Jesus musste in jeder Beziehung uns gleich werden
Hebräer 2,17 / 22.04.2011 – V. Janke

Musste diese schreckliche Katastrophe in Fukushima mit so vielen Toten und Verletzten geschehen, damit die Ära der Kernenergie zu Ende geht? Mussten Menschen in Ägypten auf die Straße gehen, ihr Leben riskieren, damit es zu einer Wende kommt in dem Land? Offenbar kann manches nicht durch Argumente in einer Diskussion verändert werden. Manchmal muss etwas geschehen, erlebt werden, damit sich etwas ändert. Manchmal müssen Menschen ihr Leben riskieren, damit andere ein besseres Leben haben. Das Wort „muss“ konfrontiert uns auch mit der Notwendigkeit des Leidens und Sterbens Jesu.


Deshalb musste er uns, seinen Brüdern, auch in allem gleich sein, das heißt, er musste Mensch werden. Hebr 2,17


Das Wort muss kommt mir oft leicht über die Lippen. „Ich muss noch tanken, ... Haare waschen, ... zu Aldi. Den Film musst du dir ansehen. Wir müssen nächstes Mal rechtzeitiger losfahren ...“


Es gibt viele Situationen, wo ich wie selbstverständlich eine Notwendigkeit erkenne. Und doch mag ich es nicht gerne, wenn jemand mir sagt:
Du musst!


„Wenn du schwimmen lernen willst, dann musst du ins Wasser. Wenn du Streit vermeiden willst, dann musst du aufhören, andere zu provozieren. Wenn du die Zahnschmerzen loswerden willst, dann musst du zum Zahnarzt gehen.“ Manchmal müssen wir erst tief erschüttert werden, bis wir auf Gott hören, eine Wahrheit verstehen, Hilfe suchen.


Wer in der Bibel liest, muss bereit sein, die Position zu wechseln.
(Dirk Heinen)


Jesus musste Mensch werden! Und er musste als Mensch Versuchungen erleiden, um ein barmherziger und treuer Hoherpriester zu werden.


Jesus musste am Kreuz sterben, um dem Tod die Macht und den Schrecken zu nehmen. Jesus musste als Mensch unsere Sünde auf sich nehmen, um uns zu erlösen von der Macht der Sünde, von der Last der Schuld und von der Angst vor dem Tod.


Ich glaube, dass Jesus wusste: „Über meinem Leben steht ein göttliches muss, weil es keine angenehmeren Alternativen gibt, um Gottes Ziele zu erreichen.“ Dies Wort muss fordert uns heraus, über wichtige Fragen des Christseins nachzudenken. Haben Christen ein angenehmeres, besseres Leben als Nichtchristen? Warum vertrauen wir Gott – weil es Vorteile auf Erden mit sich bringt? Wie lernen wir die Tiefe und die Größe der Liebe und Barmherzigkeit Gottes kennen? Was macht Christen glaubwürdig? Wie wichtig ist es uns, von Gott zum Dienst in seinem Namen und in seiner Kraft befähigt zu werden? Gottesdienst soll uns zurüsten zum Leben und Dienen sein. Zurüstung geschieht auch, indem wir Illusionen und schöne, aber falsche Bilder loslassen.


1. Muss ist ein wichtiges, christliches Wort.
Hebr 2,17


Jesus wies Petrus schroff zurecht, weil Petrus die Notwendigkeit des Leidens nicht akzeptieren wollte: Matth 16,21-23


Petrus meinte es gut. Doch in Wahrheit war sein Denken satanischer Verführung verfallen. Das Muss in der Bibel ist ein hartes und zugleich wichtiges Wort, weil es das falsche Bild, das wir vom Leben und vom Wesen dieser Welt haben, zerstört. Und dies falsche Bild lässt sich nicht leicht zerstören. Erst, wenn wir begreifen, was Gott uns durch dieses Wort sagen will, können wir vertrauensvoll Ja sagen zu schweren und unverständlichen Wegführungen Gottes.


Mehr als 100 Mal gebraucht das NT das Wort muss. Es sind drei große Bereiche, in denen wir mit dem göttlichen Muss konfrontiert werden.


Erstens, die Endzeit.
Das muss so geschehen, denn alle Völker sollen die Heilsbotschaft hören, bevor das Ende kommt. Mk 13,10
Denn einmal werden wir uns alle vor Jesus Christus als unserem Richter verantworten müssen. Dann wird jeder das bekommen, was er für sein Tun auf dieser Erde verdient hat. 2 Kor 5,10


Zweitens, das Leben Jesu.
»Warum habt ihr mich gesucht?« erwiderte Jesus. »Ihr hättet doch wissen müssen, dass ich dort sein muss, wo es um Gottes Sache geht.« Lk 2,49 »Der Menschensohn muss viel leiden. Die Führer des Volkes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten werden ihn ablehnen und töten. Aber drei Tage später wird Gott ihn wieder auferwecken.« Lk 9,22 musste Christus nicht all dies erleiden, bevor Gott ihn zum Herrn über alles einsetzt? Lk 24,26 »Erinnert euch daran«, sagte er seinen Jüngern, »dass ich euch oft gesagt habe: 'Alles, was bei Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich steht, muss sich erfüllen.'« Lk 24,44


Drittens, das Leben der Christen.
Wundere dich deshalb nicht, wenn ich dir gesagt habe: Ihr müsst neu geboren werden. Joh 3,7 … wer Gott anbeten will, muss seinen Geist haben und in seiner Wahrheit leben. Joh 4,24 Wir müssen durch viele Bedrängnisse ins Reich Gottes eingehen. Apg 14,22 Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen, denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt. Hebr 11,6





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2. Zerbruch ist eine wertvolle Erfahrung.


So ist es auch kein Widerspruch, dass Gott - für den alles geschaffen wurde und durch den alles ist - seinen Sohn durch das Leiden am Kreuz zur Vollendung gelangen ließ. Hebr 2,10


Johannes Calvin hat treffend gesagt: ‚Einzigartiger Trost liegt hierin, die Bitterkeit des Kreuzes zu lindern, wenn die Gläubigen hören, dass sie durch Leiden und Widerwärtigkeiten in der Gemeinschaft mit Christus zur Herrlichkeit zubereitet werden; da sehen sie sogar Grund das Kreuz eher noch liebend zu küssen, als davor zu schaudern. Und dann muss ja die Schande des Kreuzes Christi also gleich auslöschen und seine Herrlichkeit hervor leuchten. Wer möchte gering schätzen, was geweiht, ja von Gott geheiligt ist? Wer wird für schimpflich achten das, wodurch wir zur Herrlichkeit bereitet werden? Und dies beides wird hier von Christi Tod bezeugt.‘ (S.63)


Paulus lebte mit dem starken Wunsch: Ihn (Christus) möchte ich erkennen und ... die Gemeinschaft seiner Leiden Phil 3,10 Er hat erkannt, dass Leiden, so sehr es uns Menschen schreckt, auch etwas Wertvolles ist. Was ist Zerbrochenheit? Zerbrochenheit ist die schmerzhafte Einsicht: ich bin hilflos und am Ende; ich bin gekränkt, schwach und sündig; Zerbrochen sein heißt Abschied nehmen von einer Einbildung; Zerbrochenheit ist Reue über persönliches Versagen, über die eigene Ohnmacht. Zerbrochen sein bedeutet, Gott nötig haben.


Nahe ist der Herr denen, die zerbrochenen Herzens sind und die zerschlagenen Geistes sind errettet er. Ps 34,19 Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du Gott nicht verachten. Ps 51,19 Er heilt die zerbrochenen Herzens sind, er verbindet ihre Wunden. Ps 147,3 Der Geist des Herrn, HERRN ist auf mir; denn der HERR hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, .... zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind. Jes 61,1


F. Laubach schreibt: ‚Wenn Gott keinen anderen Weg als den des Leidens hatte, um seinen Sohn Jesus Christus vollkommen zu machen, so gibt es auch für die Gemeinde Jesu keinen anderen Weg zur Herrlichkeit. Gott führte seinen Sohn durch Leiden, damit er barmherzig und ein treuer Hoherpriester würde. Das gleiche Ziel der Vollkommenheit hat Gott auch mit der Gemeinde im Auge, wenn er Leiden schickt: Wir sollen barmherzige und treue Priester werden! Auf diesem Weg durch Leiden zur Herrlichkeit sind wir aber nicht allein.‘ (WuStB, S.73)


Warum lässt Gott Menschen, die ihm vertrauen, ihn lieben und ihm dienen in Not geraten? Hier gibt es keine pauschalen Antworten. Doch, nur wer selbst Not erlebt, kann auch die Größe und Macht des helfenden Gottes wertschätzen und dankbar bezeugen. Böse Tage verändern uns leider oft mehr als gute Tage. Jesus sagt: Aber ich habe für dich gebetet, damit du den Glauben nicht verlierst. Wenn du dann zu mir zurückkehrst, so stärke den Glauben deiner Brüder! Lk 22,32 Hätte Petrus andere stärken können ohne die Erfahrung der Zerbrochenheit? Geistliche Reife und Vollmacht kann ohne diese Erfahrung nicht entstehen.


3. Barmherzigkeit ist eine wertvolle Fähigkeit.


Dadurch konnte er ein barmherziger und zuverlässiger Hoherpriester für uns werden 2,17


Ist diese Fähigkeit, mitfühlen und mitleiden zu können nicht wundervoll? Weißt du, wie sehr du barmherzige Mitmenschen, Freunde, Eltern brauchst? Weißt du, wie sehr du einen Herrn brauchst, der mitfühlen und mitleiden kann? Doch er gehört nicht zu denen, die unsere Schwächen nicht verstehen und zu keinem Mitleiden fähig sind. Jesus Christus musste mit denselben Versuchungen kämpfen wie wir, auch wenn er nie gesündigt hat. Hebr 4,15


F. Laubach schreibt Durch die Übernahme der gleichen Situation (2,18; 4,15) gibt er uns die Bürgschaft, dass er uns in unserer Anfechtung versteht und hört, dass also keine Not ihm fremd ist. So ist das Mitfühlen, das Helfen und Eintreten Ausdruck seiner Barmherzigkeit. Diese Barmherzigkeit des Christus ist also eine geschichtlich gewordene, keine ohne Kampf und Gehorsam von Gott mitgegebene sie trägt die Spuren der irdischen Existenz Jesu an sich. (S.71)


Der Weg Jesu unter dem göttlichen Muss ist eine Antwort auf die Frage unserer Zeit nach dem Warum und dem Wozu von scheinbar unsinnigem Leid und Schmerz. In dem göttlichen Muss werden wir mit der Souveränität Gottes konfrontiert. Unser Bild vom Christsein und vom Wesen dieser Welt wird hinterfragt. Gott will uns fähig machen, auf Ihn allein zu hoffen. Gott möchte uns in Menschen verwandeln, die Ihm vertrauen, auch wenn wir dadurch keine offensichtlichen Vorteile haben. Darum ist muss ein wichtiges, christliches Wort.



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