Die zum Frieden raten
Sprichwörter / 21.03.2010 – V. Janke

„Dale Carnegie berichtet von einer Begebenheit während seiner Reise durch den Yellowstone Nationalpark. Er schildert den Besuch an der Stelle, wo die Grizzlybären gefüttert werden. Als er dort ankam, brauchte er nicht lange zu warten, und ein Bär kam, der einen Abfalleimer mit Lebensmittelresten entleerte. Der Fremdenführer hatte der Gruppe erklärt, dass der Grizzlybär stärker sei als alle Tiere des Westens. Zu den Ausnahmen gehören vielleicht der Büffel und der Kodiakbär. Am selben Abend saß Carnegie mit anderen Touristen auf einer Tribüne und beobachtete die Tiere. Dabei fiel ihm auf, dass es nur ein Tier gab, dem der Bär erlaubte, mit ihm zu fressen - das Stinktier.

Gewiss wäre es dem Bären ein Kleines gewesen, das Stinktier zu überwinden. Er ärgerte sich offensichtlich über das Stinktier und hätte ihm seine Unverschämtheit gern heimgezahlt. Aber er ließ es sein. Warum wohl? Weil er wußte, das Stinktier hätte es ihm ebenfalls teuer heimgezahlt. Ein kluger Bär. Auf alle Fälle klüger als viele Menschen, die tage- und nächtelang wegen des ihnen zugefügten Unrechts grübeln und darüber brüten, wie sie sich rächen können. Ob der Mensch begreift, dass der Preis für das Heimzahlen ein Kropf, ein Gehirnschlag oder ein Herzanfall sein kann?“ fragt der amerikanische Arzt Dr. McMillen in seinem Buch Vermeidbare Krankheiten (S.69).

Sind Menschen dümmer als diese Bären? Wie gehst du damit um, wenn jemand dich versehentlich oder absichtlich verletzt oder übervorteilt? Lässt du dich leicht durch rücksichtslose Leute provozieren oder erzürnen? Können wir mit Menschen auskommen ohne schuldig zu werden - an der Wahrheit oder an der Liebe? Ein friedliches und gutes Miteinander in der Ehe, in der Familie, und in der Gemeinde – ist das Glückssache, dem Zufall überlassen? Nein! Wir können viel dazu beitragen, dass das Miteinander gelingt.

1. Frieden erfordert Weisheit – die Fähigkeit, Gottes Willen zu tun.

Das Buch Sprichwörter soll uns als ein Spiegel dienen, in dem wir uns selbst erkennen – wie wir wirklich sind und wie wir werden sollen, wir wir sein sollen. Die Themen Streit, Unfrieden, Zorn, Konflikte nehmen in diesem Buch einen breiten Raum ein. Sollte uns das wundern? Wie viel Raum nehmen diese Themen heute in unserem Alltag ein? Ich meine: sehr viel Raum! Über allem steht diese eine Beobachtung:

das friedliche Zusammenleben mit anderen Menschen erfordert Weisheit!



Was ist Weisheit?
Weisheit hat etwas mit Tiefblick zu tun, mit Ausgeglichenheit und Einsicht. Aber Weisheit ist mehr als bloße Wissensfülle. Nicht nur das Wissen um die Zusammenhänge oder die Bestandteile - sondern auch der gute, der weiterführende, der gesunde Umgang mit den Dingen, mit anderen Menschen und mir selbst gehören zur Weisheit. Weisheit ist: das Richtige zu tun. Oder: Weisheit ist die Fähigkeit, Gottes Willen im Alltag zu tun. Weisheit ist keine natürliche Begabung des Menschen. Sie ist ein Geschenk von Gott. Wir sollen Weisheit suchen und einüben, lernen.

- Das Streben nach Weisheit beginnt mit dem aufrechten Verlangen, etwas zu lernen. Die Bibel in heutigem Deutsch
- Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Reinhold Niebuhr



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Woran erkennst du einen weisen Menschen? Der Weise hört auf Rat. Wer die Weisheit nur hören will, um dann doch zu tun, was ihm gefällt, bleibt ein Narr. Ein Narr ist, wer sich auf sich selbst, auf sein eigenes Herz, verlässt: Wer sich nur auf seinen Verstand verlässt, ist ein Dummkopf. Gestalte dein Leben nach der Weisheit, die Gott gibt, dann bist du in Sicherheit! (Spr 28,26). Weise und klug ist, wer Gott ernst nimmt: Den HERRN ernst nehmen ist der Anfang aller Erkenntnis. Wer ihn missachtet, verachtet auch Weisheit und Lebensklugheit. Spr 1,7 Wer Gott ernst nimmt und Weisheit lernt, ist glücklich zu preisen: Spr 3,13-17 Wenn du Gott ernst nimmst, dann ist Frieden mit anderen für dich ein sehr wertvolles Gut, für das du bereit bist, etwas zu tun: Ps 34,12-14 .

Kehrt euch vom Bösen ab und tut das Gute! Müht euch mit ganzer Kraft darum, dass ihr mit allen Menschen in Frieden lebt! Ps 34,15 Oder: Laß ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach! (Luther 1984) Im Buch Sprichwörter steht Die Böses planen, haben Trug im Herzen; aber die zum Frieden raten, haben Freude. Spr 12,20 Die zum Frieden raten sind weise.

2. Frieden beginnt mit einer persönlichen Entscheidung.

„Der Ursprung aller Konflikte zwischen mir und meinen Mitmenschen ist, dass ich nicht sage, was ich meine, und dass ich nicht tue, was ich sage.”
Martin Buber (1878-1965, jüd. Religionsforscher u. -philosoph)



Die großen Konflikte der Zeit wären lösbar, wenn wir Menschen die Kraft fänden, persönlich und politisch gemäß der Bergpredigt zu handeln. Richard Freiherr von Weizsäcker, deutscher Politiker (CDU) (1920 - ) 6. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland - Quelle: Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, 10.10.1993

Konflikte gehören zum Leben. Konflikte sind Zeichen des Lebens. Es gibt auf dieser Welt kein konfliktfreies Leben. Auf die Frage „Wie können wir miteinander gut auskommen?“ sagt Gottes Wort: Du musst Frieden wollen – Frieden mit Gott, mit dir selbst und mit deinem Nächsten. Darum: entscheide dich für den Frieden.Also beginnt das Buch Sprichwörter mit dem Rat: Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Die Toren verachten Weisheit und Zucht Spr 1,7.

Viele Menschen wollen Frieden. Doch nur wenige sind bereit, etwas dafür zu zahlen, ihr Leben nach Gottes Willen zu leben. Krieg und Frieden beginnt in der Bibel nicht in der großen Politik, sondern im Herzen des einzelnen. Der Philosoph Karl Jaspers sagte bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in Frankfurt (1958) „Nicht von der Friedenspolitik als Weltpolitik möchte ich sprechen, sondern von diesen Voraussetzungen: Erstens: Kein äußerer Frieden ist ohne den inneren Frieden der Menschen zu halten. Zweitens: Friede ist allein durch Freiheit. Drittens: Friede ist allein durch Wahrheit.“


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