Zieht den neuen Menschen an
Epheser 4,17-24 – 22.07.2012 – Pastor V. Janke

In der alten Malerei sind die Farben in vielen Schichten aufgetragen, jeder Farbton entsteht aus der optischen Mischung übereinander liegender Farben. Immer begannen die Alten Meister mit einer dunklen Grundierung, so wurde die Leuchtkraft des Ultramarins gebrochen, das war auch erwünscht, denn reines Ultramarin ist so intensiv, dass es andere Farben beherrscht. Ein weiterer Grund für den Mangel an leuchtendem Blau: Im 19. Jahrhundert wurde es Mode, jedes Gemälde mit einem bräunlichen Firnis zu überziehen. Jede leuchtende Farbe galt als banal und kitschig. Dürer als größter deutscher Maler wurde besonders dick mit ‚brauner Soße übermalt‘ - so nennen es Restauratoren heute. Mittlerweile wird dieser Firnis, wenn es möglich ist, wieder entfernt, dann erstrahlen alte Meister in Farben, die man nie für altmeisterlich gehalten hätte. (Eva Heller, Wie Farben auf Gefühl und Verstand wirken, S. 33)


Sünde ist wie dies Firnis – sie entstellt Menschen. Das ganze Wesen eines Menschen ist davon gezeichnet. Und wie bei diesen alten Bildern denken viele Menschen: „Das ist doch normal so. Das ist doch gut so. So sind Menschen. Was gibt es daran auszusetzen?“ Wir gewöhnen uns in der Tat an Zustände, Meinungen und Beurteilungen, an die wir uns nie gewöhnen sollten. Sünde entstellt Menschen bis in die Tiefe ihres Wesens – und sie merken es nicht!


Wenn der „Firnis“ wegkommt - die Macht der Sünde gebrochen ist, dann ist ein Mensch neu geworden! Durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus wird ein Mensch fähig, sich mit neuen Augen zu sehen, sich im Licht Gottes zu sehen. Dann siehst du dich immer mehr als ein Werk des Meistermalers: einzigartig, wertvoll, kunstvoll, geliebt. „Erst im Akt des Glaubens begreift der Mensch, wozu er immer schon bestimmt war, noch ehe er geboren wurde, nämlich Geschöpf Gottes zu sein.“


In diesen Versen in Eph 4,17ff wird uns gesagt: „Du bist ein wertvolles Geschöpf Gottes. Nun lebe auch so! Und lebe nicht wie alle anderen, die Gott nicht kennen. Du bist ein Geschöpf Gottes. Darum hat dein Leben einen Sinn: verherrliche und bezeuge deinen Schöpfer und Retter.“


1. Christen sagen Nein zu einem gottlosen Leben. 2,17-19


So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben dürft, wie die Heiden leben in der Nichtigkeit ihres Sinnes. Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens. Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier.


Paulus lässt am Menschen ohne Gott nichts Gutes. Ein Pluralismus, der alles gelten lässt und jeden nach seiner Facon selig werden lässt gibt es hier nicht. Jesus sagt dazu Nein. Christen sagen darum auch Nein zu solch einem Pluralismus. Ohne Gott sind Menschen verloren. Ohne Gott sind Menschen geistlich blind, tot. Jesus hat Menschen wirklich anders gesehen und beurteilt. Jesus weinte über Menschen und sagte, sie sind wie Schafe ohne Hirten (Matth 9,36). Einem erfolgreichen und wohlhabenden Landwirt sagt Gott, „Du Narr.“ (Lk 12,20)


Mit scharfem Blick hat Paulus die wahre Not der Menschen erkannt und benannt: Ihr Denken ist verkehrt und führt ins Leere, ihr Verstand ist verdunkelt. Sie wissen nicht, was es bedeutet, mit Gott zu leben, und ihre Herzen sind hart und gleichgültig. (Hoffnung für alle) Mit Nachdruck warnt Paulus: So dürfen Christen nicht mehr leben! Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass Christen anders leben als Nichtchristen? Offenbar ist es wichtig, dass uns gesagt wird: So dürft ihr nicht mehr leben.


Paulus sagt: Früher lebtet ihr ohne Gott. Ihr wart von Gott entfremdet und völlig abgeschnitten von der Gemeinschaft mit Gott. Für Gott wart ihr tot. Deshalb war euer Sinn verfinstert, ihr wart verstockt, unerreichbar für Gottes Reden. Ihr wart völlig allein, losgelöst von eurer Bestimmung. Und darum war euer Lebenswandel problematisch. Gottes Wille kümmerte euch nicht. Wie es euren Mitmenschen wirklich ging, war euch egal. Doch wirklich war ihr dabei auch nicht.


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2. Christen sagen Ja zu einem erneuerten Leben. 2,20-24


Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt; ihr habt doch von ihm gehört und seid in ihm unterwiesen, wie es Wahrheit in Jesus ist. Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Eph 4,20-24


Wer Jesus kennt, sieht Menschen und sich selbst mit anderen Augen. Christ werden bedeutet, sehen lernen – sehen mit Gottes Augen. Geistlich sehen und geistlich verstehen. Das macht Paulus dann deutlich am Bild der Kleidung. Das Bild von der Kleidung, die den Menschen verändert, geht durch die ganze Bibel: die ersten Fellkleider für Adam und Eva (1.Mo 3,21); der bunte Rock, den Josef von seinem Vater bekam, weil er Josef besonders liebte (1.Mo 37,3); der Prophet Jesaja freut sich über die Kleider der Rettung (Jes 61,10); der heimgekehrte verlorene Sohn bekommt das beste Gewand (Lk 15,22); Und immer sind die Kleider aus Gnade und Liebe geschenkte Kleider! Und sie erheben den Träger in eine Ehrenstellung. Im Denken der Bibel ist die Kleidung etwas sehr wichtiges, denn sie zeigt Wesen, Würde und Charakter des Trägers. Wer Christus angezogen hat, ist mit seiner Würde und seinem Wesen gekleidet, hat Teil an Ihm. Das wird in der Geistestaufe vollzogen, dem Einswerden mit Jesus. Der Glaube macht Menschen vor Gott gerecht (V.24), nicht die Taufe.


Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel … Paulus schreibt, was das konkret bedeutet: nie mehr lügen, sondern: die Wahrheit sagen (V.25). Nicht mehr unversöhnt auseinander gehen, sondern bald den Zorn begraben (V.26). Nicht mehr stehlen, sondern eigenes Geld verdienen und anderen helfen (V.28). Nie mehr abfällig reden, sondern reden, was anderen gut tut und sie stärkt (V.29). Nie mehr Groll und Wut nähren, sondern Bitterkeit und Bosheit überwinden (V.31). Keine Feinde machen oder die Gemeinschaft verlassen, sondern von Herzen vergeben, wie es Jesus uns vergibt (V.32). Das sind die neuen Kleider. Das ist die angesagte Mode bei Christen.


Ich erinnere mich an eine Fernsehsendung über übergewichtige Menschen. Ein sensibles und schwieriges Thema. Eine Frau berichtete von ihrer Erfahrung. Durch ihr Übergewicht hatte sie Beschwerden. Sie ging zu einer Ärztin. Und die wollte das Gewicht dieser Frau feststellen. Erst wollte diese Frau nicht gewogen werden. Doch die Ärztin bestand darauf. Als sie gewogen wurde, bestätigte sich die Befürchtung dieser übergewichtigen Frau: Die Waage reicht nur bis 150 kg. Die Frau wog aber 164 kg. Die Ärztin blieb beharrlich: Kommen sie mit. Nicht weit von hier ist der Schlachthof. Die haben eine bessere Waage. Das war ein einschneidendes Erlebnis für diese Frau. „Ich werde auf einer Waage gewogen, die für Schlachtschweine bestimmt ist!“ Das war der Anfang eines wichtigen Veränderungsprozesses. Wenn Menschen Jesus kennenlernen, dann wollen sie Ihm ähnlich werden, dann spüren sie den Wunsch, ein anderer Mensch zu werden, dann wollen sie wie Christus sehen, denken, leben.


… zieht den neuen Menschen an … Martin Luther wird in seinen Auslegungen zum Epheserbrief hier deutlich. „Unmöglich ist’s, das einer wirklich Christus erkennt und an ihn glaubt – und dann doch ein Dieb bleibt, ein Ehebrecher, ein falscher, untreuer Mensch.“ Den neuen Menschen anziehen ist keine Leistung, die wir erbringen und auf die wir stolz sein können. Es ist vielmehr so, dass wir Jesus erlauben, uns nach und nach „neu einzukleiden.“ Auch reife Christen hören nicht auf daran zu denken, dass Jesus ihr Leben noch verändern und erneuern will. Von sich selbst sagt Luther: Wenn ich einmal drei Tage nicht bete, wird mein Herz kalt und ich es geht nicht ohne Schaden ab. Wörtlich schreibt er: „Unser Herz ist gegen das Wort wie eine Eisscholle. Wenn’s nicht wieder schmilzt, wird ein Stein daraus. Darum soll man gern auf das Wort hören.“



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