Wertschätzung kann gelernt werden
Philipper 1,3-5 / 09.05.2010 – V. Janke

In der Nacht vom 2. September 1998 stürzte eine Swissair-Maschine vor der Küste des kanadischen Hali-fax ins Meer. Dabei starben 229 Menschen. Einer, der damals Angehörige betreut hat, Matthias Mölleney, schreibt: Heute stellt sich die Frage, was wir menschlich aus dieser Tragödie gelernt haben. Technisch wurde der Flugzeugabsturz und seine Ursachen bis ins kleinste Detail analysiert und die Lehren daraus unmittelbar in technische Maßnahmen umgesetzt.

Und menschlich? Gehen wir heute anders miteinander um? Ich habe damals an ungefähr 10 Trauergottesdiensten persönlich teilgenommen und dabei erlebt, dass uns der Wert eines Menschen offenbar erst dann so richtig bewusst wird, wenn er nicht mehr bei uns ist. Es ist eigenartig, aber ich erlebe auch heute immer wieder, dass wir uns gar nicht bewusst sind, wie wertvoll die Menschen sind, die uns täglich nahe sind.


„Eher schätzt man das Gute nicht, als bis man es verlor.”

Johann Gottfried von Herder (1744-1803), dt. Dichter u. Philosoph

„Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung.“ Jean-Jacques Rousseau


Wertschätzung bezeichnet die positive Bewertung einer anderen Person. Sie gründet auf eine innere all-gemeine Haltung anderen Menschen gegenüber. Definition Wikipedia: Wertschätzung bedeutet, dass man Hochachtung, Anerkennung für einen Menschen empfindet und zum Ausdruck bringt. Jeder Mensch ist als Mensch zu achten und wertzuschätzen und zwar nicht in dem Sinne, dass er volkswirtschaftlich (Steuern) oder betriebswirtschaftlich (seine Arbeitskraft, seine Produktivität) einen Wert besitzt. Die hier gemeinte Wertschätzung lässt diese materielle Bewertungen, aber auch Hierarchien, Standesdünkel, Nationalitäten etc. hinter sich!


Wertschätzung kommt in der Bibel als Wort nicht vor, die Sache allerdings. So schreibt Paulus an die Philipper: Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke - was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und ich tue das Gebet mit Freuden -, für eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bis heute; und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu. Phil 1,3-5


'... Achtung und Ehrerbietung (sind) sicherlich der Bereich, der in unserer heutigen Gesellschaft am we-nigsten populär und am stärksten vernachlässigt ist. ... Es besteht zweifellos ein direkter Zusammenhang zwischen der hohen Zahl von Menschen in unserer Gesellschaft, die ein schlechtes Selbstbild haben, und der weit verbreiteten Respektlosigkeit. Wir missachten Gott und sein Wort, wir begegnen den Institutionen unserer Gesellschaft bei jeder Gelegenheit mit Verachtung, wir haben nichts mehr übrig für die Vergan-genheit, moralische Werte, die Elternrolle, Autorität und die Rechte anderer Menschen. Respektlosigkeit und Verachtung sind geradezu salonfähig geworden. (...) In der Bibel finden wir das Bild einer Gesell-schaft, deren Fundament darin besteht, dass alle Menschen sich gegenseitig mit Wertschätzung und Achtung begegnen.' (T. Marshall, Harmonische Beziehungen, 71f)


Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Offenb 5,13 - Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebst in dem Land, das dir der Herr, dein Gott, geben wird. 2 Mo 20,12 - Desgleichen, ihr Männer, wohnt vernünftig mit ihnen zusammen und gebt dem weiblichen Geschlecht, als dem schwächeren seine Ehre. 1 Petr 3,7 Die Ehe soll in Ehren gehalten werden bei allen, Heb 13,4 - Ehrt jedermann, habt die Brüder lieb, fürchtet Gott, ehrt den König. 1 Petr 2,17


1. Wir zeigen Menschen Wertschätzung durch seelsorgerliche Hilfe. .   
Matth 18,10-18


Alles ehrliche seelsorgerliche Bemühen ist ein Ausdruck der Wertschätzung. Seht zu, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Matth 18,10 Dies Wort von Jesus zeigt: alle Seelsorge und alles Bemühen um Menschen soll gegründet sein im Glauben an den besonderen Wert eines jeden Menschen. Menschen in schwierigen Situationen zu begleiten, zu trösten, zu ermutigen, zurechtzubringen geschieht als Ausdruck der Wertschätzung! Jesus sagt, seine Jünger sind 'Kleine.' In den Augen der Welt, in den Augen der Gesellschaft sind viele Christen unscheinbar, unbedeutend, unwichtig. Es sind Kleine. Unsere Einschät-zung, wer wertvoll und wichtig sind, ist oftmals falsch, böse.


Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten. 1.Kor 12,22


Diese scheinbare Schwäche oder Bedeutungs-losigkeit ist ein Trugbild und steht in keinem Verhältnis zum wahren Wert und zur wirklichen Bedeutung des Menschen. Der Schein trügt. Das Sprichwort: 'Es ist nicht alles Gold, was glänzt,' gilt auch umgekehrt. Es gibt wertvolle Gemeindeglieder, die nicht glänzen: 1 Kor 1,27-29 Für uns gilt auch hier: Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, Röm 12,2 Es ist nötig, die Wertmaßstäbe dieser Welt zu überwinden und den wahren Wert eines jeden Menschen durch unseren Glauben zu bezeugen. Wer Seelsorge übt, ehrt Gott und Menschen. Seelsorge ist Respekterweisung. Jesu Leben und Wirken auf Erden war ein Dienst an Kleinen, an unbedeutenden Menschen.



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2. Wir zeigen Menschen Wertschätzung, wenn wir für sie beten. .   Lk 22,32


Fürbitte ist ein seelsorgerlicher Dienst. Fürbitte ist ein Ausdruck der Wertschätzung. Jesus sagte Petrus: Ich bete für dich. Wir dürfen Menschen auch sagen, dass wir für sie beten. Für Menschen vor Gott einzutreten ist ein wichtiger Dienst, der uns daran erinnert, dass diese Menschen wichtig und wertvoll sind. Ich bete für Menschen, weil sie mir wichtig sind. In seinem Dienst der Fürbitte für Christen, die er zum Teil nicht persönlich kannte, zeigt Paulus seine Liebe für diese Mitchristen, seine geistliche Sorge um ihr Wohl, und seine geistliche Reife: Röm 1,8-10; Eph 1,15-19; 3,14ff; Phil 1,3-11


D. Bonhoeffer schreibt im Buch Gemeinsam leben : 'Eine christliche Gemeinschaft lebt aus der Fürbitte der Glieder füreinander, oder sie geht zugrunde. ... Es gibt keine Abneigung, keine persönliche Spannung oder Entzweiung, die nicht in der Fürbitte, was uns betrifft, überwunden werden könnte. Die Fürbitte ist das Läuterungsbad, in das der einzelne und die Gemeinschaft täglich hinein müssen. ... Fürbitte tun heißt: Dem Bruder dasselbe Recht einzuräumen, das wir empfangen haben, nämlich vor Christus zu stehen und an seiner Barmherzigkeit Anteil zu haben. Es ist damit deutlich, dass auch die Fürbitte ein schuldiger Dienst an Gott und unserm Bruder ist, der täglich getan sein will. Wer dem Nächsten die Fürbitte versagt, der versagt ihm den Christendienst.' (73f) Vgl. Abrahams Fürbitte für seinen Neffen Lot - 1 Mo 18,16ff


3. Wir zeigen Menschen Wertschätzung, wenn wir uns für sie Zeit nehmen.    Lk 19,1-10


„Meine Pünktlichkeit drückt aus, dass mir deine Zeit so wertvoll ist wie meine eigene.“ Helga Schäferling
Zeit ist ein kostbares Gut! Unsere Nichte Kimberley erhielt zum Geburtstag einen Nachmittag mit uns geschenkt. Für Erwachsene verhält es sich genauso. Gottes Wort sagt, Zeit ist Kapital, das uns nicht gehört: Lk 12,19 ... hab nun Ruhe... Es gibt eine Zeitplanung ohne Gott, als ob wir unsere Lebenszeit nur für uns selbst bekommen hätten. Doch Gott will, dass wir weise mit der uns gegebenen Zeit umgehen.


Das Gleichnis von den anvertrauten Gaben fordert uns heraus: Was machen wir mit Gottes Gaben in der uns gegebenen Zeit?

Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen.
Matth 21,19

Unser Leben ist anvertraute Zeit: Meine Zeit steht in deinen Händen. Ps 31,16 Darum werden wir ermahnt Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit. Eph 5,16. Das meint: Macht etwas nützliches aus der euch gegebenen Zeit. Ihr habt Möglichkeiten dazu. Und viele Möglichkeiten sind einmalig. Wie hat Jesus die Zeit ausgekauft? Wofür oder für wen nahm er sich Zeit? Jesus nahm sich Zeit für ein Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen; für Zachäus, um mit ihm zu essen; für Kinder, um sie zu segnen; für Aussätzige, Kranke und Lahme, um sie zu heilen; für alle Menschen, um sie zu lehren; für Gott im Gebet; für Gottes Wort, um in Weisheit und Erkenntnis zu wachsen; für sich selbst um auszuruhen.


Sich für Menschen Zeit zu nehmen, bedeutet gerne und nicht widerwillig für andere da sein. Weiser Um-gang mit Zeit heißt auch, sich nicht verplanen zu lassen. Wem ist geholfen, wenn ich über zu viele Termine klage? Vielmehr will ich das Beste aus den Terminen machen, die ich wahrnehmen will. Eine gute Möglichkeit Kinder wissen zu lassen: 'Du bist wichtig und wertvoll!' besteht darin, sich für sie Zeit zu nehmen. Wo haben wir Gelegenheiten, die Zeit auszukaufen, um Menschen unsere Wertschätzung und Achtung zu zeigen? Die Zeit vor und nach dem Gottesdienst; vor und nach der Bibelstunde; im Hauskreis; Gastfreundschaft; praktische Hilfe beim Umzug, Renovieren, Einkaufen, etc.; Fürbitte; Besuchsdienste: jemand, der einen weiten Weg macht, um mich zu besuchen, zeigt mir, dass ich ihm wichtig bin.


Du bist für Gott von unschätzbarem Wert, unabhängig, ob du Wertschätzung von Menschen erhältst. Gott hat deinen Wert in Jesus festgelegt. Du bist ihm soviel Wert, dass Er seinen Sohn auf die Erde sandte. Du bist ihm so viel wert, dass er seinen Sohn für dich bestrafte. Jesus starb für dich, auch um dir zu zeigen, wie wertvoll du bist. Joh 3,16


Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben.


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