Das Gleichnis vom „automatischen“ Wachsen
der Saat
Markus 4,26-29 / 27.02.2011 – V. Janke

Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht, wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da. Markus 4,26-29


1. Klein, aber oho!


Kennt ihr das? Es gibt in unserem Alltag Dinge, die große Kraft haben, obwohl sie unscheinbar wirken. Mir sind ein paar Beispiele eingefallen für die Kraft der kleinen Dinge, der unscheinbaren Dinge, der Dinge, die in sich doch eine erstaunliche und wunderbare Kraft haben: Caramba Kriechöl löst festsitzende Schrauben und eingerostete Muttern! Man muss aber warten können, dass es wirkt. Ein kleiner Tropfen Sekundenkleber hat große Kraft, etwas dauerhaft zu verbinden! Unkraut wächst fast überall, ob über Samen oder Wurzeln, und lässt sich manchmal nur schwer dauerhaft entfernen! Rost kann Brücken, Autos, Schiffe kaputt machen! Gefrierendes Wasser sprengt Felsen! Sonnenschein wärmt den Körper und manchmal auch die Seele. Ein Lächeln, freundliche Worte und Gesten können Mauern zwischen Menschen nieder reißen.


Diese Auflistung wäre nicht vollständig ohne Gottes Wort zu nennen. Auch Gottes Wort hat in sich eine erstaunliche und wunderbare Kraft haben. Unscheinbar und klein, vielleicht sogar unbedeu-tend erscheint vielen Menschen die Botschaft von Christus. Doch welche Kraft steckt in dieser Nachricht vom auferstandenen Herrn Jesus Christus, von seiner Liebe und der Vergebung von Schuld in seinem Namen, von Hoffnung und Trost und Gewissheit eines Lebens nach dem Tod.


2. Geistliches Geschehen verändert Menschen


Und er fing abermals an, am See zu lehren. Und es versammelte sich eine sehr große Menge bei ihm, so dass er in ein Boot steigen musste, das im Wasser lag; ... Und er lehrte sie vieles in Gleich-nissen; Mk 4,1f. In Gleichnissen hat Jesus das Reich Gottes, die Herrschaft Gottes beschrieben. Geistliches Geschehen wird anhand von alltäglichen Erlebnissen dargestellt. Es gibt in unserem Leben, im Leben von Menschen geistliches Geschehen – ein Wirken Gottes, das man nicht messen, wiegen, fühlen, zählen kann. Aber erleben. Das Reich Gottes ist wie... Dies Gleichnis von der von selbst wachsenden Saat beschreibt wie das Evangelium im Leben und in den Herzen der Menschen wirkt. Nachdem das Evangelium gehört wurde, wirkt diese Botschaft von Jesus Christus in den Herzen der Menschen, manchmal sehr langsam, bis die Saat aufgeht, bis Menschen zum persönlichen Glauben finden, bis Gottes Zeit gekommen ist und er die Frucht erntet und den Menschen rettet. Dies Gleichnis von der selbst-wachsenden Saat will deutlich machen, welche Kraft in dieser Botschaft, in dem Wort verborgen liegt! Welche Macht steckt in der Verkündigung der Herrschaft Gottes. Markus 4,26ff Hier ein Beispiel aus dem Buch von M. Jelten:


Die Familie Feldmann lebt zuerst in Steenfelde nahe beim Gemeindeort Ihren, wo Mutter Elisabeth Hinderichs Feldmann, geb. Funk, sich im Jahre 1854 taufen lässt. Damit aber ist es vorbei mit dem Hausfrieden, denn es wird berichtet 1859 (Missionsblatt Nr.9): Vater Jan, aufgewiegelt von anderen Leuten, verkauft im Zorn sein Haus und kauft in Schwerinsdorf ein anderes Haus, um Frau und Tochter von den Baptisten zu entfernen. Möglichst weit weg von der Baptistengemeinde, ganz abgelegen hinter Moor und Heide. Doch der Ihrener Wanderprediger findet auch dieses Haus. Elisabeth erlaubt ihm gern, darin zu predigen. Dabei überwindet die Botschaft von Gottes Liebe den Zorn von Vater Jan und erreicht noch andere Zuhörer. Im Laufe der Zeit wächst in Schwerinsdorf ein Gläubigenkreis.

(Aus: Von Ostfriesland nach Amerika – Baptisten ziehen übers Meer, Margarete Jelten)


und der Same geht auf und wächst... Die Botschaft von Jesus Christus ergreift die Menschen, verändert Menschen und wird auf der ganzen Welt verbreitet. Jesus ist sehr zuversichtlich, optimis-tisch und gewiss: Gottes Wort bringt Frucht! Wir können auch zuversichtlich sein!





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3. Gott schenkt Segen und neues Leben


Denn von selbst bringt die Erde Frucht, Im griechischen Urtext steht hier das Wort automate. Übersetzt heißt es hier, von selbst. Von automate kommt übrigens das Wort automatisch. In der Erde liegt eine Segensmacht. Sie bringt schöpferisch Pflanzen, Leben hervor. Im 1. Mose steht, Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist. 1. Mose 1,11 Das Wesentliche tun nicht wir. Wir können es auch nicht tun. Wir können säen und das Wachsen der Saat begleiten. Wachstum schenkt Gott alleine. Das Entscheidende tun wir nicht. Wir können es nicht einmal.


Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und gedeihen, steht in des Himmels Hand: (M. Claudius)


Das ist entlastend, bei allem Erfolgsdruck und aller Ungeduld die uns zu schaffen macht. Was uns hier begegnet beschreibt der Begriff Segen am besten. Segen ist ein Geschenk Gottes. Segen ist die Ursache für Leben. Es ist Gott, der aus seiner Güte Segen und Leben schenkt! Und Gott hat viel Segen an sein Wort gebunden. Durch sein Wort segnet Gott. Das ist Thema in diesem Gleichnis: das Wort Gottes wirkt von selbst.


4. Gottes Segen ist kein „Fastfood“


Zuerst den Halm, danach, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Jesus schildert das Wachstum darum so ausführlich, weil er deutlich machen will: Wachstum und Frucht bringen braucht Zeit und Geduld, sehr viel Zeit und Geduld. Und es braucht Vertrauen in den Sämann, in Gott selbst! Dies Gleichnis entlastet nicht nur, es entschleunigt uns in unserer schnelllebigen Zeit, in unserer ungeduldigen Zeit. Wer ernten möchte, braucht Geduld und Vertrauen. Gottes Segen ist kein Fastfood – schnell zubereitet, schnell verzehrt.


Wie viele Jahre braucht es, bis aus einem Baby eine Persönlichkeit geworden ist, die ihr eigenes Leben führt, die anderen zum Segen ist?! Am Donnerstag haben wir im Bibelgespräch gesehen: Eltern sind auch Seelsorger und Bauern, die gute Saat in ihre Kinder säen, die hoffen, dass die Saat aufgeht. Aber Eltern haben keine Macht über die Saat. Das hat alleine Gott. So seid nun geduldig, liebe Schwestern und Brüder, bis auf den Tag, da der Herr kommt. Siehe, ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und ist geduldig darüber, bis sie empfange den Frühregen und den Spätregen. Jakobus 5, 7


Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da. Der Bauer weiß, wann Erntezeit ist. Er kann warten. Die Ernte kommt! Und Erntezeit ist Zeit der Freude. Es wird eine Ernte geben. Die Arbeit wird sich dann gelohnt haben. Die Frucht in diesem Gleichnis ist im doppelten Sinn zu verstehen: Zum einen beschreibt Frucht den persönlichen Glau-ben an Christus und alle geistlichen Veränderungen, die aus dem persönlichen Glauben wachsen: Diese aber sind's, bei denen auf gutes Land gesät ist: die hören das Wort und nehmen's an und bringen Frucht, einige dreißigfach und einige sechzigfach und einige hundertfach. Mk 4,20 Vgl. Markus 4,8; Gal 5,22f Zum anderen beschreibt Ernte hier nach meiner Meinung den Eingang in die Herrlichkeit Gottes, das Erreichen des Ziels des Glaubens, die endgültige Erlösung. Vgl. Die Ernte ist das Ende der Welt. Matth 13,39


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