Abraham opfert Isaak
1. Mose 22,1-19 / 10.04.2011 – V. Janke

Vor Kurzem hatte Frank W. Steinmeier seiner Frau eine Niere gespendet. Für mich ist das ein Opfer. Auch Feuerwehrleute und Polizisten riskieren ihre Gesundheit, ihr Leben für andere. Eltern, die sich für Kinder entscheiden, bringen Opfer. Sie opfern ein Teil ihres Lebens, ihrer Zeit und Kraft für ihre Kinder. Gibt es überhaupt erfülltes Leben ohne Opferbereitschaft? Opfer gehören zum Leben. Jeder Mensch kann Opfer bringen. Ein Opfer ist etwas, das man hergibt oder auf das man verzichtet, obwohl es sehr schwerfällt. In der jüdischen Theologie nach Auschwitz ist die Erzählung von Abraham und Isaak sehr wichtig geworden. Sie heißt hier „Akedat Jizchak“ - die „Bindung Isaaks“. Vielen jüdischen Frauen und Männern gilt Isaak als erster Überlebender des Holocaust. „Holocaust“ ist das griechische Wort für Brandopfer, vollständig verbrannt. Abraham ist unser Glaubensvorbild. Er ist ein Mensch, der Gott so ernst nahm, dass er bereit war, seinen eigenen Sohn zu opfern. Wäre es nicht schon geschehen, wer würde das glauben?!


Das beeindruckt mich an Abraham! Er nahm Gott und sein Wort ernst mit einer Konsequenz, die mich beschämt. Abraham hat andere Prüfungen in den Sand gesetzt. Anstatt Gott zu vertrauen, vertraute er seiner eigenen Klugheit. Und doch hat Abraham aus diesen Erfahrungen gelernt und Gott gab nicht auf, ihn zu einem glaubwürdigen Mann zu machen. Prüfungen und Anfechtungen sollen uns stärken und festigen: 1 Petr 1,6-9. Für den, der im Glauben lebt, ist nichts sinnlos, zufällig, willkürlich oder schicksalhaft. 'Pech gehabt' - dieses Denken gibt es für Christen nicht. Zu glauben bedeutet etwas für wahr und glaubwürdig halten und bedeutet gleichzeitig wahr und glaubwürdig sein; glauben bedeutet etwas für treu und verlässlich halten und gleichzeitig treu und verlässlich sein. Ob ich Gott wirklich glaube, wird nicht an meinen Worten sondern an meinem Leben sichtbar. Römer 8,35-39 Die Frucht des geprüften Glaubens ist sich auch in den schwersten Situationen der treuen Liebe Gottes gewiss zu sein. An den Grenzen des Lebens auf Gott vertrauen - geht das? Können wir das? Was können wir von Abraham und Isaak lernen?


1. Versuchung im Sinne einer Erprobung


Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. 1. Mose 22,1 Diese Versuchung ist im Sinn einer Erprobung zu verstehen. Gott unterzieht Abraham einer Belastungsprobe. Er will erforschen, was Abraham vermag und wie er sich bewährt. Gott schickt uns Erprobungen, damit unser Glaube wächst und sich bewährt, damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. 1. Petrus 1,7 Wenn wir mit Gott leben, sind wir lebenslang in seiner Schule. Und wie in der Schule gibt es immer wieder Prüfungen zu bestehen. Prüfungen, in denen wir zeigen, dass wir etwas gelernt haben. Gott fragt uns dann, „Vertraust du mir? Wie sehr?“


Die Geschichte Gottes mit Abraham beginnt nicht mit dieser harten Prüfung. Nach diesen Geschichten versuchte er Abraham. Das heißt: Abraham hörte zuerst die Verheißung Gottes und in der Geburt Isaaks erlebte er etwas von der Verheißung. Danach legte Gott ihm diese Last auf die Schultern. Es ist auch nicht die erste Erprobung seines Glaubens. Der Befehl zum Auszug aus Haran, die Hungersnot in Kanaan, vor der Abraham nach Ägypten ausgewichen ist, der Besuch der Gottesboten - dies alles waren Prüfungen Gottes: Was vermag dein Glaube, wie weit reicht dein Gehorsam? Die ganze Zeit des Wartens, die der Geburt Isaaks vorausging, war eine tägliche Glaubensprobe für Abraham. Aber jetzt kommt die schwerste aller Proben! Gott ruft ihn an: Abraham! Sofort meldet sich Abraham zur Stelle: Hier bin ich Diese knappe Antwort zeigt seine Haltung: Er ist sofort bereit für den Befehl seines Herrn. Auch Gott, der ihn mit Namen ruft, macht nicht viele Worte: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast und gehe in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde.





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Bewährungen sind nichts ungewöhnliches im Leben eines Christen: Jak 1,2-4. Prüfungen sind Möglichkeiten im Glauben zu wachsen und fest zu werden. In der Trauung versprechen sich zwei Menschen einander treu zu sein 'in guten Tagen und in bösen Tagen.' Das Leben besteht eben nicht nur aus guten Tagen! Gerade die bösen Tage, die schweren Tagen, die leidvollen Tage sind besondere Möglichkeiten die gegenseitige Liebe und Treue zu festigen.


Das gilt im Leben mit Gott auch! Es gibt letztlich nur eine Möglichkeit um deutlich zu machen, dass das, was du denkst, sagst und glaubst wirklich ernst gemeint ist - es muss geprüft werden. Jeder kann singen: 'Ich trau auf dich o Herr.' Gott ist daran interessiert, dass wir glaubwürdig sind, dass wir tun, was wir sagen. Gott möchte, dass wir im Glauben fest und gewiss werden. Gott prüft uns, um die Echtheit und die Qualität unseres Glaubens zu bezeugen. Gott prüft uns, damit offenbar wird, wer wir wirklich sind - Gläubige und Gehorsame.


Viele ganz alltägliche Situationen sind von Gott gegebene Möglichkeiten unseren Glauben zu demonstrieren. Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang haben wir unzählige Möglichkeiten unseren Glauben zu bewähren und zu zeigen, dass wir Gott wirklich ernst nehmen. Darum geht es Gott in allen Prüfungen. Gott freut sich, wenn sich unser Glaube in unserem Leben bewährt. Gott freut sich, wenn wir Glaubensprüfungen bestehen. Und das großartige ist: wir haben Teil an dieser Freude, denn in Prüfungen erfahren wir Gottes Hilfe und Gnade konkret und persönlich.


Hier steht zweimal Abraham opferte Isaak. In Wirklichkeit war Isaak nicht eine Schramme zugefügt worden. Der Entschluss Abrahams Gott zu gehorchen galt vor Gott als vollzogene Tat. Gott wertet den ehrlichen Willen zu gehorchen als vollbrachten Gehorsam. Doch erst in letzter Sekunde greift Gott ein und hindert Abraham daran, seinen Sohn zu töten: Jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deinen einzigen Sohn nicht verschont. Mit anderen Worten: Jetzt weiß ich, dass du mich und meine Worte ernst nimmst. Darum geht es Gott!


2. Gehorsam durch Glauben


Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte. V. 3 Der Blick in das Innere Abrahams bleibt uns verwehrt. Wir sehen nur den Gehorchenden! Im Hebräerbrief wird der Gehorsam Abrahams als eine Tat des Glaubens beschrieben: Durch den Glauben opferte Abraham den Isaak, als er versucht ward, und gab dahin den einzigen Sohn, obwohl er schon die Verheißungen empfangen hatte. Hebr 11,17. Abraham opferte das Kind der Verheißung. Aber auf die Verheißung selbst hat er nicht verzichtet! Er dachte: Gott kann auch von den Toten erwecken; deshalb bekam er ihn auch als Gleichnis dafür wieder denn. Hebr 11,19 Er sollte mit seiner Glaubenstat unserer Vorbild sein. Dieser Glaube traut dem Allmächtigen das Größte zu. Er setzt sich über den Widerspruch von Befehl und Verheißung hinweg und vertraut auf seine Treue.


3. Gott kann und Gott wird. 22,5


... und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen. 1 Mo 22,5 Wer Gott vertraut, sieht auf Gottes Macht und Liebe. Unser Problem ist: wir wollen gern wissen, wie Gott es machen kann, was uns unmöglich erscheint. Doch die Forderung Gottes an Abraham, die im Widerspruch zur gegebenen Verheißung Gottes stand, war nicht Abrahams Problem. Das war Gottes Problem. Es gibt Dinge im Leben, die kann nur Gott erledigen, die kann nur Gott bewirken, die kann nur Gott verändern, die kann nur Gott beginnen oder beenden! Was tat Abraham? Er leistete keinen blinden Gehorsam. Er nahm beide Worte ernst: die Verheißung und die Opferforderung. Für Abraham hieß es nicht entweder oder, sondern sowohl die Verheißung wird Gott wahr machen als auch dies Opfer annehmen. Er sah auf Gottes Macht und Fähigkeit!


Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten; aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König, kann er erretten. Dan 3,17 Dem aber, der überschwänglich tun kann über allen hinaus, was wir bitten oder verstehen... Eph 3,20 Abraham zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre und wusste aufs allergewisseste: was Gott verheißen hat, das kann er auch tun. Röm 4,20f



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