Beichten befreit
Jakobus 5,16-18 / 30.08.09 - V. Janke

„Ein Katholik hat die Beichte, ich habe bloß meinen Hund.“ (Max Frisch, Schrifsteller) Das Bedürfnis, bedrückende Geheimnisse einem anderen Menschen zu sagen – das ist sicher sehr vielen Menschen vertraut. Und wer einen Menschen hat, dem er auch bedrückende Schuld und belastende Geheimnisse mitteilen kann, der hat es wirklich gut! Für Christen ist Beichten nicht selbstverständlich. In diese wichtige geistliche Disziplin sollten wir uns einüben.


Dietrich Bonhoeffer schreibt „Bekennt also einander eure Sünden Jak 5,16 Wer mit seinem Bösen allein bleibt, der bleibt ganz allein. Es kann sein, dass Christen trotz gemeinsamer Andacht, gemeinsamen Gebetes, trotz aller Gemeinschaft im Dienst allein gelassen bleiben, dass der letzte Durchbruch zur Gemeinschaft nicht erfolgt, weil sie zwar als Gläubige, als Fromme Gemeinschaft miteinander haben, aber nicht als die Unfrommen, als die Sünder. Die fromme Gemeinschaft erlaubt es ja keinem, Sünder zu sein. Darum muss jeder seine Sünde vor sich selbst und vor der Gemeinschaft verbergen. Wir dürfen nicht Sünder sein. Unausdenkbar das Entsetzen vieler Christen, wenn auf einmal ein wirklicher Sünder unter die Frommen geraten wäre. Darum bleiben wir mit unserer Sünde allein, in der Lüge und der Heuchelei; denn wir sind nun einmal Sünder. Es ist aber die Gnade des Evangeliums, die für den Frommen so schwer zu begreifen ist, dass es uns in die Wahrheit stellt und sagt: du bist ein Sünder, ein großer heilloser Sünder und nun komm als dieser Sünder, der du bist, zu deinem Gott, der dich liebt.“ (Gemeinsames Leben, S.93)


Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Jak 5,16 Dieser kurze Vers erscheint mir so wichtig, dass wir gründlich darüber nachdenken sollten. Du bist freundlich eingeladen, nach deiner eigenen Sünde zu fragen, sie ernst zu nehmen und sie vor einem Bruder oder einer Schwester auszusprechen. Wie hältst du es mit der Beichte, mit dem Sündenbekenntnis vor einem anderen? Erlaubst du dir, vor einem Mitchristen Sünder zu sein? Hast du schon erfahren, wie wertvoll und befreiend Beichte vor einem anderen sein kann? Ich möchte dich, auch aus eigener Erfahrung, ermutigen, dieses hilfreiche und wunderbare Angebot der Beichte in Anspruch zu nehmen. Beichten befreit! Ist es nicht ein Armutszeugnis, wenn Christen ihre Vorstellungen von Beichte nur aus Film und Fernsehen beziehen und nicht aus der persönlichen Erfahrung?!


These: Zeige mir deinen Glauben, indem du deine Sünde ernst nimmst und sie in Gegenwart eines Zeugen vor Gott bekennst.


  1. Beichten gehört zum Leben eines Christen.


Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Jak 5,16 Es ist auffallend, mit welcher Selbstverständlichkeit Jakobus an die Notwendigkeit erinnert, einander konkrete Sünden zu beichten. Offensichtlich waren die Empfänger des Briefes mit Beichte vertraut. Beichten ist eine wichtige geistliche Disziplin, die zum Leben eines Christen gehört. Jakobus kann voraussetzen, dass Beichte bekannt ist. Sünde und Schuld vor einem anderen auszusprechen sollte selbstverständlich für Menschen sein, die an Jesus Christus glauben.


Der Reformator Martin Luther selbst gehörte zu denen, die ihr christliches Leben ohne die brüderliche Beichte selbst nicht mehr denken konnten. Im Großen Katechismus sagt er „Darum, wenn ich zur Beichte vermahne, so vermahne ich dazu, ein Christ zu sein.“ Die Beichte steht in der Freiheit des Christen. Sie ist nie Zwang. Aber wer wird eine Hilfe, die Gott anzubieten für nötig gehalten hat, ohne Schaden ausschlagen? Wer spricht dir Sündenvergebung zu? Du selbst?


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D. Bonhoeffer fragt „Und haben nicht die unzähligen Rückfälle, hat nicht die Kraftlosigkeit unseres christlichen Gehorsams vielleicht eben darin ihren Grund, dass wir aus einer Selbstvergebung und nicht aus der wirklichen Vergebung unserer Sünden leben? (...) Wer schafft uns hier Gewissheit, dass wir es im Bekenntnis und in der Vergebung unserer Sünden nicht mit uns selbst zu tun haben, sondern mit dem lebendigen Gott? Diese Gewissheit schenkt uns Gott durch den Bruder.“ (Gemeinsames Leben)


1) Christen haben den Auftrag, Beichte zu hören

Jesus hat seine Jünger beauftragt, Beichthörer zu sein. Er gab ihnen die Vollmacht, das Bekenntnis der Sünde zu hören und die Sünde in seinem Namen zu vergeben: Wenn ihr jemand die Vergebung seiner Schuld zusprecht, ist die Schuld auch von Gott vergeben. Wenn ihr die Vergebung verweigert, bleibt die Schuld bestehen. Joh 20,23 (Gute Nachricht) Das Wort Beichte ist nicht in der Bibel. Doch die Sache ist da – Sündenbekenntnis. Der Apostel Paulus hatte wahrscheinlich als Seelsorger Beichten gehört. Seine umfassende Kenntnis der Laster in den Gemeinden lassen diesen Rückschluss zu (1 Kor 6,9-11; 2 Kor 11,28).


2) Formen der Beichte


(1) Öffentliche Beichte:
Viele von denen, die zum Glauben gekommen waren, kamen jetzt und gaben offen zu, dass auch sie früher Zauberkünste getrieben hatten. Apg 19,18 Sünden, die sich öffentlich ausgewirkt haben, sollten auch öffentlich bekannt werden. Doch niemals ist Beichte ein Zwang. Sie ist immer freiwillig. Viele Menschen kamen zu Johannes, dem Täufer, und bekannten öffentlich ihre Sünden. Aus dem ganzen Gebiet von Judäa und aus Jerusalem strömten die Leute in Scharen zu ihm hinaus, bekannten öffentlich ihre Sünden und ließen sich von ihm im Jordan taufen. Mk 1,5


(2) Allgemeine Beichte
Wir haben gesündigt samt unsern Vätern, wir haben unrecht getan und sind gottlos gewesen. Ps 106,6 Jesus lehrt uns zu beten Und vergib uns unsere Schuld... Matth 6,12 Als Teil einer gottesdienstlichen Liturgie bekennen Christen gemeinsam ihre Schuld vor Gott und bitten um Vergebung. Ein solcher Akt kann auch zur Einzelbeichte ermutigen.


(3) Versöhungsbeichte
Wenn du zum Altar gehst, um Gott deine Gabe zu bringen, und dort fällt dir ein, daß dein Bruder oder deine Schwester etwas gegen dich hat, dann lass deine Gabe vor dem Altar liegen, geh zuerst hin und söhne dich aus. Danach komm und bring Gott dein Opfer. Mt 5,23-24 Wo zwei Christen, Freunde oder ein Ehepaar aneinander schuldig geworden ist, da ist es nötig, dass Schuld bekannt wird und Vergebung und Versöhnung erfahren wird.


(4) Herzensbeichte
Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde. SELA. Ps 32,5 Erkannte eigene Schuld gegenüber Gott wird im persönlichen Gebet benannt und Gottes Vergebung wird erbeten.


(5) Einzelbeichte
Bekennt also einander eure Sünden... Jak 5,16 Dies ist das Aussprechen von belastender Schuld vor einem Menschen, von dem ich weiß, dass er zu Jesus Christus gehört und der mir an Jesu Stelle die Vergebung zuspricht. Das kann da nötig sein, wo das Bekenntnis vor Gott allein keine Entlastung gebracht hat oder wo ich allein keinen Weg aus Abhängigkeiten, bösen Gewohnheiten und durch Schuld verfahrene Situationen mehr finde.


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