Menschen, die nach Gott fragen
Psalm 24 / 29.11.09 - V. Janke

„Ich bin die Besitzer von das Haus“ - sagte ein Däne zur Familie meiner Frau. Diese Begebenheit ist schon viele Jahre her. Verwandte waren gekommen und mehr Personen als angemeldet füllten das Haus. Das Ferienhaus war gemietet. Man kann sich gut vorstellen, dass die Familie meiner Frau ein wenig erschreckt war als plötzlich der Besitzer des Hauses erschien. Ob ich Besitzer oder nur Mieter oder Besucher bin – das ist ein großer Unterschied.


Psalm 24 beginnt mit dem wichtigen Hinweis: Gott ist „die Besitzer von das Haus“ - der Erde. Mehr noch: Alles, was auf der Erde ist, gehört Ihm: Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet. V.1f Weil Gott Schöpfer der Erde und aller Lebewesen ist, gehören die Erde und alle Lebewesen Gott. Das heißt: Ich gehöre nicht mir selbst. Ich bin von Gott geschaffen. Ich bin sein Geschöpf, sein Eigentum. Das bedeutet: Erstens, Gott hat einen Anspruch auf mein Leben. Und zweitens, Gott sorgt für mein Leben. Denn auch hier gilt: Besitz verpflichtet. Das steht sogar im Grundgesetz (Art. 14, Abs.2) Der 24. Psalm betont, dass Gott sich aller Menschen verpflichtet weiß, für sie zu sorgen, sie zu schützen, zu segnen, ihnen zu helfen.


Doch David geht in Psalm 24 noch einen weiteren wichtigen Schritt. Es geht Gott nicht nur darum, dass Er für Menschen sorgt, ihr Leben lebenswert macht. Gott ist Schöpfer und Herr der Welt. Aber es reicht Gott nicht, im Hintergrund die Fäden zu ziehen und unsichtbar Saat und Ernte zu ermöglichen. Gott ist nicht nur Schöpfer, Besitzer und Bewahrer. Gott ist der liebende, suchende, segnende Gott, der sich freut über jeden Menschen, der Ihm mit Dank und Lob, mit Geben und Liedern begegnet.


Wer darf auf des HERRN Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Der Berg des Herrn, die heilige Stätte ist Hinweis auf den Tempel Gottes in Jerusalem. Der Tempel ist der Ort der Begegnung zwischen Gott und Menschen. Der Tempel ist der Ort der Gemeinschaft mit Gott und der Anbetung Gottes. Der Tempel ist der Ort, wo die Beziehung zwischen Gott und Menschen erneuert wird durch Opfer, durch Dank und Lob. Der Tempel steht auch für die Liebe Gottes, die jeden Menschen einlädt. Gott will nicht ohne den Menschen sein.


Vom Blickwinkel, von der Perspektive des Menschen lautet die entscheidende Frage: Wo finde ich Gott? Wo kann ich ihm begegnen? Wo kann ich ihm besonders nahe sein? Zur Zeit des AT lautete die Antwort auf diese Frage: In Seinem Tempel, an seiner heiligen Stätte. Von der Frage: Wem gehöre ich, wem bin ich verantwortlich für mein Leben geht es in V.3 zur Frage: Wo und wie kann ich Gott in dieser Welt begegnen? Im Unterschied zu allen anderen Geschöpfen bin ich als Mensch zur Gemeinschaft mit Gott geschaffen. Das unterscheidet Menschen von allen anderen Geschöpfen. Der Mensch ist geschaffen zum Ebenbild Gottes, zum Gegenüber Gottes. Das adelt den Menschen. Das macht den Menschen zum Menschen. Oder besser: Gott macht den Menschen zum Menschen.


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Wer darf auf des Herrn Berg gehen? Oder: wer darf zu Gott? Und David gibt eine klare Antwort: wer unschuldig ist, darf zu Gott. Wer keine Schuld mit sich herum trägt. Wer reinen Herzens ist, nicht bedacht auf Lug und Trug. Wer Gottes Antlitz sucht, wer Gott nachgeht und nicht ruht, bis er oder sie Gott gefunden hat. Der Übergang von Vers 5 zu Vers 6 ist bemerkenswert. Zuerst ist die Heiligkeit die Bedingung, dann die Suche nach Gott. Doch das sind nicht zwei verschiedene Voraussetzungen. Es ist wie der Übergang vom Alten zum Neuen Testament. Psalm 24 ist ein prophetisches Lied!


Mal Butter bei die Fische: Darfst du auf des Herrn Berg gehen? Darfst du stehen an seiner heiligen Stätte? Hast du unschuldige Hände und ein reines Herz? Wer mit Gott Gemeinschaft haben möchte, wer eine Beziehung zu Gott haben möchte, der kommt um die Fragen nach Vergebung, Reinigung, Heiligung nicht herum. Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir? (P. Gerhard) Das ist eine wesentliche Frage, die dieser Psalm behandelt.


Möchtest du Gott nahe sein, dich an der Gemeinschaft mit Ihm freuen? Dann schau auf dein Leben, auf dein Herz, auf deine Schuld und dann wirst du mit Paulus sagen: Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Römer 3,10-12


Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit.


Der 24. Psalm geht vermutlich von der Situation aus, dass Pilger in einer Gruppe oder auch vielleicht Einzelpersonen vor einer verschlossenen Tür stehen, durch die sie nicht ohne weiteres hineinkommen. Kennen wir das überhaupt noch, vor einer verschlossenen Türe zu stehen, so dass wir am liebsten anordnen würden „Macht auf!“ Ich erinnere hier an die gewaltfreie Öffnung der Mauer, die Deutschland geteilt hat.


In V.3ff ging es um die Frage: Wer darf kommen? Ab V.7ff geht es um die Frage: Wer kommt als König der Ehre? Und: wohin kommt dieser König der Ehre? Er kommt dahin, wo Ihm Türen geöffnet werden. Gott kommt zu Menschen, die Ihn einladen. Weihnachten wird in Deutschland sehr gerne und oft das Lied gesungen, „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.“ Das Lied ist viel bekannter als der Psalm 24, der für dies Lied Pate stand. Ab dem 1. Dezember werden Kinder und auch Erwachsene wieder die Türchen der Adventskalender öffnen. Und am 24. Dezember warten Millionen von Menschen darauf, dass sich Türen öffnen: die der Kirchen am Ende der Christvesper und die zum Zimmer, in dem es Geschenke gibt. Es geht in der Advents- und Weihnachtszeit um geöffnete Türen. Wenn wir ein Türchen im Adventskalender öffnen, wenn wir durch eine geöffnete Tür gehen – dann kann das auch ein Hinweis sein auf Wesentliches: Es geht Gott um geöffnete Herzen! Was singen wir denn mit diesem Weihnachtslied? Worum bitten wir? Dass wir bereit sind für unseren Schöpfer, Vater und Retter.


Die Adventszeit ist nach Psalm 24 die Wartezeit Gottes, die Zeit Gottes vor dem Tor. Gott will einziehen und wartet darauf, dass man für ihn (und zwar) von innen, von Menschenhand, Tor und Tür öffnet und offen hält.



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