Stark werden am inwendigen Menschen
Epheser 3,14-19 – 17.03.2012 – Pastor V. Janke

Eine Angestellte der Firma Schlecker fürchtet um ihren Arbeitsplatz. Sie hat 25 Jahre in der Firma gearbeitet. Im Radio wird über die Situation von Angestellten berichtet. Die Frau sagte, „Da kann ich mir ja gleich ein Grab schaufeln, wenn ich am 1.4. entlassen werde.“ Das klingt verzweifelt. Sicher ist eine Entlassung kein Todesurteil. Aber leicht wegstecken lässt sich das auch nicht. Mich hat der Satz dieser Frau erinnert: wir brauchen Kraft, mit schwierigen Situationen umzugehen, zurechtzukommen. Wenn mir Unrecht widerfährt brauche ich innere Stärke, besonnen und gütig zu reagieren. Stark ist, wer auf Rache verzichtet, wer vergibt, wer Geduld hat. Stark ist, wer auch Mal auf sein Recht verzichten kann. Stark ist, wer sich und anderen nicht etwas beweisen musst. Stark ist, wer vertraut. Darauf kommt es vor allem an: auf innere Stärke.


Doch wie sieht die Realität aus? Nicht nur körperlich, auch seelisch sind wir nicht so stark wie wir gern wären. Darum bete ich. Aus dem Gebet schöpfe ich Kraft. Wie David, der sagt: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat. Ps 121,1 Es gibt einen Gott, der dir hilft und dich stärkt durch seinen Geist, durch sein Wort, durch seine Gemeinde.


Stellt euch dies Gebet wie ein Schloß vor, in dem ihr von Saal zu Saal geht. Im 1. Saal werden wir mit Kraft am inwendigen Menschen gestärkt. Im 2. werden wir fest verwurzelt und gegründet in der Liebe Jesu, der in uns wohnt. Im 3. werden wir befähigt, mit allen Heiligen zu begreifen wie unermeßlich groß Gottes Liebe ist. Im 4. erkennen wir die Liebe Christi durch persönliche Erfahrungen zu. Und im 5. Saal sind wir überwältigt von Gottes Güte, Gnade und Weisheit, die er an seiner Gemeinde beweist.


1. Gott gebe euch Kraft und innere Stärke. 3,14-17


1. Ein lebenslanges, ernsthaftes Gebet. (V.14) Dieses Gebet war keine einmalige Sache. Weil wir ein Leben lang auf Gottes Hilfe angewiesen sind, darum ist auch dies Gebet ein Leben lang nötig. Deshalb beuge ich meine Knie... Paulus zeigt uns, was wir wirklich brauchen. Weil Gott euch zu seinen Kindern gemacht hat, darum beuge ich meine Knie immer wieder, täglich, so lange mein Herz schlägt.


2. Ein Gebet um innere Stärke. (V.16f) Gott möchte dich durch seinen Geist stark machen am inwendigen Menschen. Der inwendige Mensch ist der Verstand, der Wille, die Gefühle, der Sitz des geistigen und geistlichen Lebens. Er ermöglicht Glauben, Vertrauen, Hoffnung, Treue, Demut, Liebe, Geduld, Barmherzigkeit etc. Christen sollen stark werden! Eph 6,10 Stark werden heißt nicht, aus eigener Kraft zu schöpfen, sondern mich an Jesus zu wenden, damit Er mich stärkt. Jesus will uns helfen, in der Kraft der Liebe Gottes zu leben. Und Jesus will uns Widerstandskraft geben, Überzeugungen, die Kraft geben, Nein zu sagen zu den verführerischen Angeboten des Bösen. Kraft ist nötig, um Überzeugungen und Glauben zu leben, und wenn nötig, Leiden in Kauf zu nehmen. Stark ist, wer in Übereinstimmung mit seinem Glauben und Gewissen handelt.


Gott kann uns stärken: Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft. Ps 138,3 (Jes 40,30f) Wie stärkt Gott den inwendigen Menschen? – durch andere Christen: wodurch jedes Glied das andere unterstützt nach dem Maß seiner Kraft. Eph 4,15f Es ist keine Sünde schwach zu sein; auch kein Zeichen mangelnder geistlicher Reife. Tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. (1.Thess 5,14) Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. (Röm 12,15) – durch die Zusage seiner Gnade. Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2.Kor 12,9) – durch die Einübung geistlicher Disziplinen. 1. Tim 4,7f Gott gibt Kraft nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit. Doch du wirst nicht empfangen, wenn du nicht bittest; und du wirst nicht bitten, wenn du kein wirkliches Verlangen hast; Ps 119,2 Was nützt dir das schönste Essen, wenn du keinen Appetit hast?





nach oben

2. Jesus Christus wohne in euren Herzen. V.17


Jesus ist durch seinen Geist im Leben eines jeden echten Christen anwesend. Doch Jesus möchte in unserem Herzen wohnen. Meine Wohnung sagt viel über mich aus. Wo Jesus in einem Menschen wohnt, da kann er die Wohnung gestalten, verändern, so einrichten, dass er sich wohl fühlt. Gott sagt: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen. Jes 57,15 Christus wohnt bei denen, die ihn einladen: Herr, mein ganzes Leben soll dir Ehre geben!


3. Gottes Liebe gebe euch Halt.


In der Anzucht von Pflanzen gibt es im Gartenbau eine alte, bewährte Methode – das Pikieren. Ich habe als Kind viele Jahre jedes Frühjahr stundenlang pikiert, d.h. sehr junge und zarte Pflanzen in eine flache, mit Erde gefüllte Kiste, verpflanzt. Die Pflanzen erhalten so mehr Platz zum Wachsen. Pikieren ist notwendig, um starke und gesunde Pflanzen zu bekommen. Für die Pflanzen ist Pikieren allerdings zuerst einmal ein Schock – so heißt der Fachausdruck. Denn beim Umpflanzen gibt es kleine Verletzungen an den zarten Wurzeln. Für zwei bis drei Tage lassen die Pflanzen dann ihre Blätter hängen. Doch als Folge bilden die Pflanzen mehr Wurzeln und können danach schneller wachsen und weitere Schocks besser verarbeiten. Die Pflanze hat ist durch eine Erfahrung standfester geworden.


Es ist Gottes Wunsch, dass wir in der Liebe eingewurzelt und gegründet sind. Darum pikiert Gott uns hin und wieder. Die Bibel ist voller Beispiele von Menschen, die Gott pikiert hat. (Jakob, Mose, David) Das ist nicht schön! Wenn wir die Wahl hätten, dann würden wir solche Krisen viel lieber vermeiden. Doch ohne diese Erfahrungen gibt es kein Wachstum. Ohne Prüfungen des Glaubens wird Glaube nicht gestärkt. Wer in der Liebe Gottes verwurzelt und gegründet ist, der ist stark: 1 Kor 13,4-7 Liebe gibt dir Kraft, nicht bitter zu werden; das Böse zu vergeben; sie gibt dir Kraft alles zu ertragen, alles zu glauben, alles zu hoffen, alles zu erdulden. Das ist die Kraft, die Gott durch seinen Geist gibt und die den inwendigen Menschen stärkt.


4. Gott schenke euch eine wachsende Liebe zur Gemeinde. V.18


Glaubenserfahrungen ermöglichen die Wertschätzung der Gemeinde. Was meint Paulus mit Breite etc.? Ich denke, er meint damit den ganzen Bau, die Wohnung Gottes, die Gemeinde (2,19-22). Die Epheser sollen mit allen Christen begreifen wie groß, umfassend und wertvoll die Gemeinde Jesu ist. Wißt ihr was das heißt? Erst Glaubenserfahrungen und eine gewisse Reife ermöglichen mir die richtige Sicht der Gemeinde. Meine Erfahrungen und die Erfahrungen anderer lassen eine echte Liebe zur Gemeinde wachsen, eine Dankbarkeit für die Gemeinde, eine Treue zur Gemeinde und Wertschätzung der Gemeinde. Geistliche Reife und Wertschätzung der Gemeinde gehört immer zusammen. Bsp. Petrus Wenn sie doch alle Ärgernis nehmen, so will ich doch niemals Ärgernis nehmen an dir. Matth 26,33 Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? (Joh 21,15) Petrus hat durch seine Erfahrung gelernt, dass seine Liebe zu Jesus nicht größer ist als die Liebe der anderen Jünger. Du wirst andere besser annehmen können, wenn du gelernt hast, dass alle im gleichen Maß aus Gnade allein gerettet sind und mit Jesus leben. Die Glaubenserfahrungen anderer Geschwister ermöglichen mir die Größe von Gottes Gnade und Liebe zu begreifen. Bsp. Zehn Blinde ertasten einen Elefanten. Jeder erlebt Gott auf besondere Weise und erst diese Erfahrungen anderer machen Gottes Größe und die Größe seiner Gemeinde deutlich. Kommt her, höret zu, alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen alles was er an mir getan hat. Ps 66,16


Viele Christen sind ein Beweis der Kraft Gottes, die in den Schwachen mächtig ist. Sie haben Gründe, warum sie eigentlich nicht mehr hier sein können, um Gottesdienst zu feiern. Ihr habt Erfahrungen gemacht – und macht vielleicht in diesen Tagen Erfahrungen – die euch an eure Grenzen führen und vielleicht auch darüber hinaus. Gott, warum läßt du das zu? Wenn es einen liebenden Gott gibt, warum muß ich all das erleiden? Bsp. Joseph Viele Christen haben Gott dennoch vertraut. Und durch diese Erfahrungen in meinem Leben und im Leben anderer ist es mir möglich, in allen Situationen getrost und zuversichtlich zu sagen: Dem aber, der überschwenglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.



Valid HTML 4.01!