Ich bin das Brot des Lebens
Johannes 6,22-59 / 1.11.09 V. Janke

Im kleinen Saal der Zoar-Kappelle waren an der Wand zwei Bibelworte aufgeschrieben. Links stand das Wort aus Ps 103 „Lobe den Herrn, meine Seele.“ Und rechst stand das erste der sieben „Ich bin“ Worte von Jesus, „Ich bin das Brot des Lebens.“ Wir finden es im Johannesevangelium.

Wie viele Brotsorten gibt es eigentlich? In Deutschland gibt es eine besonders Vielfalt an Brotsorten, Grund hierfür sind traditionelle und regionale Spezialitäten und die Verarbeitung verschiedener Getreidesorten. Allein im deutschen Sprachraum werden über 600 verschiedene Schwarz-, Grau- und Weißbrotsorten angeboten. Deutschland ist Brotland. Es gibt in Deutschland sogar „flüssiges Brot.“ Im Lexikon „Wikipedia“ steht: „Eine römische Großbäckerei war schon vor 2000 Jahren in der Lage, 36.000 Kilogramm Brot pro Tag herzustellen.“


Erinnerst du dich daran, wann du zuletzt ein gutes Brot gegessen hast und es genossen hast? Brot zu haben ist heute selbstverständlich. Das war nicht immer so. Und die Aktion „Brot für die Welt“ erinnert uns daran, dass auch heute viele Menschen auf der Welt hungern. Wer Brot hat, braucht nicht zu hungern. So einfach kann es ausgedrückt werden.


Was hat aber Jesus mit einem Brot zu tun? Johannes berichtet in seinem Evangelium von einer Situation, in der Jesus sich mit Brot vergleicht. Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Joh 6,35 Also wenn ich Hunger habe, esse ich z.B. ein leckeres Nutellabrot. Aber was für einen Hunger muss ich haben, dass ich am liebsten ein gutes Lebensbrot essen würde? Nun, das ist der Hunger nach Vergebung, der Hunger nach wahrer Freiheit, der Hunger nach dem Leben, das nur Jesus geben kann. Jesus ist das Brot des Lebens. Jesus kann diesen Hunger stillen. Genau wie ein Brot den Hunger stillt, stillt Jesus unseren Hunger nach Leben. Und dazu gehört Frieden, Trost, Vergebung, Lebensmut, Freude, Dankbarkeit, Geborgenheit.


Ich möchte erinnern: Jesus hatte 5000 Menschen satt gemacht. Es gab genug Brot für 5000 Menschen! Als die Leute das sahen hielten sie ihn für den Propheten, der in die Welt kommen soll. Jesus merkte, dass sie ihn zum Brotkönig machen wollten. Darum entzog er sich, ging auf einen Berg und betete. Doch am nächsten Tag kamen die Leute Jesus hinterher. Sie wollten den Brotkönig nicht gehen lassen. Die Leute sagten zu Jesus: "Gib uns einen Beweis für deine Bevollmächtigung! Lass uns ein eindeutiges Wunderzeichen sehen, damit wir dir glauben.  Unsere Vorfahren aßen das Manna in der Wüste. In den Heiligen Schriften heißt es von Mose: 'Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.'" Jesus entgegnete: "Amen, ich versichere euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Das wahre Brot Gottes ist das, das vom Himmel herabsteigt und der Welt das Leben gibt." "Herr", sagten sie, "gib uns immer von diesem Brot!" "Ich bin das Brot, das Leben schenkt", sagte Jesus zu ihnen. "Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungrig sein. Wer sich an mich hält, wird keinen Durst mehr haben. Aber ich habe es euch bereits gesagt: Obwohl ihr meine Taten gesehen habt, schenkt ihr mir keinen Glauben." 


  1. Brot gibt Kraft zum Leben.

Das ist eine zeitlose Tatsache. Zum Leben brauchen wir Kraft. Um 1800 brauchte ein einzelner Mensch im Jahr etwa 300 kg Brot. Heute isst eine Person pro Jahr durchschnittlich 80 kg. Für Jahrhunderte war Brot das Lebensmittel schlechthin. Damals haben die Menschen das Wort von Jesus sicher viel besser verstanden, als er sagte: Ich bin das Brot des Lebens! Ich frage mich allerdings: Ist Jesus das Grundnahrungsmittel für mich neben vielem anderen, das sich auch noch als Grundbedürfnis darstellt, wie Freizeit, Sport, Gesundheit, Wohlstand, ein Beruf, der Spaß macht? Jesus neben vielem anderen in Konkurrenz? 


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Zum Leben brauchen wir Energie. Ein gutes Frühstück ist eine wichtige Voraussetzung für einen Tag, an dem ich viel zu tun habe. Brot war für Jahrhunderte die Kraftquelle. Brot war Mittel zum Leben! Wer genug Brot hatte, konnte leben. Ein afrikanisches Sprichwort lautet, „Wir brauchen Brot, um leben zu können. Wir brauchen die Bibel, um leben zu wollen.“ Der amerikansiche Pastor W.A. Criswell sagte einmal in einer Predigt, „Die ganze Woche habe ich gehört, was A. Merkel sagt, was Margot Käßmann sagt, was erfolgreiche Sportler sagen... am Sonntag will ich hören, was Gott sagt.“ Gottes Wort, recht ausgelegt, ist Schwarzbrot, Nahrung und Kraft für die Seele. Gottes Wort gibt uns Kraft zum Leben! Gottes Wort gibt uns Kraft zum Lieben, zum Vergeben, zum Ertragen, zum Glauben und Hoffen, zum Dienen und Heilwerden. Wie Brot uns Kraft zum Bewältigen unseres Alltags schenkt, so gibt Jesus uns Kraft für unsere Seele.


  1. Brot macht satt.

"Altes Brot ist nicht hart, gar kein Brot, das ist hart." Hungrig zu sein ist kein gutes Gefühl. Wenn ich Hunger habe, bin ich unausgeglichen, gereizt, ungeduldig, unkonzentriert. Satt zu sein tut gut.


"Wenn Jesus sagt: Ich bin das Brot, das ihr zum Leben braucht, so ruft er uns damit zu: Ich allein mache euch wirklich satt: 'Wer zu mir kommt, wird nie wieder Hunger leiden!' ... Das sind keine leeren Worte! Jesus hält, was er verspricht. Er lässt uns seine Liebe spüren, unterweist und erquickt uns durch sein Wort. Er lädt uns ein an seinen Tisch, beschenkt uns mit seinem Heiligen Geist, der uns bezeugt, dass wir für Zeit und Ewigkeit Gottes geliebte Kinder sind" (Helmut Lamparter). Jesus sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern. Wer Jesus Christus persönlich kennen gelernt hat, wer zum Glauben an Jesus gefunden hat, der hört auf zu suchen. Wer Jesus gefunden hat, der weiß, wie sich das anfühlt, wie das ist: satt zu sein. Paulus beschreibt diese Tatsache im Buch an die Römer so: Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. (5,1)


Brot öffnet jeden Mund, hat der poln. Schriftsteller Stanislaw Jerzy Lec (1909-66) einmal gesagt. Hunger ist allen Menschen vertraut. Der Wunsch nach neuer Kraft und nach neuem Mut bringt uns als Christen an den Tisch des Herrn. Das schockierende Wort von Jesus gehört in diesen Zusammenhang: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. (Joh 6,54) Das setzt voraus, dass Jesus tot ist. Jesus weist mit diesen Worten auf seinen stellvertretenden Tod hin. Und er weist darauf hin, dass jeder Mensch, der persönlich Anteil nimmt am Sterben und Auferstehen von Jesus, auch Anteil hat am ewigen Leben und an der Auferstehung von den Toten.


„Während der Mahlzeit nahm Jesus ein Brot, sprach das Segensgebet darüber, brach es in Stücke und gab es seinen Jüngern mit den Worten: „Nehmt und esst, das ist mein Leib!“ Dann nahm er den Becher, sprach darüber das Dankgebet, gab ihnen auch den und sagte: „Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das für alle Menschen vergossen wird zur Vergebung ihrer Schuld. Mit ihm wird der Bund in Kraft gesetzt, den Gott jetzt mit den Menschen schließt.“ Bei Jesus wird unser Hunger nach Frieden, nach Vergebung, nach Lebenssinn, nach Geliebtsein gestillt. Auch unser Hunger nach Hoffnung auf ein Leben, das mit dem Tod nicht endet.



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