Was würde Jesus zu „Big Brother“ sagen?
Lukas 6,41f u.a. / 25.07.2010 – V. Janke

Als die Fernsehshow „Big Brother“ am 1. März 2000 beginnen sollte, ging ein Aufschrei der Empörung durch die Medien. Bei dieser Show leben zehn Kandidaten abgeschirmt von der Außenwelt in einem Wohncontainer zusammen. Dabei werden sie rund um die Uhr gefilmt. Wer einen PC hat, kann ständig zuschauen. Alle zwei Wochen wird ein Teilnehmer per Wahl raus geschmissen. Wer nach 100 Tagen als letzter im Container bleibt, erhält Euro 250.000. Für viele Menschen war mit dieser Sendung die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Schlagwörter wie menschenverachtend, sittenwidrig, Voyeur-Sendung, menschenunwürdig tauchten immer wieder auf.


Der Bischof von Mainz und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hat die Fernsehzuschauer zum Boykott der umstrittenen RTL II-Sendung «Big Brother» aufgerufen. Der Zuschauer solle von seinem Recht als Souverän über die Sendungen Gebrauch machen und dieser Sendungsform eine Absage erteilen, sagte Lehmann am Sonntag in einem Gespräch mit dem Süd-westrundfunk. Nach Ansicht Lehmanns verletzt «Big Brother» die Würde des Menschen. Der mündige Zuschauer sollte seine Meinung zu dieser «menschenverachtenden Praxis» deutlich äußern und «die Rote Karte zeigen». Ist das Wort eines Bischofs für alle Christen verbindlich? Sicherlich beherzigen viele das Wort dieses Mannes. Und wir? Sollten wir nicht zumindest ernsthaft prüfen, ob sein Urteil berechtigt ist?


Tatsache ist: Es gibt keine verbindlichen Werte und Wertegeber. Ob ein Bischof, ein Bundespräsident, der Papst oder Jesus – für viele Menschen ist allein entscheidend, was er/sie für gut und richtig hält. Nach dem bis April 2000 geltenden Rundfunkänderungs- staatsvertrag sind Sendungen unzulässig, welche «die Menschenwürde anderer dadurch angreifen, dass Teile der Bevölkerung ... beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden». Ab April fallen auch Sendungen darunter, die «in sonstiger Weise die Menschenwürde verletzen».


Wie beurteile ich als Christen so eine Fernsehshow? Ist die Teilnahme an einer solchen Show vereinbar mit dem Willen Gottes? Was ist Gottes Wille im Blick auf Fernsehshows? Wie würden wir uns verhalten, wenn ein Glied der Gemeinde an dieser Show teilnehmen würde? Ist das Anschauen einer solchen Show vereinbar mit Gottes Willen? Wenn es möglich wäre, würdest du mit der Aussicht Euro 250.000,- zu gewinnen, teilnehmen?


These: Wir sollen aufgrund biblischer Aussagen die eigene Meinung zu solchen Shows überdenken und diese Meinung barmherzig vertreten. Was würde Jesus zu Big Brother sagen? Einige Aussagen der Bibel sollen uns Antworten geben.



1. „Kümmere dich erst um deine Fehler.“
Lk 6,41+42; 18,9-14


Weshalb regst du dich über die kleinen Schwächen deines Bruders auf und übersiehst deine eigene Schuld? Du sagst: 'Mein Freund, komm her! Ich will dir deine Fehler zeigen!' Dabei bist du blind für deine eigene Schuld. Du Heuchler! Kümmere dich erst um deine Fehler und dann versuche, deinem Bruder zu helfen. Lk 6,41f


Gott hat uns geschaffen, damit wir in Gemeinschaft mit anderen Menschen leben. Und jede Gemeinschaft offenbart Fehler und Schwächen. Im Gegenüber erkennen wir auch uns selbst, eigene Fehler und Mängel. Jesus will, dass wir zuerst uns selbst helfen lassen. Hast du schon erkannt, dass du selbst ein Mensch mit Fehlern und Schwächen bist ..., dass du kein besserer Mensch bist? Wir brauchen einander. Und wir sollen einander helfen, bessere, liebevollere, demütige, dienende, geduldige, dankbare Menschen zu werden. ...und dann versuche, deinem Bruder zu helfen. Doch zuerst müssen wir erkennen, dass wir selbst Hilfe brauchen. Wir müssen erkennen, dass wir andere Menschen werden sollen.


Was hat das mit Big Brother zu tun? Lk 18,9-14 Wenn du dich mit deinen Mitmenschen vergleichst, dann bist du versucht, dich selbst zu erhöhen. Dient Big Brother dazu, dass wir bessere, reifere Menschen werden? Dient diese Show dazu, dass wir uns selbst erkennen und Gott um Veränderung bitten? Wir müssen uns fragen lassen: Wie denken und reden wir über diejenigen, die diese Sendung sehen und toll finden?


In den Medien werden diese Menschen verleumdet und schlecht gemacht: „Dumme machen Fernsehen für Dumme.“ Wie denken und reden wir über diejenigen, die Euro 250.000 gewinnen wollen? Erzeugt das Zuschauen nicht eine lähmende und gefährliche Gleichgültigkeit in dir? Das Fernsehen ist mit Sicherheit eine sehr effektive Waffe des Teufels, um uns abzulenken, zu zerstreuen, und um uns daran zu hindern, gesund zu werden im Denken. Amüsieren heißt wörtlich „nicht denken.“ Doch gerade so sollen wir als Christen nicht sein! Wir sollen nüchtern und gerne denkende Menschen sein. Das Anschauen von Big Brother kann uns gleichgültig machen für geistliche Veränderungen und Heiligung.


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2. „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst.“
Lk 10,25ff


Lk 10,25ff Eine moderne Fassung könnte so lauten „Ein Mensch ging hinab vom Glauben an Gott zur Selbstbestimmtheit, um sich selbst zu verwirklichen. Unterwegs geriet er in die Hände von Fernseh-machern und Werbequotenjägern. Die verlockten und betörten ihn mit wunderschönen Versprechun-gen und viel Geld. So gab er sich preis und verkaufte die eigene Seele. Gierig nach Ruhm und Geld legte er freiwillig seine Würde und seinen gesunden Menschenverstand ab. Millionen Menschen gin-gen vorbei und beglotzten ihn und fanden das ganz toll ...“


Wer seinem Nächsten Verachtung zeigt, sündigt; aber wohl dem, der sich über die Elenden erbarmt! Spr 14,21 In Psalm 41,7 klagt David Gott seine Not Sie kommen nach mir zu schauen und meinen’s doch nicht von Herzen, sondern sie suchen etwas, dass sie lästern können, gehen hin und tragen es hinaus auf die Gasse (in die Presse und die Medien). Klingt das nicht bekannt?! Als Christ bin ich meinem Mitmenschen Liebe und Respekt schuldig! Röm 13,8-10 Ist das Anschauen einer solchen Sendung vereinbar mit dem Gebot der Liebe? Liebe ist geduldig und freundlich. Sie kennt keinen Neid, keine Selbstsucht, sie prahlt nicht und ist nicht überheblich. Liebe ist weder verletzend noch auf sich selbst bedacht, weder reizbar noch nachtragend. Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. 1 Kor 13,4-7 Wer liebt, freut sich am Guten; will helfen, gesund und heil zu werden; leidet unter der geistlichen Blindheit der Mitmenschen. Jesus hat über die Menschen seiner Zeit geweint, weil sie ihn nicht wollten (Lk 19,41-44).


1 Mo 9,18-27 Ham, der Sohn Noahs, ergötzte sich an der Sünde und Blöße seines Vaters. Hams Ver-halten war lieblos und respektlos. Er verachtete die Würde seines Vaters. Darum lebten seine Nach-kommen ohne Segen und Verheißung. Seine Brüder reagierten instinktiv viel respektvoller. Es ist wahr: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. (Pred 1,9) Spr 24,17f sagt: Freue dich nicht über das Un-glück deines Feindes; juble nicht über seinen Sturz! Denn der Herr sieht alles und Schadenfreude missfällt ihm... (Hfa) Das Anschauen von Big Brother ist unvereinbar mit dem Gebot der Liebe!


3. „Der Mensch lebt nicht davon, dass er viele Güter hat.“
Lk 12,13-21


Der Bundespräsident Johannes Rau empfindet es als traurig, wenn Menschen von der Aussicht auf viel Geld und ein bisschen Berühmtheit verlockt würden, scheinbar freiwillig ihre Freiheit aufzugeben. Damit sei für ihn eine Grenze überschritten», sagte Rau in Memmingen. Gottes Wort sagt Seid nicht hinter dem Geld her, sondern zufrieden mit dem, was ihr habt. Denn Gott hat uns versprochen: Niemals werde ich euch verlassen. Ich werde für euch sorgen, dass es euch an nichts fehlt! Heb 13,5 Spr 22,1 sagt Ein guter Ruf ist köstlicher als großer Reichtum und anziehendes Weser besser als Silber und Gold.


Ps 119,37 kann auch als Fernsehvers bezeichnet werden: Wende meine Augen ‹davon› ab,das Eitle zu betrachten. Belebe mich auf deinen Wegen! Ps 119,37 Ich will mich nicht mit dem abgeben, was sinnlos und wertlos ist. ... (Hfa) Zieh meinen Blick von Nichtigkeiten ab. (GN) Der Psalmbeter hat erkannt, dass viele attraktive und interessante Bilder und Dinge in Wirklichkeit leer, gehaltlos, trügerisch, nichts sind. In diesem Zusammenhang müssen wir auch die Bitte nach Leben hören. Im Blick auf Fernsehsendungen solltest du dich fragen: Wo ist Leben? Worin besteht Leben? Mit dem Psalmisten wollen wir erkennen und bekennen: Leben ist, wo Menschen Gottes Wege gehen und nach seinen Ordnungen leben.


Zur Zeit Jesu gab es etwas, dass Big Brother sehr ähnelt. Schaulustige, Sensationshungrige und Neu-gierige kamen voll auf ihre Kosten. Die Show für die Masse hieß Kreuzigung. Auch Jesus wurde be-glotzt, verächtlich angeschaut, verspottet und verlästert. Doch Jesus erlitt all das aus Liebe zu uns! Im vertrauensvollen Blick auf den gekreuzigten und leidenden Jesus werden wir frei! Jesus starb, damit wir frei werden, unsere Mitmenschen zu lieben und zu achten; damit wir frei werden von Schaden-freude und Stolz, von Sinnlosigkeit und Neugierde. Jesus will uns frei machen zum wahren Leben!


Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch!
Matth 7,12



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