Füreinander Verantwortung tragen
Jakobus 5,19+20 /20.09.09 - V. Janke

Gestern war Flohmarkt in Brake. Alte und für die Verkäufer nicht mehr brauchbare Dinge wurden angeboten. Mancher Käufer hatte aber einen Blick für verborgene Schätze und unscheinbare Kostbarkeiten. Ein gusseisernes Fenster, Glas zersplittert, aus einem Schuppen oder vom Boden – ein Paar kaufte das alte Ding und schleppte es glücklich nach Hause.


Ich bin immer wieder fasziniert von der Liebe und dem Geschick von Leuten, die alte Sachen aufarbeiten, wieder schön machen und zum Glänzen bringen. Auch in der Gemeinde sind solche verborgenen Schätze, unscheinbare Kostbarkeiten. Die liebevolle und geduldige Zuwendung untereinander ist ein wesentlicher Grund, dass einige Christen immer noch da sind und mitarbeiten. Wie auf einem Flohmarkt braucht auch die Gemeinde Menschen, die sich der ramponierten, entmutigten, sich unbrauchbar Fühlenden annimmt.

Nur eine Frage, ja oder nein: möchtest du körperlich amputiert sein?! Jesus möchte das auch nicht. Er möchte, dass jedes Glied seiner Gemeinde gesund ist und seinen Teil zum Leben der ganzen Gemeinde beiträgt. Und wenn ein Glied seiner Gemeinde in der Gefahr steht, zu sterben, dann können die anderen nicht tatenlos zuschauen. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen. 1Kor 12,24f Als Glieder der Gemeinde Jesu tragen wir Verantwortung füreinander!


Jakobus hat ein klares Gemeindeverständnis. Gemeinde Jesu soll nicht eine Amtskirche sein, die auf einen Pastor fixiert ist. Gemeinde Jesu soll eine Gemeinschaft von Christen sein, die einander lieben, vergeben, helfen, dienen, korrigieren, beraten, beistehen, trösten, ermutigen, aufbauen. Gemeinde Jesu soll eine Gemeinschaft gegenseitiger Verantwortung vor Gott sein. Leben wir als eine Gemeinschaft gegenseitiger Verantwortung? Nach dem ersten Mord in der Weltgeschichte, fragte Gott Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Worauf Kain erwiderte: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein? 1 Mo 4,9 Gott hat uns geschaffen, damit wir in einer Gemeinschaft gegenseitiger Verantwortung leben. Wir brauchen einander! Am Ende seines Briefes unterstreicht Jakobus noch einmal: Ihr seid vor Gott füreinander verantwortlich. Geht Geschwistern nach, die sich von Jesus abwenden!


These: Zeige mir deinen Glauben indem du dich aktiv für das Wohl anderer einsetzt.


  1. Jeder Christ kann vom Glauben abirren. 5,19a

Liebe Brüder, wenn jemand unter euch abirren würde von der Wahrheit ... Es wäre ein Fehler, zu denken: Das würde ich nie tun! Im Brief an die Gemeinde in Korinth warnt Paulus Darum, wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle. 1 Kor 10,12 Wenn du bis heute Jesus treu geblieben bist, dann hast du das Gott zu verdanken.


Von denen, die mit mir als Jugendliche an Jesus glaubten, leben einige heute nicht mehr mit Jesus. Billy Graham gibt offen zu, dass man vielleicht fünf Prozent der geistlichen Energie braucht, um einen Menschen für das Evangelium zu gewinnen – jedoch 95 Prozent der Energie, um einen Menschen in der Nachfolge zu fördern und zu fordern, so dass er nicht nur Christ wird sondern auch Christ bleibt. Hat Jakobus hier auch die Christen im Sinn, die zwar noch am Gottesdienst teilnehmen, deren Glaubensleben aber vertrocknet ist? Glauben heißt ja nicht nur, an bestimmten Traditionen festzuhalten. Mit Glauben ist die persönlich gelebte Beziehung zu Jesus gemeint. Von der Wahrheit abirren bedeutet die Beziehung zu Jesus zu vernachlässigen und schließlich zu verlieren.


Jeder Christ kann vom Glauben abirren. Darum warnt der Brief an die Hebräer, Achtet deshalb darauf, liebe Brüder, dass ihr nicht ebenso töricht und voller Unglauben seid und euch - wie eure Väter - von dem lebendigen Gott abwendet. Ermahnt und ermutigt euch immer wieder, solange Gott zu euch redet. Nur so seid ihr sicher, dass ihr seine Stimme nicht überhört und die Sünde euch nicht betrügen kann. 3,12+13 Vgl. Hebr 10,24f

Jeder Christ kann vom Glauben abirren. Darum sollen wir nicht selbstsicher sein, sondern uns selbst immer wieder prüfen und uns prüfen lassen. In diesen 2 Versen ist auch die ernste Warnung enthalten, geistlich wachsam zu bleiben. „Sich umeinander zu kümmern und sich gegenseitig zu ermahnen erfordert, sich zunächst um sich selbst zu kümmern und sich selbst zu ermahnen. Das Neue Testament betont gleichermaßen die Verpflichtung, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist, also seine Last selbst tragen soll, wie die Verpflichtung, Verantwortung für andere zu übernehmen, also die Lasten anderer zu tragen. Beides wird sehr schön in Gal 6,1-5 deutlich.“ (T. Schirrmacher, Ethik II, S.563)


  1. Jeder Christ trägt Verantwortung für Mitchristen. 5,19b

In unserer Gesellschaft ist Trennung die bevorzugte Lösung, wenn Spannungen auftreten oder Unterschiede stärker werden. Es ist viel leichter, einen Menschen aufzugeben, als ihn oder sie zurückzugewinnen. Vielleicht erklärt das auch den Erfolg von „Big Brother.“ Soziologen sprechen von der Atomisierung der Gesellschaft: Ehen, Familien und Gemeinschaften zerfallen. Zurück bleiben viele Einsame und Beziehungsunfähige.


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und jemand bekehrte ihn, Warum würde jemand einen Mitchristen bekehren? Aus Liebe und Verantwortungsgefühl und Gehorsam. Jakobus will ermutigen: Wir können Menschen zurückgewinnen! Wir können helfen, dass Christen einen neuen Anfang machen! Fritz Grünzweig schreibt „Nach diesem Wort ist zunächst und vor allem nötig, mit den Irrenden zu reden. Das tun wir nicht gerne. Damit macht man sich keine Freunde. In unseren Gemeinden, Gemeinschaften und Kreisen herrscht etwas, wie eine stillschweigende Abmachung: Ich sage dir nichts Unangenehmes; sag du mir auch nichts Unangenehmes. Darüber können wir und die anderen verloren gehen.


In vielen Gemeinden ist der Glaube Privatsache geworden. Die Bibel aber kennt keinen rein privaten Glauben. Glaube wird immer vor den Augen anderer Menschen und in einer Gemeinschaft von Glaubenden gelebt.

Eines der ältesten menschlichen Bedürfnisse ist, jemanden zu haben, der sich um einen sorgt, wenn man abends nicht nach Hause kommt.“ (M. Mead) Für uns, die wir in einer christlichen Gemeinschaft leben, sollte es selbstverständlich sein, sich umeinander zu sorgen. Wirkliche Liebe mischt sich ein, betet beharrlich, geht nach, schreibt Briefe, besucht, fragt nach, hört zu, versucht geduldig zu überzeugen – sorgt sich. Jakobus schreibt So wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot, wenn er ohne praktisches Handeln bleibt. 2,17


Füreinander Verantwortung zu tragen ist manchmal eine undankbare und schwierige Aufgabe. Wir scheuen uns vor manchen Gesprächen. Es ist mühsam und hinterlässt manchmal Verletzungen. Manchmal scheint es aussichtslos zu sein, anderen nachzugehen. Wir dürfen mit Gott über unsere Bedenken und Ängste reden. Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst. 3 Mose 19,17


  1. Jeder Christ soll wissen, wie wichtig es ist, einander zu helfen. 5,20

der soll wissen: wer den Sünder bekehrt hat von seinem Irrweg, der wird seine Seele vom Tode erretten und wird bedecken die Menge der Sünden. Das Wissen von Konsequenzen und Gefahren ist lebenswichtig. Es ist wichtig zu wissen, wie man sich gesund und abwechslungsreich ernährt. Es ist wichtig zu wissen, dass man seine Wohnung regelmäßig lüftet. Es ist noch wichtiger zu wissen, dass man keinen Alkohol trinkt, wenn man Tabletten eingenommen hat oder dass man Altöl nicht im Garten entsorgt, dass man im Flugzeug keine Handys benutzt. Es ist auch wichtig zu wissen, dass man eine Unfallstelle zuerst absichert, wenn man helfen will. Hier geht es immer um Erfahrungswissen, dass unser Verhalten prägen soll. Bei Jakobus geht es um Wissen im Glauben. Dieses Wissen ist offensichtlich kein Allgemeingut der Christen.

Bedeutet diese Aussage, dass ein Christ doch wieder verloren gehen kann? Ich glaube nicht. Zumal in Hebr 6,4-8 gesagt wird, dass es keine zweite Wiedergeburt gibt. Ich verstehe Jakobus so: Christen, die beharrlich in Sünde leben, können letztlich vor ihrer Zeit sterben. In Apg 5,5+10; 1 Kor 5,4+5; 11,30f+31 finden wir Hinweise darauf. Jakobus ermutigt uns: Lasst euch selbst von anderen helfen und helft anderen. Darin zeigt ihr euren Glauben!


1) Es ist wichtig, sich selbst helfen zu lassen.
Paulus schreibt Zuletzt, liebe Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. 2Kor 13,11 Sicher schreibt Paulus diese Verse auch aus der Erfahrung, dass Christen sich nicht gerne etwas sagen lassen oder sich von anderen korrigieren lassen. Jakobus ermutigte schon zur Bereitschaft, sich korrigieren zu lassen Die Weisheit aber von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen Jak 3,17


2) Es ist wichtig, anderen zu helfen.
Auch dazu hatte Jakobus ermutigt 2,14ff. Sowohl praktische Hilfe als auch geistliche Hilfe sind wichtig. Weil wir vor Gott eine Verantwortung füreinander haben, sollen wir denen helfen, die Hilfe brauchen. Darum ermahnt euch untereinander, und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut. (...) Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann. 1Thess 5,11+14-15


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