Beichte und Gesundheit
Jakobus 5,16-18 / 6.9.2009 - V. Janke

Beichten ist für die Gesundheit wichtig. Und das gilt nicht nur für einen Kranken, der unter belastender Schuld leidet. Ich habe im Internet in einer bekannten Suchmaschine die Begriffe Beichte und Gesundheit eingegeben. Und gleich war ein Hinweis auf „Diätsünden.“ Erstaunlich viele Artikel, die Essen und Sünde aufeinander beziehen, sind im Internet publiziert. Menschen, die unter ihrem maßlosen Essenskonsum leiden, die es besser wissen aber nicht können – was hilft ihnen? Ein erster Schritt zu einer Veränderung ist, ihr belastetes Gewissen zu erleichtern. Beichten ist für die Gesundheit wichtig.


Das gilt offenbar auch für Ärzte. Wiebke Rögener macht in einem Artikel unter der Überschrift „Ärzte beichten zu wenig Mediziner-Fehler“ auf eine Problematik aufmerksam, die zwar bekannt ist, aber in Deutschland noch weitgehend ignoriert wird:


Fehler in der Medizin gehören zu den zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland. Doch für viele Ärzte ist das Thema tabu. Ein anonymes Meldesystem soll nun Abhilfe schaffen. Mord gehört zu den seltenen Todesursachen im Krankenhaus, so spektakulär Fälle wie die Patiententötungen durch die Krankenschwester Irene B. an der Charité auch sein mögen. Irrtümer im Klinikalltag befördern hingegen weit mehr Patienten vom Leben zum Tode: Fehler in der Medizin gehören zu den zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland (Anästhesie und Intensivmedizin, Bd.47, S.9, 2006). Mindestens jeder tausendste Krankenhauspatient stirbt durch Unachtsamkeit und Fehler. (…) Nur langsam sehen Ärzte ein, dass es nützlich ist, aus Missgeschicken zu lernen - nicht nur aus den eigenen.


(Quelle: www.sueddeutsche.de/gesundheit/727/378533/text/)


Beichten ist für die Gesundheit wichtig. Es gibt sicher noch viele andere Beispiele, die diesen Zusammenhang belegen. Gesundheit muss nicht immer etwas kosten. Was kostet denn ein Gespräch? So günstig kann es mir besser gehen! So einfach kann Heilung geschehen!


1. Beichten befreit zum erhörlichen Beten.


Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Jak 5,16


Der berühmte österreichische Arzt und Therapeut Alfred Adler hat einmal die Wechselwirkung zwischen Konflikten und dem Körper auf eine kurze und knappe Formel gebracht:


Wenn der Mund schweigt, dann reden die Organe.


Wirksame Fürbitte erfordert manchmal die Beichte. Es gibt auch im Leben von Christen seelische und körperliche Krankheit. Diese kann manchmal nur überwunden werden, wenn ich die Hilfe und den seelsorgerlichen Dienst eines Mitchristen erbitte. Manchmal reicht es, zu sagen „Bitte, betet für mich.“ Manchmal reicht es nicht. Wie oft erbitten wir die Fürbitte anderer?! Wie oft werden wir um Fürbitte gebeten?! Krankheit und seelische Not ist darum immer auch eine Einladung, sich vor Gott zu prüfen. Wenn du krank bist, dann hast du auch Zeit über deine Beziehung zu Gott nachzudenken und mit Gott zu sprechen. Denn Schuld kann krank machen und Gottes Erbarmen blockieren 1Kor 11,30f.


Hast du schon mal ein Lied oder ein Gedicht geschrieben, in dem du eine eigene konkrete Sünde und ihre Folgen reflektierst – darüber nachdenkst? Was für ein Gedanke, nicht wahr! Doch genau das hat David getan mit den Psalmen 32 + 51. Selten hat ein Mensch seine eigene Sündhaftigkeit so deutlich in ihrer ganzen Tiefe und Macht erkannt und bekannt. Es gibt Wahrheit, die wir nur schwer ertragen – die weh tut, wenn man sie bekennt, und die erschreckt. Ich bin so vertraut mit Sünde, das es mich manchmal erschreckt, dass mich meine Sündhaftigkeit nicht erschreckt. Wir brauchen Gottes Hilfe. Wir brauchen ein ernsthaftes und tiefes Verlangen nach Heiligkeit, nach Reinheit, nach einem neuen Herzen. Oh, dass wir doch wirklich hungrig zum Mahl des Herrn kommen – so wie David einen tiefen Hunger hatte nach Vergebung.


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Beichte vor einem Mitchristen, zu dem ich Vertrauen habe, ist ein wertvolles Hilfsangebot. Wer ernsthaft gesund werden will, sollte auch bereit sein zur Beichte. In der Beichte geschieht der Durchbruch zum wirksamen Gebet. Hans Bruns, der Bibelübersetzer und Evangelist schreibt


„Da nun Seele und Leib zusammengehören, wirkt sich viel innere Not häufig genug auf das leibliche Leben aus. Viele Erkrankungen, vor allem nervlicher Art, sind die Folgen irgendeiner Versündigung. Wenn nun dieser Zusammenhang erkannt und durch eine Beichte zerrissen und dann durch eine Absolution im Namen Jesu Vergebung der Sünde erfahren wird, ist es schon häufig auch zu körperlicher Heilung gekommen.“(Ich habe das Staunen gelernt, S.164)


Ich vermute, dass heute viele Menschen mit ihrem Leben nicht mehr zurechtkommen und unter Depressionen leiden, weil gerade das fehlt: Sie beten und danken nicht mehr. Sie lassen nicht mehr für sich beten und tragen belastende Schuld wie einen schweren Rucksack mühselig durch ihre Leben. Manchmal hilft das Aussprechen von Schuld und Belastendem! Jakobus will uns ermutigen, dem Gebet zu Gott mehr zuzutrauen, damit Gottes Kraft in unserem Leben offenbar wird.


2. Beichten heißt einen Neuanfang machen.


Im Alten Testament finden wir ein hilfreiches Bild für das, was in der Beichte geistlich geschieht. Wir lesen im 1 Mose 26,17+18


Da zog Isaak von dannen und schlug seine Zelte auf im Grunde von Gerar und wohnte da und ließ die Wasserbrunnen wieder aufgraben, die sie zur Zeit Abrahams, seines Vaters, gegraben hatten und die die Philister verstopft hatten nach Abrahams Tod, und nannte sie mit denselben Namen, mit denen sein Vater sie genannt hatte.


Christen können wie diese Brunnen in einer dürren Welt sein. Von außen versprechen sie erfrischendes Wasser, doch wenn wie voll Schutt und Sand sind, werden Menschen sich enttäuscht abwenden. Das Beichten von Schuld kann wie das Aufgraben eines zugeschütteten Brunnens sein! Du kannst erleben, dass Gott neues und frisches Wasser in deinem Leben fließen lässt. Du wirst gesegnet sein und für andere ein Segen sein.


Beichten ist für die Gesundheit wichtig. Der Reformator Martin Luther sagte einmal im Blick auf die Beichte,


„Die heimliche Beichte will ich mir von Niemandem nehmen lassen und wollte sie nicht um der ganzen Weltschätze geben was Stärke und Trost sie mir gegeben hat, ich wäre längst vom Teufel überwunden und abgewürgt worden, wenn mich diese Beichte nicht erhalten hätte.“



Ich wünsche mir und uns allen solche Erfahrungen mit der Beichte, wie Martin Luther sie in seinem Leben gemacht hat.



Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist!

Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet,

in dessen Geist kein Trug ist!


Psalm 32




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