Verachte nicht den Tag des geringen Anfangs
Sacharja 4,6-10 – 27.05.2012 – Pastor V. Janke

Warum darf man eigentlich auf Deichen nicht zelten? Die kleinen Löcher, verursacht durch die Heringe, könnten bei einer Flut die Grasnarbe zerstören und den Deich gefährden. Ein kleines Loch kann einen Deich gefährden. Ein Funke kann ein Haus anzünden. Aber auch das Gute und Wunderbare braucht kleine Schritte, kleine Anfänge. Das Lesen der Bibel kann einen Menschen zu einem Kind Gottes machen. Zu sagen „Es tut mir Leid“ ist ein kleiner aber wichtiger Schritt auf dem Weg zur Versöhnung.


Was wir bestaunen und bewundern hat oft einen unscheinbaren Anfang gehabt. Die Bedeutung des kleinen und unscheinbaren Anfangs erkennen wir oft nicht. Im Vertrauen auf Gottes Liebe und Treue werden wir den Wert des kleinen und unscheinbaren Anfangs ermessen können. Und genau darum geht es Gott: wir sollen den Stellenwert des geringen Anfangs richtig beurteilen. Verachte nicht den Tag des geringen Anfangs! Diesen wichtigen seelsorgerlichen Rat sollen wir beherzigen. Doch zuerst müssen wir ihn verstehen. Die Geburt von Jesus ist ein Beispiel, um diesen Rat zu verstehen.


Zu Weihnachten besingen Lieder das neugeborene Baby Jesus. Viele Lieder wollen uns an seinen Anfang erinnern. Und es ist gut, dass wir daran denken, dass Jesus genauso wie wir in diese Welt kam: als schutzbedürftiger Säugling. Martin Luther hat es so beschrieben: 'Euch ist ein Kindlein heut geborn / von einer Jungfrau auserkorn, / ein Kindelein so zart und/ein, /das soll euer Freud und Wonne sein.' In einem anderen, alten Weihnachtslied singen wir: 'Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart...' Das große und mächtige Erlösungswerk Gottes begann mit einem zarten und kleinen Baby. Als Jesus geboren wurde hat die Welt geschlafen. Kein Mensch hat gesungen. Wisst ihr, warum die Engel mit einem herrlichen Choral Gott gelobt haben? Weil sie wussten: dieser Tag des geringen Anfangs ist ein großer Tag! Es war ein großer Tag, weil Gott mit diesem Kind war. Im Wissen um Gottes Liebe und Treue haben die Engel den wahren Wert dieses kleinen und unscheinbaren Anfangs erkannt.


1. Menschen neigen dazu, den Tag des geringen Anfangs zu verachten.


Denn wer immer den Tag des geringsten Anfangs verachtet hat, wird doch mit Freuden sehen den Schlußstein in Serubbabels Hand. Sach 4,10 Was damals geschah ist typisch. Menschlich gesehen war da kein Anlass, Großes zu erwarten. „Was können wir schon ausrichten? Der Tempel wird niemals wieder so schön und imposant, wie er einmal war. Da ist so viel Arbeit und wir sind wenige.“ Die Menschen erkannten nicht den Wert der kleinen Gehorsamsschritte. Wir können von kleine Tieren und Insekten lernen: Spr 30,24ff Wir können von Naeman lernen: 2 Kön 5,1-15 Gott heilt den Feldhauptmann nicht so wie er es erwartet hatte. Dieser Mann ist in seiner Haltung typisch für viele Gläubige: sie sind bereit, etwas Großes an sich tun zu lassen, doch die kleinen Gehorsamsschritte wollen sie nicht gehen. Doch Gott kann oft nur da wirken, wo wir ihm vertrauen, auch wenn seine Wege mit uns anders sind als unsere Erwartungen. Auf den kleinen Schritte des Gehorsams liegt Gottes Segen.


2. Der Teufel fürchtet die kleinen Anfänge.


Als Jesus als kleines und unscheinbares Baby geboren wurde, gab es eine große, internationale Krisensitzung im Rat der Bösen. Ich bin mir sicher: könnten wir den Schleier der unsichtbaren, bösen Welt für einen Moment heben, so würden wir einen zutiefst besorgen Satan sehen. In der Stunde der Geburt Jesu gab es für ihn nur eine Devise: Wehret den Anfängen! Wehret den Anfängen! Der Teufel fürchtet die kleinen Anfänge der Werke Gottes.


Sollte es uns da wundem, das es noch jemanden gab, der dieses kleine und unscheinbare Baby sehr ernst nahm?! Die Maxime dieses Mannes war auch: wehret den Anfängen! Er hieß Herodes. Herodes nahm dieses Baby ernst. Er hatte sich fest vorgenommen, dieses Baby zu töten: Matth 2,13-15. Herodes war ein Werkzeug in der Hand des Bösen. Ein Gleichnis Jesu warnt uns davor, die Bemühungen Satans zu unterschätzen: Die aber auf dem Weg, das sind die, die (Gottes Wort) hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden Lk 8,12 Zerstreuung, Ablenkung, spannende Unterhaltung, wichtige kulturelle Ereignisse, faszinierende Schauspieler: der Satan bedient sich vieler Werkzeuge, um die Anfänge der Werke Gottes zu zerstören.





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3. Jesus wusste, dass Gott auch das Kleinen und Unscheinbare segnet.


In einem Gleichnis sagt Jesus: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das ist das kleinste unter allen Samenkörnern: wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, so dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen. Matth 13,31f Jesus sagt uns damit: 'Der winzige und unscheinbare Anfang, der jetzt geschieht, soll niemand irremachen. Gott fängt wohl klein an, aber am Ende wird der Tag des geringen Anfangs ein unbeschreiblich großer Tag. Denkt daran. Darum könnt ihr schon heute singen.


Wir wollen uns an Jesus selbst ein Vorbild nehmen. Er lebte ganz für Gottes Willen. Er investierte seine Zeit und Kraft in Menschen, die unscheinbar und gewöhnlich waren. Nach menschlichen Gesichts-punkten waren die 12 Apostel wenig verheißungsvoll für ihre zukünftige Aufgabe. Doch Jesus vertraute seinem Vater. Und er glaubte an diese Männer. Er hatte viel Geduld mit ihnen. Er hat sie geliebt bis zum Ende! Dann hat er ihnen den großen Auftrag aller Zeiten gegeben. Und vom Pfingsttag an haben wir den Beweis: Es war gut, dass Jesus den Tag des geringen Anfangs mit diesen Männern nicht verachtet hat.


Ich glaube, dass die Gerinachtung der kleinen Anfänge uns drei Wahrheiten zeigt:


  • Erstens

ist unsere Beurteilung oft falsch. Der wahre Wert des kleinen Anfangs bleibt uns oft verborgen, weil wir nur mit natürlichen Augen sehen.


  • Zweitens

ist unser Vertrauen oft falsch. Im Vertrauen auf unsere eigene Kraft und Fähigkeit fangen wir bereitwillig etwas an. Wenn es in unseren Augen machbar ist, dann fällt es uns nicht schwer, Gott zu vertrauen. Doch dieses Vertrauen ist falsch, weil es nicht in Gott gründet.


  • Drittens

sind unsere Erwartungen oft falsch. Wir warten auf besondere Zeichen von Gott, bevor wir Gottes Willen tun. Wir warten auf besondere Gefühle, bevor wir Gottes Willen tun. Wir warten auf ein Wunder Gottes, anstatt durch unseren Gehorsam der kleinen Schritte, Gott Raum zu geben für ein Wunder.


Wir können von Jesus lernen: Matth 25,21+23 Des Menschen Treue auch in geringsten Dingen und über Weniges wird von Gott nicht verachtet, sondern belohnt. So ist unser Umgang mit Geld eine wichtige Prüfung unserer Treue. Das sollen wir nicht unterschätzen: Lk 16,10ff Verachtet nicht den Tag des geringen Anfangs! Es geht um die Wertschätzung und die richtige Beurteilung der kleinen Anfänge. Und es geht um das gelebte Vertrauen in Gottes Liebe und Treue.


Und der Geist und die Braut sprechen: Komm!

Und wer es hört, der spreche: Komm!

Und wen dürstet, der komme;

und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.

Offenbarung 22,17


Wir wollen das leise Reden Gottes ernst nehmen und die kleinen Schritte tun, die er von uns erwartet.


Wir wollen aus Vertrauen und Liebe zum Herrn den Tag des geringen Anfangs wertschätzen.



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