Geben, Überfluss und Gottvertrauen
Markus 12,41-44 / 16.05.2010 – V. Janke

» Eines ist sicher: Diese arme Witwe hat mehr gegeben als alle anderen. «


Glaube und Geld –
ein heikles Thema?!

  • ‚Über Geld redet man nicht, Geld hat man’ – sagt der Volksmund.
  • Geld ist zum Ausgeben da, denn es macht wenig Sinn, später mal der Reichste auf dem Friedhof zu sein. (unbekannt)
  • „Wer viel Geld hat, ist reich. Wer keine Krankheit hat, ist glücklich!“ (Chinesische Weisheit)
  • „Reich ist, wer weiß, dass er genug hat.“ (Laotse)

Die vielen Redewendungen und Zitate über Geld zeigen mir, dass Menschen sich eine eigene Meinung zu Geld und zum Umgang mit Geld suchen (müssen). Geld zu haben verpflichtet dazu. Wenig oder kein Geld zu haben aber auch.


Jeder von uns hat Geld. Und jeder von uns hat eine Meinung über Geld. Das war zur Zeit von Jesus nicht anders. Doch wer in Jesus den Sohn Gottes sieht, wird mit Geld anders umgehen. Jesus hat über Geld Wichtiges gesagt. Auch in der Bibel ist Geld und der Um-gang damit ein wichtiges Thema!


Ich finde es erstaunlich und beeindruckend, dass Jesus sich Zeit nimmt, Menschen beim Spenden zu-zuschauen! Hatte er nichts Wichtigeres zu tun? Scheinbar nicht.


„Die Situation in Markus 12,41-44 beschreibt den Tempelalltag. Im Tempelbezirk standen 13 posaunenförmige Opferstöcke für freiwillige Gaben. Das gespendete Geld war für die für Gott dargebrachten Brandopfer bestimmt, aber auch für die bauliche Erhaltung des Tempels.


Geht es nun in dieser Geschichte um Geld oder um Spenden?Auf ersten Blick sehe ich: der Wert eines Euro aus den Händen eines finanziell gut gestellten Menschen ist anders zu bewerten als wenn der Euro von einem weniger begüterten Menschen kommt. Auf keinen Fall ist hier eine Kritik an Reichen versteckt. Denn viele Reiche legten viel ein. (…) Unmittelbar vor diesem Text warnt Jesus vor heuchlerischem Glauben. Es geht um unsere Beziehung zu Gott und wie wir sie in unserem Lebensalltag leben, gestalten, umsetzen.


"Das Scherflein der Witwe" - so heißt die Überschrift nach M. Luther. Im Bibeltext ist nicht von einer, sondern von zwei Münzen die Rede. Sie hätte ja nur eine Münze in den Opferkasten hineinlegen können und die andere behalten. An dieser Stelle wird die Geschichte vom "Scherflein der Witwe" zum Gleichnis. Das ungewöhnliche Handeln der verwitweten Frau weist auf das ungeteilte Vertrauen, das Gott bei uns sucht.“ (Heinz Janssen, Heidelberg) Was lernen wir von dieser ungewöhnlichen Begegnung?


1. Gott sei Dank für Überfluss.

Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Got-teskasten. Und viele Reiche legten viel ein. (…) Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt...


Ich bekam diese Woche Briefe mit Informationen von Open Doors, Mercy Ships, dem ERF. Diese drei großen christlichen Werke leben von Spenden. Seit vielen Jahren schon. Spenden bewirken Gutes! Menschen erfahren Hilfe und Heilung durch Spenden. Weil viele Menschen freiwillig etwas spenden, kann viel Gutes getan werden. Und nicht immer merken wir, wann wir selbst in den Genuss von Spenden kommen.


Und viele Reiche legten viel ein... Es gibt Menschen, die geben freiwillig für den Tempel, für die Kir-che, für die Gemeinde! Jesus sorgt sich nicht darum, dass Menschen nicht geben. Zu Spenden ist das Normale, das Erwartete, das Verpflichtende, das Selbstverständliche. Wer mehr hat, als er für sich selbst braucht, kann spenden. Davon geht Jesus aus: Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. Matthäus 6,3f


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Und viele Reiche legten viel ein... Jesus achtet die Spenden der Reichen nicht gering. Aus dem Überfluss etwas zu geben ist nicht verkehrt. Wir spenden meistens aus unserem Überfluss. Wer das tut hat Grund Gott zu danken! Wer Geld spenden kann, kann Gott danken! Wer sind die Reichen? Reich sind die, die mehr haben als sie zum eigenen Leben brauchen. Wir sind reich! Und das Volk war fröhlich, dass sie so willig waren; denn sie gaben's dem HERRN freiwillig von ganzem Herzen. Und der König David war hocherfreut, und er lobte den HERRN vor der ganzen Gemeinde und sprach: Gelobt seist du, HERR, Gott Israels, unseres Vaters, von Ewigkeit zu Ewigkeit! 1. Chronik 29,9f

2. Gott sei Dank für Vertrauenkönnen.


Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen Pfennig. (…) Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. (...); diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.


Ein «Scherflein» - von «scherf» wie Scherbe (früher scherpf) geschrieben - war bis ins 18. Jh. die Be-zeichnung für eine besonders kleine Münzeinheit (auch Scheidemünze genannt). „Sein Scherflein bei-steuern“ meint, einen kleinen Teil für den Beitrag bei einer Kollekte oder Spendenaktion geben. Die Redewendung kommt von dem Wort Jesu über "Das Scherflein der Witwe". Einen Beitrag (meistens Geld) leisten - einen kleinen Anteil zu einer größeren Sache beisteuern - etwas unterstützen. Schon unter den Karolingern (berühmtester Vertreter: Karl der Große, Kaiser von 800 bis 814) im frühen Mittelalter war ein Scherf eine sehr kleine Münzeinheit. Mundartlich wurde daraus eine allgemeine Bezeichnung für kleine Münzen von geringem Wert. Auf diese alte Bezeichnung griff Luther bei sei-ner Bibelübersetzung zurück. Die Bezeichnung Scherf entstand aus dem Lateinischen scripulum und wandelte sich von scrip, scirp, scerp in althochdeutsches scerpf und heutiges Scherf um.


Ist das nicht leichtsinnig was die Witwe tat? Hätte sie nicht warten sollen, bis sie genug Geld zum Spenden hat, bis sie sicher ist, dass sie das Geld nicht mehr braucht? Ja. Sie hätte diese beiden Mün-zen nicht spenden müssen. Aber sie wollte es. Das Wenige zu geben war ihr wichtig. Wenn wir genauer hinschauen, entdecken wir: Es geht um Sicherheit! Geld zu haben heißt eine Sicherheit zu haben. Würden wir unser letztes Geld hergeben und unsere Sicherheit aufgeben? Und wie ist es, wenn es brenzlig wird – vertraue ich dann in erster Linie auf meine Sicherheit oder auf Gott?

John D. Rockefeller, Besitzer des Konzerns Standard Oil, war einer der reichsten Männer des 20. Jahrhunderts. Aus Sorge um seinen Konzern konnte er jahrelang nicht gut schlafen. Vielleicht als Fol-ge des großes Stresses erkrankte er Anfang 50 an Alopezie. Er verlor in wenigen Monaten sein gesam-tes Körperhaar und sah anschließend aus, als sei er um 30 Jahre gealtert. Und diese Witwe? Ich denke, dass sie nachts gut schlafen konnte. Sie hat ihr letztes Geld geopfert in der Gewissheit, dass Gott bei Ihr ist. Sie vertraute Gott. Aus ihrer Sicht war ihr „Opfer“ nichts Besonderes. Sie vertraute Gott.


Legst du dich, so wirst du dich nicht fürchten, und liegst du, so wirst du süß schlafen. Fürchte dich nicht vor plötzlichem Schrecken noch vor dem Verderben der Gottlosen, wenn es über sie kommt; denn der HERR ist deine Zuversicht; er behütet deinen Fuß, dass er nicht gefangen werde. Spr 3,24-26


Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, wie bedeutend diese unbedeutende Gabe ist. Gott sieht nicht nur den Betrag, den ich gebe. Er sieht auch mein Vertrauen. Und Er freut sich über gelebtes Ver-trauen, über gelebte Liebe, über gelebte Güte. Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. 2. Kor 9,7


Diese Gabe der Witwe, das Scherflein, ist kein moralischer Appell. Es geht um gelebtes Vertrauen im Umgang mit Geld und Geben. Wie viel gibst du, gebe ich, von mir ab? Wie viel teile ich mit anderen von meiner Habe?


Echtes Vertrauen, echter Glaube zeigt sich.
Immer.
Einfach so.
Gott sei Dank!


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