Glaube am Montag – am Geld wird Glaube sichtbar
1 Korinther 16,1ff – 22.01.2012 – Pastor V. Janke

Mittellos. In der vergangenen Woche brannte ein Haus in Aachen. In der Zeitungsnotiz stand, dass die Familie alles verloren hat durch den Brand, dass sie mittellos ist. Mein erster Gedanke war: Ich hoffe, sie haben Verwandte und Freunde, die ihnen helfen. Das ist ein Segen, wenn Menschen anderen Menschen ihr Herz und ihr Portemonnaie öffnen. Wenn ein Mensch mittellos ist, gibt es immer noch die Hilfsbereitschaft und Liebe anderer.


Glaube am Montag - dies neue Projekt will einen gemeinsamen Lernprozess anregen. Dabei geht es um neue Aufmerksamkeit für die Frage, wie Christsein im Alltag konkret werden kann. Glaube am Montag zielt auf das glaubwürdige Christsein im Alltag. Heute möchte ich unsere Aufmerksamkeit auf unseren Umgang mit dem Geld lenken. Das Thema Geld ist auch in der Bibel aktuell und wird sehr oft behandelt. Der persönliche Umgang mit Geld ist in der Bibel keine Nebensache. Rund 700 direkte Bezüge gibt es dort zum Thema Geld. Viele der Gleichnisse von Jesus handeln vom Geld und dem Besitz. In 16 von 38 Gleichnissen von Jesus ist Geld das Thema. Ist Jesus hinter unserem Geld her? Nein, natürlich nicht! Jesus möchte unser Herz. In Matthäus 6,21 steht: Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Jesus wusste: viele Menschen halten ihr Geld für einen Schatz. Das ist heute genau so! Wie sieht das bei dir aus? Hand aufs Herz: wenn dein Portemonnaie nicht merkt, dass Jesus Herr deines Lebens geworden ist, dann taugt dein Glaube nicht viel, oder?! Ist Jesus Herr deines Lebens, dann sollte der Glaube auch am Geld sichtbar werden.


1. Christen lernen mit Geld christlich umzugehen.


Was aber die Geldsammlung für die Heiligen betrifft…


Über Geld spricht man nicht, sagt der Volksmund. Jesus aber hat das ganz ungeniert getan. Warum auch nicht?! Viele Menschen spüren ein sonderbares Unbehagen, wenn über dieses Thema gesprochen wird. Das wird auch heute Morgen so sein. Geld ist ein sensibles Thema. Vielleicht sind hier heute Morgen einige und denken: Der will mein Geld. Die entscheidende Frage ist aber: Was glaubst du? Was glaubst du, wie Christen mit Geld umgehen sollten?


Hier nun ein Auszug der Umfrage im Gottesdienst am 22.1.:


„Geld ist ein notwendiges Übel.“


„Geld macht das Leben angenehm, aber wenn man sein Herz daran hängt, macht es unglücklich. Für Arbeit bekommt man Geld. Kinder bekommen Taschengeld.“


„Geld ist für mich wichtig. Ich halte es zusammen, doch ich gebe auch gerne. Ich danke Gott für diese Gabe.“


„Ich versuche zu denken: Das Geld ist ja nicht weg, es ist nur woanders… smiley Im Ernst: Nach Abgabe des Zehnten bete ich, dass Jesus mich leitet im Umgang mit Geld, ein wenig zu sparen z.B. für Urlaub.“


„Man möge meinen Kontobewegungen ansehen, dass ich ins Reich Gottes investiere.“


„Ich finde es schade, dass ich nie genug Geld hatte um helfen zu können.“


„Materielle Sicherheit heißt für mich, meinen Kindern Nahrung und Kleidung zu kaufen. Wenn ich keine Rücklagen habe, habe ich Sorge, dass die Heizung oder das Auto oder andere Dinge kaputt gehen. Ich bin ohne Geld auf das Wohlwollen meiner Mitmenschen angewiesen. Geld bedeutet Sicherheit.“


„Geld macht nicht alles im Leben.“


„Wichtig für mich im Umgang mit Geld, dass ich immer für andere Menschen etwas über habe.“


„Mein Geld gehört Gott! Darum stelle ich ihn an erster Stelle.“


„Generell ist mir wichtig, dass ich nicht mich, sondern andere mit an erster Stelle bedenke.“


„Natürlich ist Jesus Christus der Wichtigste in meinem Leben. Aber Geld ist wichtig in meinem Leben. Ich nehme alles aus Gottes Hand. Er hat mir in meinem Leben immer das gegeben was nötig war. Und ich konnte auch immer davon abgeben.“


Auch Geld kann Liebe zu Gott und Vertrauen in Gott sichtbar machen. Für Jesus war das Verhalten in Sachen Geld eindeutig ein Gradmesser für das geistliche Leben. Der richtige Umgang mit Geld wird bei ihm zur Grundlage für eine gesunde Entwicklung des Glaubens: Wer in kleinen Dingen zuverlässig ist, wird es auch in großen sein, und wer in kleinen unzuverlässig ist, ist es auch in großen. Wenn ihr also im Umgang mit dem leidigen Geld nicht zuverlässig seid, wird euch niemand das wirklich Wertvolle anvertrauen. Lukas 16,10f.


Jesus nennt das Geld etwas Kleines, Geringes. Wer im Geringsten treu ist, ist auch in Vielem treu. Christen sollten darüber informiert sein, wie sie mit ihrem Geld umgehen sollen in Bezug auf Gott und sein Reich.


Paulus hat seine Ausführungen zur Auferweckung der Toten (Kap 15) abgeschlossen. Nun kommt er zum Schluss des Briefes (16,1-24). Dabei geht er auf noch zu regelnde Dinge ein, wozu eine Geldsammlung (Kollekte) gehört. Es handelt sich um eine "Geldsammlung für die Heiligen“. Bei den "Heiligen“ handelt es sich nicht um besonders verdienstvolle Christen, sondern um gewöhnliche Christen. Aus Sicht des Paulus sind alle Christen "Heilige“.





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2. Regelmäßiges Geben wird allen Christen aufgetragen.


An jedem ersten Tag der Woche lege ein jeder von euch bei sich etwas zurück und sammle an, soviel ihm möglich ist, damit die Sammlung nicht erst dann geschieht, wenn ich komme.


Jeder Christ soll jede Woche etwas Geld zurücklegen. Das ist Gnade, wenn ein Mensch mehr hat als er braucht. Und es ist Gnade, wenn ich abgeben kann und abgeben will. Grund für diese Bestimmung ist, dass die Geldsammlung nicht erst dann erfolgen soll, wenn Paulus nach Korinth kommt. Dann hätten die Christen in Korinth möglicherweise nichts angespart und es käme weniger Geld zusammen. Paulus müsste eine längere Aufenthaltszeit einplanen, damit die Geldsammlung in ausreichender Zeit erfolgen kann. Jeder soll das Geld bei sich daheim ansammeln. Paulus gibt dabei nicht vor, wie viel jedes Gemeindeglied ansammeln soll. Er sagt nur, dass es so viel sein soll, wie jeder erübrigen kann. Die Summe orientiert sich also am individuellen Einkommen. Damit wird einerseits kein Gemeindeglied über die finanziellen Möglichkeiten hinaus strapaziert, andererseits soll aber auch niemand weniger geben als er vermag.


Es geht ums Geben, um gelebte Solidarität, um Vertrauen und Liebe. Hier ist nicht eine gottesdienstliche Versammlung im Blick, sondern es geht um das Zurücklegen von Geld daheim. Das war Glaube am Montag. Der erste Tag der Woche war der Tag nach Sabbat. An dem Tag sollte jeder Christ Geld sparen. Es geht Paulus um eine bedachte Haushaltsführung, in der wöchentlich Geld zurückgelegt wird, bevor es anderweitig ausgegeben wird. Ein Beispiel hiefür ist Josef, der Sohn Jakobs. Der Pharao lobt ihn für seinen umsichtigen Plan, in den sieben Jahre des Überflusses zu sparen, um die sieben Jahre der Dürre zu überleben: 1.Mo 41,38. Die Juden haben am Sabbat keine Geldgeschäfte durchgeführt. Der Brauch des Sabbathaltens hat in einem gewissen Maß auch die Griechen und Römer beeinflusst.


Die Geschichte der Kollekte des Paulus für Jerusalem nimmt ihren Ausgangspunkt bei dem uns bekannten Apostelkonvent. Der wird in Galater 2,1–10 beschrieben. Da hält Paulus eine wichtige Vereinbarung fest: „Nur dass wir der Armen gedenken sollten, was ich mich auch bemüht habe zu tun.“ Die Armen, von denen hier die Rede ist, das sind die Christinnen und Christen in Jerusalem. Die Armen zu sein, zeichnete in besonderer Weise die Jerusalemer Christen aus. Der absolute Gebrauch des Begriffes in Gal 2,10 und die Tatsache, dass er keiner Erläuterung bedarf, sprechen dafür, dass es sich hier um einen bekannten Titel der Jerusalemer Christen handelte.


Die Kollekte des Paulus umfasst die halbe Welt. Offenbar handelt es sich bei der Kollekte in dieser Phase um eine Angelegenheit, die alle paulinischen Gemeinden betrifft, von Galatien im Osten bis Achaia im Westen. Richtig sagt Conzelmann, dass „sich die Sammlung über das ganze Missionsgebiet des Paulus erstreckt.“ Das lässt auf einen erheblichen Aufwand seitens des Paulus schließen, der sich in dieser Passage aus dem 1. Korintherbrief zum ersten Mal andeutet. Die Anordnung des Paulus ist aufschlussreich für den damaligen Zustand der Organisation bzw. Nicht-Organisation seiner Gemeinden: Es besteht offensichtlich noch kein organisiertes Finanzwesen. Auch eine Kollekte beim Gottesdienst ist nicht vorgesehen, wenn jeder das Seine bei sich selbst »deponieren« soll.


3. Gesunder Menschenverstand und Integrität sind wichtig.


Wenn ich aber gekommen bin, will ich die, die ihr für bewährt haltet, mit Briefen senden.


Der Umgang mit dem gespendeten Geld anderer ist für „Bewährte.“ Vertrauen ist sehr wichtig, wenn Geld verwaltet wird. Und Integrität. Dieser Vers deutet eine Aussprache und Wahl in der Gemeinde an. Glaube und gesunder Menschenverstand gehören unbedingt zusammen. Paulus bezeichnet die Spende als "charis“, also als eine "Gnade“. Es handelt sich folglich nicht um eine Art Steuer, sondern um eine freiwillige, aus Liebe geschehende Abgabe.


Paulus nennt ausdrücklich den Ort, in dem die Empfänger wohnen: Es ist Jerusalem, die Stadt, in der sich die erste Gemeinde gebildet hat. Warum die Gemeinde in Jerusalem das Geld erhalten soll, muss erschlossen werden, weil Paulus keinen Grund nennt. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass das Geld nur für ganz bestimmte, besonders bedürftige oder angesehene, Gemeindeglieder bestimmt ist. Somit ist zunächst davon auszugehen, dass die gesamte Gemeinde die Empfängerin ist. Warum erhält aber die früheste aller christlichen Gemeinden von anderen Christen eine Geldspende? Allerdings gibt es auch Hinweise auf besondere Armut der Gemeinde in Jerusalem. Da ist Apg 11,27-30 zu nennen, wo von einer Hungersnot die Rede ist, die Anlass für eine Gabe für die Christen in Judäa wird. Zu einer Notlage passt auch der Begriff Arme, der im Zusammenhang mit Geldsammlungen für die Jerusalemer Gemeinde benutzt wird.



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