnt Gottes Geist Raum in ihnen und Herrschaft über wichtige Lebensbereiche.


Worum geht’s? Achtsam leben, bewusst leben, überlegt leben, klug leben, mit Urteilsvermögen leben, diszipliniert, vom Geist Gottes erfüllt, beherrscht, besonnen, gemeinsam und verbindlich leben, ermu-tigend leben, dienend leben, mit Liedern und Psalmen leben, dankbar leben.



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