Vom Glück der Korrekturbereitschaft
Psalm 139,23f / 02.05.2010 – V. Janke

„Bei der Polizei von Calais meldete sich ein älteres Ehepaar: "Unser Renault ist gestohlen worden - und zwar samt der ganzen Tiefgarage!" Die Polizei konnte den Fall aufklären. Die Alten hatten ihren Wagen gar nicht, wie sie meinten, in einer Tiefgarage abgestellt - sondern auf einem Fährschiff! Und das hatte zwischenzeitlich Richtung England abgelegt.”

„Pater Healy war ein guter Mensch. Alle wollten bei Pater Healy beichten. Nachdem er einst das Sündenregister einer jungen Dame abgehört hatte, fragte er sie: "Und nun, meine Tochter, sind das jetzt alle Sünden, die dein Gewissen drücken?" "Ach, Ehrwürden, ich habe noch die Sünde der Hoffahrt zu beichten!" "Und wie tritt sie in Erscheinung, meine Tochter?" "Am Sonntagmorgen", flüsterte die junge Dame errötend, "wenn ich meine besten Kleider anhabe - wenn ich in den Spiegel gucke - dann kann ich nicht anders - dann seh ich, wie wunderschön ich bin!" "Meine Tochter", sagte Pater Healy gütig, "das ist keine Sünde. Das ist ein Irrtum."”

"Irren ist menschlich", geht auf eine lateinische Redewendung zurück. Vollständig lautet der Ausspruch: "Irren ist menschlich, aber auf Irrtümern zu bestehen ist teuflisch." „Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!
Marcus Tullius Cicero (106-43), röm. Redner u. Schriftsteller

„Der Mensch kommt nicht umhin, sein ganzes Leben lang ein Irrender zu sein. Er hat aber die Chance, sich zu einem immer weniger Irrenden zu entwickeln.”
Manfred Rommel (*1928), dt. Politiker (CDU)
„Irren ist menschlich - aber wenn du den Radiergummi vor dem Bleistift aufbrauchst, übertreibst du.” J. Jenkins „Politiker werden nach ihrer Standfestigkeit beurteilt, leider beharren sie deshalb auf ihren Irrtümern.” Oscar Wilde (1854-1900) „Menschen irren, aber nur große Menschen erkennen ihren Irrtum.” August von Kotzebue (1761-1819), dt. Dramatiker

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Ps 139,23f

Wenn wir das Herrenmahl feiern, ist es sicher nicht verkehrt, sich dies Gebet zu eigen zu machen. In der Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ werden diese beiden Verse so wiedergegeben: Durchforsche mich, o Gott, und sieh mir ins Herz, prüfe meine Gedanken und Gefühle! Sieh, ob ich in Gefahr bin, dir untreu zu werden, dann hol mich zurück auf den Weg, der zum ewigen Leben führt!

Der erste Mord in der Geschichte hätte vermieden werden können (1.Mose 4). Kain wurde von Gott gewarnt. Doch Kain hörte nicht auf die Warnung. Es scheint mir eine der wichtigsten Fragen zu sein, die uns gestellt werden: Wie hältst du es mit der Bereitschaft, Korrektur anzunehmen?

1. Gott warnt durch einen Traum.   1. Mose 20

Der König Abimelech möchte die schöne Sara heiraten. Aus Angst um sein Leben, gab Abraham Sara als seine Schwester aus. In einem Traum warnt Gott Abimelech, die Ehe mit Sara zu vollziehen. Abimelech gibt Sara an Abraham zurück und macht ihm Vorwürfe. Dieser König lässt sich korrigieren. Er hörte auf Gottes Warnung. Weil Gott uns liebt, warnt Er uns vor Gefahr. Er warnt durch sein Wort, durch Menschen, manchmal auch durch Träume. Darum ist es eine gute Übung, Ps 139,23+24 regelmäßig zu beten: Erforsche mich Gott und erkenne mein Herz...

Hildegard von Bingen (1179) Mystikerin und Äbtissin, wird nicht erst seit dem Jubiläumsjahr 1998 als eine große deutsche Glaubenszeugin angesehen. Sie war Naturwissenschaftlerin und Ärztin, Mystikerin und Dichterin und auch Kirchenpolitikerin. Sie wurde 1098 im Rheingau geboren. Als 9-jährige kam sie in ein Kloster. Nach dem Tode der Äbtissin übernahm sie 1136 die Leitung des Klosters und verlegte es um 1146 auf den Rupertsberg bei Bingen. Sie predigte vor allem Bußbereitschaft und ein ernsthaftes Leben in der Nachfolge. Nicht nur beim Volk sondern auch im Adel war sie als Ratgeberin geachtet.

2. Gott warnt durch den Rat eines Menschen.   1. Samuel 25,13ff.32-35

David war auf dem Weg, im Zorn einen Mann und alle Männer, die zu ihm gehörten zu töten. Abigail bewahrt ihn durch ihren klugen Rat vor dem Blutvergießen: V.32-35. David hörte auf den Rat dieser Frau. Er kehrte um. Darin sehe ich die Größe dieses Mannes, dass er sich von einer Frau warnen lässt und öffentlich seine falsche Entscheidung zugibt..

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Demut kann den Kopf unter den Arm nehmen, ohne das Gesicht zu verlieren. (Albert Altenähr)

Ich erinnere mich an eine Frau, die sagte, „Der Grund, warum Mose und das Volk 40 Jahre in der Wüste wanderten ist einfach der: Mose weigerte sich nach der Richtung zu fragen.“ Zuzugeben, dass man sich vielleicht irrt, erfordert Demut. Wenn wir beten, Und führe uns nicht in Versuchung! (Matth 6,13), dann offenbart sich ein demütiges Herz, dem Selbstvertrauen und falsche Sicherheit fern sind. Die Gesinnung ist an sich schon eine Schutzwehr gegen das Böse. Demut, das lehrt die jüdisch-christliche Tradition, ist keinesfalls die peinliche Übung des Verlierers, sondern die würdige Geste dessen, der weiß, dass die Welt nicht nur um ihn selbst kreist. Wenn wir so beten wir David, dann üben wir uns auch in Demut.

Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit! 1. Petrus 5,5 f.

3. Wer sich korrigieren lässt, ist besser dran

Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. Lk 22,31f

Wer korrekturbereit, biblisch bußbereit ist, kann anderen zum Segen sein! Petrus wurde zu einem Segensträger, weil er sich bekehrte; Das gleiche gilt für Jona (3,1ff) und Elia (1.Kön 19,14f).

Alle Männer und Frauen, mit denen Gott Geschichte machte, hatten auch versagt und gesündigt. Aber sie blieben nicht im Schmutz liegen. Sie taten Bußen und lernten Gottes Gnade wirklich kennen.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei - es beginnt die Fastenzeit. Warum heißt dieser Mittwoch nun so? Die Asche hatte in alten Zeiten die Funktion eines Reinigungsmittels wie auch der gewöhnliche Sand. Noch heute verwenden wir die Redewendungen sich "in Sack und Asche hüllen" oder sich "Asche auf das Haupt streuen", was immer bedeutet, für etwas zu büßen oder einzustehen. Seinen Namen erhielt der Aschermittwoch, weil die Asche der Palmen vom Palmsonntag des letzten Jahres am Aschermittwoch geweiht und den Gläubigen auf das Haupt gestreut wird. Dazu spricht der Priester die Worte: "Gedenk oh Mensch, du bist Staub, und zum Staube kehrest du zurück".

Es soll die Bereitschaft des Gläubigen ausdrücken, zu einem Leben zurück zu finden, voller Reue und Bußbereitschaft. „Jesu, hilf siegen und lass mich nicht sinken, wenn sich die Kräfte der Lüge aufblähn und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken, lass doch viel heller dann deine Kraft sehn. Steh mir zur Rechten, o König und Meister, lehre mich kämpfen und rüfen die Geister.“ (GL 341,3 Johann H. Schröder)

Nur wer bereit ist, Buße zu tun, ist auch lernfähig. Alles lernen in der Nachfolge setzt die Bereitschaft voraus, böses Denken und Tun aufzugeben: Röm 12,2

Lernen in der Nachfolge ist nur dann möglich, wenn wir bereit sind, Vertrautes, Liebgewordenes loszulassen, weil wir erkannt haben, dass es gegen Gottes Willen ist: Den Toren dünkt sein Weg recht; aber wer auf Rat hört, der ist weise. Spr 12,15 (Spr 15,32; Jak 3,17)

Christen können wie Eva in ihrem Denken verführt werden: 2 Kor 11,3 - Matth 16,21-23 Du denkst, wie Menschen denken und verstehst Gottes Gedanken nicht. (Hoffnung f. alle) Hinter den scheinbar guten Gedanken von Petrus, der Jesus davor bewahren wollte, am Kreuz zu sterben, stand letztlich der Satan selbst. Petrus musste über seinen edlen Absichten Buße tun! Es gibt andere Beispiele, wo Christen menschlich und damit böse denken, anstatt göttlich: Jak 2,1-4 „Gottes Führung fordert Stille. Wo man auf sein Wort nicht lauscht, wird des ewgen Vaters Wille mit der eignen Wahl vertauscht.“ (GL 344,1 Zinzendorf)

Es gilt für uns ganz praktisch umzudenken: Weg vom Anspruchsdenken – zur Dienstbereitschaft; Weg vom Bequemlichkeitsdenken – zur Einsatzbereitschaft; Weg von der Verantwortungslosigkeit - zur Verantwortung; Weg von der Konsumhaltung – zur Mitarbeit; Weg von falscher Überbeanspruchung – zu angemessenen Ruhepausen; Weg vom Ehrgeiz – zur Freude über den Gaben anderer; Weg von der Menschenfurcht – zum Gottvertrauen; Weg von der Gleichgültigkeit – zur Liebe;

Die Frage lautet: Willst du in nüchterner Einschätzung deiner Lage Buße tun?


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