Die Zeichen echter Liebe
Matthäus 26,31-35 / 02.04.2010 – V. Janke

In einer Zeitschrift las ich von einem sehr schönen, außergewöhnlichen Zeichen der Liebe. Claudia und David Arp, ein reiferes christliches Ehepaar, waren zusammen in einem Supermarkt einkaufen. Spontan nahm er einen ganzen Eimer mit ihren Lieblingsrosen und stellte ihn in den Einkaufswagen. Das hat sie sehr gefreut. Allerdings waren sich beide einig, vor der Kasse diesen Eimer mit Rosen wieder an seinen Platz zu stellen. Manchmal kostet es nicht viel, Liebe zu zeigen. Liebe ist... lautet eine beliebte Rubrik in der Bildzeitung. Und immer geht es darum: Liebe teilt sich so mit, dass der andere diese Liebe erkennt und sich freut.

Das Fundament unseres Glaubens als Christen besteht in der erfahrenen Liebe Gottes: Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt dann die Liebe Gottes in ihm? Meine Kinder, laßt uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. 1. Joh 3,16-18 Echte Liebe zeigt sich in Worten, in der Wahrheit und in Taten. In Matth 26,31ff sehen wir wichtige Zeichen echter Liebe. Wir sehen, wie echte Liebe aussieht.

Dabei kommt in diesem kurzen, aber sehr wichtigen Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern das Wort Liebe nicht einmal vor. Und doch geht es hier in jedem Satz um Liebe. Das macht die Frage von Jesus deutlich, die er wenige Tage später an Petrus richtete: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? (Joh 21,15) Zu dem Zeitpunkt hat Petrus bitter erkannt, dass seine Liebe zu Jesus nicht größer war als die der anderen Jünger.

Zum Hintergrund: Jesus und die Jünger hatten miteinander in Jerusalem das Passamahl gefeiert. Dabei hat Jesus das Abendmahl eingesetzt. Nun waren sie unterwegs zum Ölberg, bzw. zum Garten Gethsemane. Und während dieses Spaziergang erwähnt Jesus: Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr alle Ärgernis nehmen an mir. Denn es steht geschrieben (Sacharja 13,7): »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.«

1. Echte Liebe zeigt sich im Ja zur menschlichen Sündhaftigkeit. V.31

Was Jesus hier sagte muss für die Jünger ein erneuter Schock gewesen sein. Schlimm genug, dass Jesus bei der Passafeier gesagt hat: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. (Mt 26,21)

Und nun das: ihr alle werdet von mir abfallen, mich im Stich lassen, davon laufen. Darüber bin ich froh. Gottes Wort ist ehrlich und beschönigt nichts: die engsten Freunde Jesu, die Apostel, waren nicht besser als du und ich – auch nicht schlechter. Sie waren auch Versager. Und trotzdem hat Jesus sie geliebt. Trotzdem hat Jesus sie gebraucht. Seine Liebe zu seinen Jüngern zeigt sich auch in seinem Ja zu ihrer Sündhaftigkeit. Seine Liebe zu uns zeigt sich in seinem Ja zu unserer Sündhaftigkeit. Gott braucht keine Helden. Gott braucht schwache Menschen. Gott braucht Menschen, die demütig um Vergebung bitten können.

Er liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht, ist näher als je du gemeint, barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein Vater es kann, er warf unsere Sünden ins äußerste Meer, kommt betet den Ewigen an. Gottes vergebende Liebe gibt uns die Fähigkeit und Kraft, so zu sein, wie wir wirklich sind. Du kannst Gott nicht enttäuschen. Er weiß, wer du bist, wie du bist. Enttäuschungen können uns helfen, geistlich zu reifen.

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2. Echte Liebe zeigt sich in der Bereitschaft zur Vergebung. V.32

Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach Galiläa. Was für ein wunderbares Wort für jeden, der unter der Last seiner Schuld, seines Versagens leidet. Was für eine herrliche Verheißung für die Jünger Jesu. Wer meint, er kann sich selbst nicht verzeihen, sollte gut hinhören. Jesus geht fest davon aus: ihr werdet umkehren und mir wieder folgen; und ich werde vor euch hergehen.

Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach Galiläa. Echte Liebe zeigt sich in der Bereitschaft zur Vergebung! Jesus vergibt Schuld! Jesus vergibt uns unsere Schuld! Jesus vergibt auch schwere Schuld, wenn wir sie bekennen: Ps 32,3-5 Galiläa bedeutet Hoffnung. Galiläa ist der Ort neuer Gemeinschaft mit Jesus. Alle Jünger hatten ihr Galiläa, ihren Neuanfang. Galiläa ist der Ort, an dem unsere Liebe an Tiefe und Reife gewonnen hat. Unser Galiläa ist der Tisch des Herrn, wo uns die Gewißheit der Vergebung zugesprochen wird, wo unser Stolz ganz klein wird.

Wer mit Jesus lebt, der wird immer wieder erfahren: ich brauche einen Herrn, der mir sagt: Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor dir hingehen nach Galiläa. Dann werden wir mit dem Psalmbeter sagen: Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet, dass ich dir lobsinge und nicht stille werde. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. (30,12-13) Eins der schönsten christlichen Bekenntnisse stammt von Paul Gerhard: Ist Gott für mich, so trete, gleich alles wider mich. So oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?!

3. Echte Liebe zeigt sich in der Bereitschaft zur Treue. V.33-35

Und wenn ich mit dir sterben müßte, will ich dich nicht verleugnen. Das gleiche sagten auch alle Jünger. Über diesen Bibeltext habe ich in meiner Bibel stehen: die größte Liebeserklärung eines Menschen. Hast du schon Mal zu jemandem gesagt: Und wenn ich mit dir sterben müßte, will ich dir treu sein? Petrus hatte Jesus lieb! Daran besteht nicht der geringste Zweifel. Er meinte es ernst. Liebe ist auch, sich fest zu legen: Du und kein anderer! Petrus sagte: Ich will lieber mit dir sterben, als ohne dich zu leben. Das ist Liebe, wenn jemand sagt: „Ich bleibe dir treu bis in den Tod!“ Wir sollten die ehrliche Absicht der Jünger nicht gering schätzen. Sollte der eine Moment des Versagens, der Enttäuschung schwerer wiegen als die zehn Momente der Treue und Liebe!?

Doch Liebe kann auch blind machen für die eigene Schwachheit. Ein Liebender kann sich überschätzen. Wer liebt, muss versagen können, um sich zu bewähren. Wer liebt, muss Fehler machen können. Wer liebt, macht auch Fehler. Entscheidend ist die Bereitschaft zur Umkehr, zur Buße, zur Einsicht in eigene Fehler und Schwächen. Nur so reifen wir. So zeigt sich Treue. Nur so erfahren Beziehungen Erneuerung. Petrus hatte ehrliche Liebe zu Jesus. Und seine dreifache Verleugnung änderte nichts an dieser Liebe zu Jesus – sie änderte aber sein Selbstbild. Und das tat sehr weh. Wer bereit ist, seine eigene Sündhaftigkeit und Schwachheit anzunehmen, der kann selbst andere ehrlicher lieben und annehmen. Wer meint, besser, frommer, geistlicher zu sein als andere, der wird wie Petrus unter Schmerzen lernen müssen.


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