Friedfertigkeit als Kunst und Aufgabe
Epheser 6,15 / 17.07.2011 – V. Janke

… und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen. Eph 6,15 Einh.Üs.


Für uns moderne Menschen, die mit Flugzeug, Auto oder Zug reisen, ist es heute unvorstellbar: Das römische Imperium, das von Ägypten bis England, von Spanien bis zum Schwarzen Meer reichte und in dem etwa 50 bis 60 Millionen Menschen lebten, wurde im Laufe vieler Jahrhunderte nur per naves (mit dem Schiff) oder per pedes (zu Fuß) erobert. Wer damals reiste, musste gut zu Fuß sein! Händler und Legionäre, Handwerker und Künstler, Beamte, Boten, Fuhrleute und Viehtreiber waren auf den römischen Straßen das ganze Jahr unterwegs. Die Reisegeschwindigkeit betrug etwa 30 bis 40 km am Tag, wenn das Schuhwerk stimmte. Der römische Legionär zog natürlich auch zu Fuß in die Schlacht. Sein normales Tagespensum betrug dann mit Marschgepäck ca. 30 Kilometer; bei Gewaltmärschen sogar bis zu 50 Kilometer. Gutes Schuhwerk war also für einen Soldaten genauso wichtig wie seine Bewaffnung.


Als Militärstiefel wurden die sog. caligae getragen, dreisohlige, stark genagelte Riemensandalen, deren Riemen durch acht Lederstreifen um Füße und Unterschenkel gebunden wurden. In diesen Sandalen wurden entweder Fußlappen oder Strümpfe benutzt. Die Sandale bestand aus einer Sohle und einem Riemengeflecht. Man unterscheidet zwei Arten dieses Schuhmodells: die einfache caliga war knöchelhoch und für den Alltag bestimmt; die caliga der Soldaten (lat. caliga militaris) konnte dagegen bis ans Schienbein reichen und hatte eine dicke, mit Eisennägeln beschlagene Sohle. Der spätere Kaiser Caligula (geb. 12. n. Chr., gest. 41 n. Chr.) verdankt dieser Sandale übrigens seinen Namen. Als Caius Iulius Caesar Germanicus war er mit seinem Vater Germanicus als Kind ins Feldlager an den Rhein gekommen. Weil er immer seine maßgefertigten Soldatenstiefel trug, nannten ihn die Soldaten schließlich nur noch "caligula" ("Stiefelchen"). Die Stiefel eines Soldaten sind genauso wichtig wie die anderen Rüstungsteile. Barfuss kann ein Soldat nicht kämpfen. Um lange Fußmärsche zu bewältigen, und um einen festen, sicheren Stand im Kampf zu haben brauchte der Soldat gutes Schuhwerk. Erst wer Stiefel anhatte, war zum Marsch oder zum Kampf bereit.


Die Bereitschaft für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen bedeutet:


1. Bereit zu sein, persönlich etwas für den Frieden zu tun.


Was heißt es, bereit zu sein? Wärst du bereit, 100 Euro für Hungernde in Ostafrika zu geben? Wärst du bereit, für einen Monat auf Fernsehen zu verzichten, um mehr für deine Nachbarn zu beten? Bist du bereit, dem zu vergeben, der dir Unrecht getan hat? Bist du bereit, für einen Kollegen regelmäßig zu beten? Wie auch immer jemand antwortet, manchmal brauchen wir Zeit, um für etwas auch bereit zu sein. Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen. Seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr‘s nicht meint. Lk 12,39f Nur wer wach ist, ist für ein plötzliches Wiederkommen Jesu bereit, steht Gott wachsam zur Verfügung. Paulus aber antwortete: Was macht ihr, dass ihr weint und brecht mir mein Herz? Denn ich bin bereit, nicht allein mich binden zu lassen, sondern auch zu sterben in Jerusalem für den Namen des Herrn Jesus. Apg 21,13 Dieser Vers ist eine anschauliche Schilderung für Schuhe der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens. Paulus war bereit, um des Evangeliums willen, die mögliche Konsequenz einer Todesstrafe auf sich zu nehmen. Er war nicht lebensmüde oder leichtsinnig. Ihn motivierte die Aufgabe, das Evangelium zu verkündigen und Menschen Frieden mit Gott anzubieten. Das war ihm wichtiger als sein Leben.


2. Menschen helfen, Frieden mit Gott zu finden.


Die Schuhe der Bereitschaft sind keine defensiven, schützenden Rüstungsteile. Es sind Hilfen für ein offensives Eintreten für das Grundanliegen Gottes: Dass Menschen Frieden mit Gott finden. Hier ist also die Bereitschaft gemeint, sich aktiv für wahren Frieden einzusetzen. Geistlicher Kampf heißt also auch, Jesus bekannt zu machen, Menschen für Jesus gewinnen. Wir sind im geistlichen Kampf auch für andere verantwortlich.




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Bereitschaft ist immer Bereitschaft für etwas konkretes. Bereit zu sein bedeutet, vorbereitet zu sein auf das, was uns als Aufgabe von Gott gestellt wird; es bedeutet, sich innerlich für das entschieden zu haben bzw. entschlossen sein, das zu tun, was zu unserer Berufung gehört. Der geistliche Kampf ist auch ein Kampf um verlorene Menschen. Jesus kam, um verlorene Menschen zu retten. Daran hat Paulus sich konsequent orientiert: 2 Kor 11,23-33; 1 Thess 2,9. Wo man nicht mehr miteinander um die Verlorenen kämpft, kämpft man bald gegeneinander. Die Apostel sagten, Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben. Apg 4,20


Bekleidet euch an den Füßen mit der Bereitschaft, die Gute Nachricht vom Frieden mit Gott zu verkünden.

Eph 6,15 GN


Die Aufgabe des Christen ist jederzeit bereit zu sein, das Evangelium weiterzusagen. Wir haben heute viele Möglichkeiten, unser Zeugnis durch Schriften, Kassetten, Hinweise auf Radiosendungen und Einladungen zu Gemeindeveranstaltungen zu ergänzen. Satan will die Botschaft unterdrücken, uns entmutigen und stumm machen. Er redet uns ein, dass die Menschen taub seien dafür. Doch wir können beten, dass Gott Herzen anrührt und öffnet. Sein tiefstes Verlangen ist es, dass Menschen gerettet werden. Wir werden selbst gesegnet und neu belebt, wenn wir weitersagen, was Jesus Christus uns bedeutet. Das hält auch unsere Gemeinde oder Gemeinschaft lebendig, wenn wir gemeinsam um die Verlorenen kämpfen. Welche Gruppen und Gemeinden sind über lange Zeit hin lebendig geblieben? Solche, in denen die Bereitschaft nicht erlahmte, das Evangelium weiterzusagen, wo man die ewige Verlorenheit der Menschen ohne Jesus ernst nahm und bereit war, als Kämpfer dem Feind Beute zu entreißen.


3. Frieden unter Menschen stiften.


Als Christen sollen wir auch für den Frieden kämpfen. Christen müssen auch Spannungen ertragen. Wir sollen bereit sein, dafür zu kämpfen, dass Frieden gestiftet und erhalten wird. Darauf weist Jesus uns hin: Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Matth 18,15 vgl. Matth 5,23f Dies sind meist keine einfachen Gespräche, aber notwendige und Frieden stiftende. Doch der Weg zum anderen beginnt mit der Bereitschaft in unserem Herzen. Dass Evangelium des Friedens kann aber nicht von verängstigten oder verbitterten und unversöhnlichen Menschen verkündigt werden. Immer wieder neu ist es nötig, den Frieden Gottes zu glauben und somit seine Herrschaft und Macht. Manchmal nehmen uns Situationen, Krisen oder Ängste so sehr in Beschlag, dass wir aufgewühlt und erschreckt sind, dass wir ohne Frieden und innerer Ruhe sind. Wir sind versucht, uns zu sorgen oder ängstlichen Gedanken Einlass zu geben. Dann sollten wir unsere Zuflucht im Gebet (persönlich oder mit anderen) suchen. Erst wenn Friede eingekehrt ist, erleben wir auch Gottes Kraft in unserer Schwachheit.


Was können wir konkret tun, dass Menschen Frieden erfahren? Beten; miteinander reden; Schuld ansprechen; Schuld vergeben; nachgeben; Rücksicht üben; Jesus bezeugen durch Wort und Tat.


Die Schuhe stehen sinnbildlich auch für Bewegung. Es gibt keinen Frieden, ohne dass sich Menschen bewegen, sowohl innerlich als auch äußerlich, d.h. den anderen besuchen oder aufsuchen. Frieden braucht Menschen, die Schritt gehen und mit viel Geduld und Beharrlichkeit dem Frieden nachjagen. Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird. Hebr 12,14


Sind wir als Christen bereit, uns das Evangelium des Friedens etwas kosten zu lassen? Bin ich bereit, auch das Unbequeme, Schwere, Ärgerliche oder Bedrohliche anzunehmen, weil es keinen anderen Weg zum Frieden gibt? Als Pastor muss ich manchmal ein Ja (Bereitschaft) dazu finden, dass mein Dienst auch mit Belastendem, Schwerem zu tun hat. Erst wenn ich die Bereitschaft dazu finde, kann ich mich auch den schwierigen Aufgaben stellen. Jesus war bereit, armer Mensch zu werden, seine Jünger über 3 Jahre zu schulen; die Füße der Jünger zu waschen; von einem Freund verraten zu werden; von allen verlassen zu werden; schmählich am Kreuz zu sterben: Joh 10,17f.


Herr, hilf mir bereit zu sein für alles, was du mit mir vorhast.

Amen


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