Der andere Wunschzettel (2)
Esther 5,3+6 u.a. / 26.12.2010 – V. Janke

»Was ist nun dein Wunsch? Ich erfülle ihn dir! Fordere, was du willst,...


Ein wirklich traumhaftes Angebot, oder?! Wer würde so etwas nicht liebend gern hören. »Was ist nun dein Wunsch? Ich erfülle ihn dir! Fordere, was du willst,...


Wer so ein Angebot bekommt, denkt vielleicht sogar er träumt. Dass ich jemandem so viel bedeute, dass jemand seine Liebe oder Dankbarkeit mir gegenüber so überschwänglich zeigen möchte, macht vielleicht sogar misstrauisch. Doch wenn ich diese Einladung ernst nehme, wenn ich einen großen Wunsch erfüllt bekommen kann, was würde ich dann wünschen? So schnell wüsste ich nicht, was ich fordern soll. In den Märchen wissen die Leute das meist gleich: Ob Aladin und die Wunderlampe, ob der Fischer und seine Frau.... Doch dieser Satz stammt nicht aus einem Märchen. Dieser Satz stammt aus der Bibel. Aus dem Buch Esther. Esther bekommt dies Angebot von ihrem Mann, dem König. Der König fragte sie: »Was führt dich her, Königin Ester? Was ist dein Wunsch? Ich gewähre dir alles, bis zur Hälfte meines Königreiches!« (…) »Was ist nun dein Wunsch? Ich erfülle ihn dir! Fordere, was du willst, bis zur Hälfte meines Königreiches!« Esther 5,3+6 (GN) Ich lade euch ein, ein paar Minuten über einen anderen Wunschzettel nachzudenken.


Ich habe mich beim Lesen der Weihnachtsgeschichte gefragt: welche Wünsche hatten die Beteiligten bei der Geburt von Jesus? Was stand auf ihrem Wunschzettel? Es ist ein anderer Wunschzettel. Ein Wunschzettel, der Wichtiges zur Sprache bringt. Maria und Josef, die Hirten, die Weisen aus dem Morgenland, Herodes, und Gott selbst hatten auch Wunschzettel. Wenn ich über ihre Wünsche nachdenke, sehe ich wieder, warum wir Weihnachten als Christen feiern. Heiligabend haben wir den Wunsch von Maria und Josef betrachtet: „Ich will Gott vertrauen.“ Und die Hirten hatten den Wunsch „Wir wollen Jesus sehen.“ Es bleiben drei weitere Wünsche:


1. Die Weisen aus dem Morgenland wollen den neugeborenen König anbeten.


Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten (…) Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Matth 2,1f.9-11


„Wir wollen den neugeborenen König anbeten.“ Das stand auf dem „Wunschzettel“ der Weisen aus dem Osten, dieser geheimnisvollen Männer. Dieser Wunsch war ihnen so wichtig, dass sie eine lange, beschwerliche Reise auf sich nahmen. Es muss diesen Männern sehr sehr wichtig gewesen sein, diese schlichte aber bedeutungsvolle Geste zu bringen. Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut... Hier passt das Wort auf Spr 13,19 sehr gut: Wenn kommt, was man begehrt, tut es dem Herzen wohl...


„Ich will Jesus anbeten!“ Das soll auch auf meinem Wunschzettel stehen. Das soll mir auch wichtig sein, so wichtig, dass ich dafür Opfer bringe, anderes stehen und liegen lasse. Anbetung heißt geben, nicht empfangen. Wir versammeln uns als Christen aus einem Grund: um Gott zu geben, was ihm gehört: uns selbst, unser Herz, unser Geld, unsere Zeit. Proskunein ist das griechische Wort, das im N.T. mit Anbetung übersetzt wird. Ursprünglich bedeutet proskunein 'küssen zu'. Es bezieht sich darauf, dass Menschen die Hand eines Herrschers oder Siegers küssen und sich dabei niederwerfen, ihre Knie beugen und ihn so als Mächtigeren und Höheren verehren. Als Christen beugen wir uns allein vor Gott. Wir küssen seine Hand, um das Bild zu gebrauchen, um ihn zu verehren. Die Verehrung Gottes ist das Ziel der Erlösung durch Jesus. Röm 12,1: Nach 11 Kapiteln biblischer Lehre kommt Paulus zum praktischen Teil des Briefes. Und die erste praktische Konsequenz aller Lehre ist die Verehrung Gottes: „...was euer vernünftiger Gottesdienst ist.“ Vernünftiger Gottesdienst ist das Ziel aller biblischen Unterweisung. Biblische Lehre soll darin münden, dass wir singen: „Herr, mein ganzes Leben, soll dir Ehre geben. Gib dazu Segen.“ Paul Gerhardt bringt es in dem bekannten Weihnachtslied zum Ausdruck: Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu du mein Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir's wohl gefallen.





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2. Herodes will Jesus töten.


Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen (…) Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. Matth 2,13.16


„Ich will Jesus töten.“ Dieser ungeheuerliche Wunsch erfüllte Herz und Gedanken von Herodes. Ein Wunsch, der so überhaupt nicht passen will zu Weihnachten. Herodes ist es sehr ernst. Ein krankhaft machtgieriger, rücksichtsloser und kaltblütiger Egoist. Ein Mann, der sich nicht scheut, kleine Kinder zu töten, damit seine Herrschaft bestehen bleiben kann. Heute würden wir sagen: Ein Monster! Die gab es damals. Die gibt es heute. Doch auch dieser durch und durch böse Wunsch gehört zur Weihnachtsgeschichte. Was hat dieser ungeheuerliche Wunsch aber mit uns zu tun?


Herodes ist mit seinem Hass auf Jesus und seinem Wunsch ihn zu töten, ein Feind Gottes. Niemand würde sich mit diesem Mann identifizieren. So schlimm sind wir nicht. Da kommen wir im Vergleich schon SEHR gut weg. Doch dann lese ich: Auch euch, die ihr einst fremd und feindlich gesinnt wart in bösen Werken, hat er nun versöhnt durch den Tod seines sterblichen Leibes, damit er euch heilig und untadelig und makellos vor sein Angesicht stelle. Kol 1,21f Für Gott gibt es da keine Unterschiede: da sind auf der einen Seite verlorene Menschen, Sünder. Diese Menschen sind feindlich gesinnt. Paulus ist sehr drastisch und direkt: Menschen ohne Jesus Christus sind Kinder des Zorns und tot in den Sünden (Eph 2,3+5) Und es gibt auf der anderen Seite Gerettete, Menschen die durch ihr Vertrauen in Jesus Christus Gottes Gnade empfangen haben.


Was ich sagen möchte ist: Ohne Jesus Christus und sein stellvertretendes Sterben wären wir genau so verloren wir Herodes. Wir wären vor Gott nicht besser. Der ungeheuerliche Wunsch von Herodes, Jesus tot zu sehen, führt mir meine eigene Sündhaftigkeit vor Augen. Das ist der rabenschwarze Hintergrund, der uns an die Bedeutung der Geburt von Jesus erinnert: wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer (Psalm 14,1-3). Welt ging verloren, Christ ward geboren. Freue, freue dich O Christenheit.


3. Gott will sein Volk von Sünden retten.


Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Matth 1,21-24


„Ich will dich von Sünden retten.“ Das steht auf dem Wunschzettel Gottes. Ganz oben. Seit langem schon. Gott wünscht sich Frieden und Versöhnung. Gott wünscht sich, dass wir ihm von Herzen vertrauen. Gottes größter Wunsch hat mit jedem von uns unmittelbar zu tun. Als Jesus zur Welt kam, hat Gott an dich gedacht. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Lk 19,10 „Ich will dich von Sünden retten.“ Hier ist nun jeder gefragt. Die Geburt von Jesus dokumentiert Gottes Liebe zu mir. Zu jedem Menschen. Doch nur wer glaubt, dass er wirklich verloren ist und nichts mehr braucht als Vergebung und Gnade, wird in Jesus die Einladung Gottes sehen. Vorauswissend hat Gott uns angeboten: »Was ist nun dein Wunsch? Ich erfülle ihn dir! Fordere, was du willst,... Gibt es einen größeren Wunsch, als diesen: „Herr, sei mir Sünder gnädig?!“ Das feiern wir heute: Gottes Liebe und Gnade zu jedem von uns! „Wir müssen es feiern, dass Jesus den Himmel verlassen hat und in unsere kaputte, dunkle Welt kam!“ (D. Rauch)


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