Du sollst nicht müde werden
Epheser 3,1-13 / 29.08.2010 – V. Janke

Manoun und Nios sind zwei Seen in Kamerun in West Afrika. Sie werden auch Killer-Seen genannt. Die Menschen, die dort leben, fürchten diese beiden Seen. In den Jahren 1984 und 1986 erstickten fast 1800 Menschen bei zwei großen Kohlendioxid Eruptionen. Auf Grund geologischer und klimatischer Veränderungen entwich eine größere Menge Kohlendioxid aus diesen Seen. Das unsichtbare Gas brachte vielen Menschen den schleichenden Tod. Viele Leute wurden auf einmal müde und kraftlos. Die Müdigkeit wurde immer stärker. Sie waren wehrlos gegen diese unsichtbare Macht.


Wir Christen haben es mit einer ähnlichen unsichtbaren Macht zu tun. Paulus sagt, Darum bitte ich, dass ihr nicht müde werdet wegen der Bedrängnisse, die ich für euch erleide.... Seit Jahren sitzt Paulus im Gefängnis und keine Änderung ist in Aussicht. Sicherlich haben die Epheser über Jahre treu für Paulus gebetet. Wie oft haben sie für ihn Fürbitte getan, „Gott, bitte schenke es doch, dass Paulus wieder frei wird und ungehindert missionieren kann.“ Dazu kam: der Grieche Trophimus war ein Epheser und der Anlass, dass Paulus angeklagt und eingesperrt wurde (Apg 21,29).


Warum hilft Gott nicht? Warum hört Gott unsere Gebete nicht? Warum muss er so leiden? Solche Fragen haben Christen seit Jahrhunderten immer wieder gestellt. Christen können müde werden in ihrem Gebetsleben. Christen können in ihrem geistlichen Leben müde werden. Geistliche Müdigkeit hat eine lähmende Kraft. Mir scheint, das christliche Leben ist manchmal eine verdrehte Welt: Da sitzt einer im Gefängnis und ist dankbar und zuversichtlich (Kol 1,24). Und andere, die an ihn denken, werden darüber mutlos, verzagt, müde. Aus dem Gefängnis bittet Paulus sie, Werdet nicht müde.. Was sagen diese Worte uns?


Du sollst nicht müde werden, auch wenn das Leid anderer scheinbar kein Ende nimmt. Du sollst nicht müde werden, auch wenn du dich ohnmächtig fühlst anderen zu helfen oder deine eigene Situation zu verändern. Du sollst nicht müde werden, auch wenn du für lange Zeit in der Fürbitte für andere Lasten trägst. 2 Kor 4,16-18 Wenn uns die Luft ausgeht und wir diese lähmende Müdigkeit in unserem geistlichen Leben spüren, dann ist es nötig uns auf Gott und seinen ewigen Plan zu besinnen, dann ist es wichtig neu dankbar über Gottes Wege zu staunen. Das ist wie purer, geistlicher Sauerstoff. Während meiner Zeit bei der Bundeswehr lernte ich von einer höchst effektiven Art Müdigkeit wegzublasen. Die Piloten der Überschall-Flugzeuge wurden mit reinem Sauerstoff beatmet. So konnten sie hochkonzentriert in jeder Höhenlage ihre Aufgaben ausführen. Und die Mechaniker, die die Maschinen warteten, nahmen hin und wieder ein paar Züge von dieser Beatmungsanlage. Vor allem Morgens, wenn sie noch müden waren, wirkte der reine Sauerstoff besser als starker Kaffee. Im Nu waren sie hellwach. Wir brauchen als Christen geistlichen Sauerstoff. Wir brauchen Erfrischung und Belebung durch Gottes Geist.


In Eph 3,1 beginnt Paulus ein sehr schönes Gebet zu formulieren. Doch bevor er zum eigentlichen Gebet kommt fällt ihm etwas ein. Kaum hatte er gesagt, Deshalb sage ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden, da fragt er sich, Ob die Epheser das als versteckten Vorwurf verstehen? Nach dem Motto, Ihr seid schuld daran, dass ich hier in Rom im Knast sitze.


Doch Paulus denkt ganz anders. Also fügt er  einen Satz hinzu, der deutlich macht, dass Paulus überhaupt keinen Groll gegen seine Mitchristen in Ephesus hegte. Für die Einheit und den Auftrag der Gemeinde war sein Leiden ein angemessenes Opfer. Gott hat mir aus Gnade ein Amt gegeben für euch. Ich bin als Verwalter in seinem Haus für euch zuständig. Gott schenkte mir Vertrauen das Geheimnis zu verstehen und weiter zu geben. Das ist eine wunderbare Wahrheit. Diese gute Nachricht ist einfach großartig. Ich bin davon erfüllt und begeistert!


Worum es geht, wollt ihr wissen? Es geht um das größte Geheimnis aller Zeiten. Es geht um eine ganz neue Epoche. Ein neues Zeitalter der Menschheit ist jetzt angebrochen (3,5.10). Es geht um eine neue Realität in der Welt - die Gemeinde, der Leib Jesu. Es geht um unbeschreiblichen Reichtum. Es geht um die umfassendste Lösung für ein menschliches Problem. Die Gemeinde reflektiert die mannigfaltige Weisheit Gottes - da staunen selbst die Engel. Wenn euch die Luft ausgeht, dann begeistert euch über Gott und seinen ewigen Plan.


Du sollst nicht müde werden, sondern dankbar über Gott staunen


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1. Staune dankbar darüber, dass Gott uns das Verborgene offenbart. 3,3-5


Hier geht es nicht um irgendein Geheimnis. Hier geht es um das Geheimnis überhaupt (Kol 1,24-27). Christus in euch. Du bist ein völlig neuer Mensch geworden. Heiden sind auch Gottes geliebte Kinder! Wow – ist das nicht genial gut?! Gott ist ein Gott, der sich offenbart, sich mitteilt. Wir können wissen, wer Gott ist, wie Gott ist, wer wir wirklich sind, warum wir uns so und nicht anders verhalten. Wir können wissen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, dass es einen Himmel und eine Hölle gibt, dass es einen neue Himmel und eine neue Erde geben wird. Wir haben durch Jesus einen Vater im Himmel, der uns liebt und für uns sorgt.


2. Staune dankbar darüber, dass Gott uns, die Verfeindeten und Getrennten, vereint. 3,6


Ein großer, bewegender Gedanke erfüllt Paulus: die Einheit und Gleichheit aller Gläubigen vor Gott. Es gibt keine Christen zweiter Klasse. Gott hat keine Lieblingskinder. Gott behandelt niemanden bevorzugt. Es gibt darum keinen Grund, sich minderwertig zu fühlen. Das leere Kreuz steht für die ungeteilte Liebe Gottes zu jedem Menschen!


3. Staune dankbar darüber, dass Gott Menschen (uns) beruft und zum Dienen befähigt. 3,7


Der Apostel Paulus hat sich eine tiefe Dankbarkeit und Demut bewahrt. Er wusste, „Aus Gottes Gnade bin ich ein anderer Mensch geworden, ein freier Mensch. Wie wurde Paulus ein Diener? Durch die Gnade Gottes. Wer Gottes Gnade persönlich erfahren hat, wird ein anderer Mensch. Gott hat Paulus verändert und befähigt und gebraucht. Und was Gott an mir getan hat und tut, das wird er und kann er auch an dir, an jedem seiner Kinder tun: sie verändern, befähigen, gebrauchen. 2. Kor 12,9 Gottes große Kraft wird jedem Christen gegeben. Gott befähigt jedes seiner Kinder zum Dienst. Mk 10,45


4. Staune dankbar darüber, dass Gott uns seinen grenzenlosen Reichtum anbietet. 3,8


Dankbarkeit und Demut bewahrten Paulus vor Zynismus, Bitterkeit, Selbstvorwürfen, Selbstmitleid, Groll. Gottes Reichtum ist seine unerschöpfliche Hilfe für die Bedürfnisse einer kaputten Welt. Gott ist reich an Barmherzigkeit, Trost, Heilung, Freude, Kraft, Weisheit, Liebe. Das bedeutet: Gott gibt sich selbst für uns!! Weißt du, wie reich du bist? Was du mit Geld nicht kaufen kannst und weder ein Mensch noch der Tod dir nehmen kann, das ist dein wahrer Reichtum.


5. Staune dankbar darüber, dass Gott durch uns seine Weisheit dem Himmel bezeugt. 3,9f


Habt ihr das gewusst? Die Gemeinde ist ein Gedanke Gottes seit der Ewigkeit. Hier wird deutlich: Engel sind sehr an der Erlösung, der Errettung von Menschen interessiert. 1. Petr 1,12 Der Himmel steht hier stellvertretend für die ganze unsichtbare, reale Welt der geschaffenen Wesen. In der Gemeinde, der versöhnten Einheit zwischen Juden und Nichtjuden, zwischen Jungen und Alten, zwischen Reichen und Armen, Frauen und Männer.


6. Staune dankbar darüber, dass Gott uns immer und überall nahe ist. 3,11f


Ein Schüler in den USA hatte offensichtlich Schwierigkeiten mit der Geschichte Englands. Ihm wurde die Frage gestellt: warum heißt es, dass die Sonne zur Zeit der englischen Kolonien auf der ganzen Welt nie über dem britischen Weltreich unterging? Dieser Schüler erklärte das so: die Sonne konnte nie über dem britischen Weltreich untergehen, weil die Sonne im Westen untergeht und Großbritannien im Osten liegt.


Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da... Christen haben das große Vorrecht, zu jeder Zeit und an jedem Ort mit Gott zu sprechen. Er ist uns immer und überall nahe. Das hat er versprochen.


Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.
2. Kor 4,16-18



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