Höret, so wird eure Seele leben
Jesaja 55,1-3 – 08.04.2012 – Pastor V. Janke

‚Johann hilft dem alten, schwerhörigen Grafen nach seiner späten Heimkehr aus dem Mantel. „Na, alter tauber Korkenzieher“, flachst er, „wieder in der Bar rumgelungert und Sekt gesoffen?“ – „Nein, Johann“, erwidert der Graf, „in der Stadt gewesen und Hörapparat gekauft!“ Wenn man taub war und plötzlich wieder hören kann, das muss ein erhebendes, überwältigendes Erlebnis sein. Als ob einem die Welt neu geschenkt wird.


1. Wer Gott hört, lebt wirklich.


Auch Ostern, die Auferstehung, hat mit Hören zu tun. Johannes 11,43f: Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus. Wenn der Sohn Gottes redet, dann hört auch ein Toter. Gott redet und Tote hören auf, tot zu sein. Gott redet und der Tod verliert seine Macht. Anders gesagt: Gott redet und durch sein Wort schenkt er Menschen Leben. Petrus hat es wunderschön beschrieben, Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes. Joh 6,68f


2. Wer Gott hört, lässt sich taufen.


Wenn Ostern uns an die Kraft von Gottes Wort erinnert, dann gehört auch die Taufe genannt. Wo immer Menschen auf das Bekenntnis ihres Glaubens getauft werden, so wie heute, da haben Men-schen Gott gehört. Gottes Wort hat schöpferische Kraft. Gottes Wort hat Kraft, Leben zu schaffen. Das geistliche Leben besteht in der Fähigkeit, Gott zu hören, Gott zu vertrauen, Gott „meinen Vater“ zu nennen.


Als Petrus das Pfingstwunder erklärte und seine erste Predigt gehalten hat, schreibt Lukas: Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes. Apg 2,37f


Die erste Europäerin, die zum Glauben an Jesus Christus fand, wird in Apg 16 erwähnt. Paulus predigt in Philippi: Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, so dass sie darauf achthatte, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, …. V.14f


Viele hundert Jahre vorher hat Gott durch den Propheten Jesaja sein Volk eingeladen. Diese bildhafte Einladung gilt bis heute. Höret, so wird eure Seele leben.


Inmitten der Imbissbuden und Stände
formt unser Gott zum Trichter die Hände

umsonst, schreit er, umsonst ist's zu haben,
sperrt's Maul auf und kommt,

ich will euch hier laben,
mit Wasser, mit Korn, mit Milch und Wein

für jeden das Rechte, dazu noch fein,
lasst die Abzocker stehen,

lasst euer Geld stecken,
die speisen nur ab und ihr müsst verrecken,

wobei Abgespeist-Sein den Vorteil hat,
man ist nicht mehr hungrig, aber auch niemals satt.


Drum, wer sich noch traut, mal hungrig zu sein,
der komme herzu, den lade ich ein,

und wer spürt, warum die Säufer saufen,
der trinke bei mir, denn es ist nicht zu kaufen,

was den Durst löscht und damit versöhnt,
dass nicht jeder Lohn lohnt, so viel man auch löhnt;

und wer noch aufschreit, wozu all das Protzen,
das, was man uns auftischt, das ist ja zum Kotzen,

dem tische ich auf, der schenke ich ein,
denn sie trauen sich hungrig und durstig zu sein.


So ruft unser Gott auf dem Markt ganz laut,
euer Durst wird gelöscht, indem ihr auf mich baut.

Und wer auf mich baut, schaut mir auf die Finger,
bringt mich auf den Tisch u. dreht meine Dinger.


Der leiht mir sein Ohr und hört herzlich hin,
wird Erquickung und Speise wie ich es bin.

Die verschenkt sich umsonst, wie ich es tue,
umsonst, um den Preis drangegebner Ruhe,

umsonst, um den Preis von verschenktem Leben,
das nicht zählt für die Rente u. Hochglanz-Epen.





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So sagt unser Gott uns, was jeder weiß,
auch das, was umsonst ist, hat seinen Preis,

und wie bei allem, was wir erwerben,
ist die Frage dann nur, taugt's zum Leben und Sterben?


Erfüllt es schon heute, läßt's feiern und danken,
läßt's Zuflucht finden und hilfreiche Schranken,

läßt's Leute finden, die auch erfüllt,
die mit Hunger leben, der nicht gestillt,

und die in bleibendem Dürsten hoffen,
dass sie den richtigen Wirt getroffen.

Der uns zuruft, so lasst es euch nochmals sagen: Jes 53,1-3

Danke, Herr, für dein Angebot, und danke für die, die es hören.

(Martin Polivka)

3. Wer Gott hört, dessen Durst und Hunger wird gestillt.


Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! … Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!


"Mein neues Hörgerät ist so winzig klein, dass man es kaum sieht." "Toll! Und was hat es gekostet?" "Halb drei..." - Das ist das Problem beim Menschen. Er hört und hört doch nicht. So unbeschreiblich viel Not und Leid geht zurück auf schlechtes Hören und Nicht-Hören. Im Vergleich zum Menschen besitzen viele Tiere ein erstaunliches Gehör. Während Menschen in der Lage sind, Töne im Bereich von 20 bis 20 000 Hertz (Schwingungen pro Sekunde) zu hören, können Hunde im Bereich von 40 bis 46 Kilohertz und Pferde von 31 bis 40 000 Hertz hören.


Experten im Bereich der hohen Frequenzen sind die fast blinden Fledermäuse. Sie vernehmen Frequenzen im Bereich von 20-80 Kilohertz. Das menschliche Ohr nimmt Frequenzen über 20 Kiloherz gar nicht mehr wahr! So können Fledermäuse selbst bei völliger Dunkelheit Insekten fangen: Sie sehen mit den Ohren.


Ausgezeichnet hören können auch Katzen. Jaguar und Luchs können extrem leise Töne wahrnehmen. Die Haarpinsel des Luchses haben einen besonderen Zweck. Sie sind wie Antennen und lenken den Schall in die Gehörgänge. Das funktioniert so gut, dass er Geräusche wahrnimmt, die einen ganzen Kilometer weit weg sind. Seine sehr beweglichen Ohren können Frequenzen bis 60kHz wahrnehmen welche auch extrem leise sein können. Unsere Katze Silvie springt manchmal plötzlich auf und rennt aus dem Wohnzimmer. Auch wenn ich selbst nichts gehört habe, weiss ich mittlerweile warum unsere Katze das tut: sie hat meine Frau gehört. Und die gibt unserer Katze Futter.


Leiht mir euer Ohrt, ruft Gott. Gott selbst ringt, bittet um ein offenes Ohr, ein hörendes Herz. Höret, so werdet ihr leben! In der Bibel ist Hören und Vertrauen an vielen Stellen ein und dasselbe. Hören und glauben ist of eins. Die Einladung „Höret“ bedeutet „vertraut mir, so werdet ihr leben.“ Wer vertraut, hört. Wer vertraut, wird leben. Wer Gott vertraut, weiß sich geliebt, geborgen, gesegnet. Wer Gott vertraut, dessen Lebensdurst wird gestillt. Paulus sagt, Der Glaube kommt also aus dem Hören der Botschaft; die Botschaft aber gründet in dem Auftrag, den Christus gegeben hat. (Römer 10)


Der König Salomo durfte sich von Gott wünschen, was er wollte. Was für eine Gelegenheit! Was würdest du dir wünschen, wenn Gott dir anbietet, dir jeden Wunsch zu erfüllen? Salomos Wunsch war klug: Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht. Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren? Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach. 1. Könige 3,9


Wohlan, ihr Durstigen alle, kommt her zum Wasser; und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum wiegt ihr Geld ab für das, was kein Brot ist, und euren Arbeitslohn für das, was nicht sättigt? Hört doch auf mich, so sollt ihr Gutes essen, und eure Seele soll sich laben an fetter Speise! (Schlachter 2000)


Wer Gott hört, dessen Lebenshunger wird gestillt. Wer Gott hört, dessen Lebensdurst wird gestillt. Umsonst Wasser trinken und umsonst die besten Speisen essen. Gott bietet uns Überfluss an – zum Leben! Höret, so wird eure Seele leben. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Jes 50,4f



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