Wie redest du über andere?
Jakobus 4,11+12 / 17.5.09 - V. Janke
'Wir sind nicht Kain, Herr. Wir haben unseren Bruder nicht erschlagen. Aber unsere Worte sind oft scharf wie Messer. Wir sind nicht Kain, Herr. Wir haben keinen Stein gegen andere geworfen. Aber in Gedanken haben wir sie abgeschrieben und mit Blicken erniedrigt. Wir sind nicht Kain, Herr. An unseren Händen klebt kein Blut. Doch aus Gleichgültigkeit und Blindheit haben wir die im Stich gelassen, die unsere Hilfe nötig hatten. Sei uns gnädig, Herr'. (Karl-Heinz Ronecker)

Wir brauchen kein Messer und keine Steine, um Menschen zu verletzen. Mit Worten können wir Menschen Schaden zufügen. Und unseren Glauben verleugnen. Redet nicht schlecht übereinander, liebe Brüder! Jakobus fordert uns auf, diese Angewohnheit abzulegen. Wie redest du über andere? Wir werden eingeladen, uns zu prüfen, ob sich eine Angewohnheit eingeschlichen hat, die das Gebot der Liebe verletzt. Respektlosigkeit gegenüber anderen Menschen ist erschreckend stark verbreitet. Tom Marshall schreibt: 'Wenn Liebe das stabilste und beständigste der vier Elemente ist (Liebe, Vertrauen, Achtung u. Ehrerbietung, Verstehen u. Kennen), die eine Beziehung ausmachen, und Vertrauen das anfälligste, dann ist Achtung und Ehrerbietung sicherlich der Bereich, der in unserer heutigen Gesellschaft am wenigsten populär ist und am stärksten vernachlässigt wird. Es besteht zweifellos ein direkter Zusammenhang zwischen der hohen Zahl von Menschen in unserer Gesellschaft, die ein schlechtes Selbstbild haben, und der weit verbreiteten Respektlosigkeit. Wir missachten Gott und sein Wort, wir begegnen den Institutionen unserer Gesellschaft bei jeder Gelegenheit mit Verachtung, wir haben nichts mehr übrig für die Vergangenheit, moralische Werte, die Elternrolle, Autorität und die Rechte anderer Menschen. Respektlosigkeit und Verachtung sind geradezu salonfähig geworden.' (Harmonische Beziehungen, 71f)

Redet nicht schlecht übereinander, liebe Brüder! Das wollen wir ernst nehmen, weil wir das Gebot der Liebe ernst nehmen. Jesus sagt: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch liebt untereinander, wie ich euch geliebt habe.... Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr euch liebt untereinander. Joh 13,34f Man kann lernen, Menschen auch in ihrer Abwesenheit zu lieben. Jeder Mensch braucht und sucht Anerkennung und Vertrauen.

These: Zeige mir deinen Glauben durch die Art wie du über andere redest.



1. Wer andere verleumdet handelt lieblos.

Verleumdet einander nicht! (Luther) Redet nicht schlecht/Böses übereinander. (Hfa; Bruns) Redet nicht feindselig gegeneinander. (Menge) Hört auf mit dieser schlechten Angewohnheit! Was heißt das? Verleumden heißt jemanden in schlechten Ruf bringen, seinen guten Namen und seine Ehre zu beschmutzen. Es verletzte mich, als der Pastor meiner Gemeinde in Georgia, USA, von mir sagte „Als er zu uns kam, konnte er Jesus nicht von Hitler unterscheiden.“ Diese Aussage war nicht wahr und ich konnte mich nicht verantworten. ‚Verleumden bedeutet, hinter dem Rücken des anderen, so dass er sich nicht wehren und verantworten kann, Schlechtes und Unwahres über ihn zu reden. Die Verleumdung, die den Nächsten immer an der Wurzel seiner Existenz trifft, steht neben dem Totschlag: 3 Mo 19,16-18.‘ (F. Rienecker, Lexikon)

Das um sich greifende Phänomen Mobbing am Arbeitsplatz gab es schon zu Zeiten des AT: Spr 30,10. Auch im NT wird Verleumdung als ein schweres Vergehen gegen Gott und gegen Menschen genannt: Röm 1,30; 2 Tim 3,1-3. Dieses Verhalten sollen wir ablegen: Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei und Neid und alles üble Nachreden, 1 Petr 2,1 (Eph 4,25.31; Jak 1,21) Wie kostbar und wichtig ist die Fähigkeit, schweigen zu können und Anvertrautes für sich behalten zu können: Spr 20,19; 25,9f. Wie ein schwarzes Loch im All Strahlen schluckt, sollen Christen Anvertrautes und das, was den guten Ruf anderer beschmutzt, schlucken und nicht wieder hergeben.

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Verleumden heißt die Sünden anderer Leute zu beichten. Das ist lieblos und zerstört Vertrauen. Am Anfang meines Dienstes als Prediger kursierte das Gerücht, ich hätte eine Frau und ein Kind in den USA. Warum verleumden Christen andere? Aus Gewohnheit, Stolz, Geltungsbedürfnis, Vergeltung ... immer aus fehlender Liebe. Denn wenn du jemanden liebst, wird es dir wichtig sein, seinen Namen und seinen Ruf zu schützen. Wer liebt, freut sich nicht, wenn der andere Fehler macht. 1 Kor 13,6 Auch Jesus wurde verleumdet: Nun ist der Menschensohn gekommen, ißt und trinkt wie jeder andere, und ihr beschuldigt ihn: 'Er ißt unmäßig und trinkt wie ein Säufer; und zwielichtige Gestalten sind seine Freunde.' Matth 11,19 Dagegen hat Jesus seinen Verräter Judas bis zum Schluss geschützt! Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch liebt untereinander, wie ich euch geliebt habe. Joh 13,34

Jakobus macht klar, dass der, der seinen Bruder hinter dem Rücken verurteilt, das Gesetz richtet, weil er nämlich nicht aus helfender Liebe zu ihm handelt. Das Eigentum des Menschen ist durch Strafgesetze viel nachhaltiger geschützt als sein guter Name. Ein befreundeter Pastor aus den USA stellt während eines Predigtdienstes in Großbritannien fest, dass man dort keine Witze über die Königin macht. Sollte ich nicht meinen Bruder wie einen König behandeln und meine Schwester wie eine Königin?! In 2,8 schreibt Jakobus: Wenn ihr wirklich das königliche Gesetz »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« nach der Schrift erfüllt, so tut ihr recht. Wir sollen nach dem königlichen Gesetz leben. Dieses Gesetz regiert nicht nur alle anderen Gebote. Es wurde uns vom König gegeben.

2. Wer andere verurteilt handelt überheblich.

Denn wer jemandem Schlechtes nachsagt oder ihn verurteilt, der verstößt gegen Gottes Gebot. In der Übersetzung ‚Hoffnung für alle‘ ist dieser Abschnitt überschrieben „Nicht über andere urteilen.“ Das ist verkehrt. Denn wie kann Jakobus das Urteilen verbieten, wenn er selber einen Brief voller Urteile über seine Mitchristen schreibt?! Offensichtlich muss ein Christ urteilen können. Ralf Luther schreibt in seinem Wörterbuch unter dem Begriff ‚Richten‘ „Jesus verlangt von seinen Jüngern, dass sie ein Urteil haben über ihre Mitmenschen. (1 Kor 5,12b Habt ihr nicht die zu richten, die drinnen sind?!) Jesus verwirft aber das Richten im Sinne eines Verurteilens oder Für-erledigt-ansehen. Es ist eine freche Überheblichkeit, einen Menschen, über den Gottes Urteil noch nicht ergangen ist, als erledigt anzusehen, ihn in ein Schubfach zu werfen, zu behaupten: „So ist er, und so bleibt er.“ Weil jemand einmal log, zu sagen: er ist überhaupt ein Lügner. ... Das Gegenteil von richten ist: hoffen. Die Liebe hofft alles: sie rechnet damit, dass die Barmherzigkeit Gottes noch sehr viel machen kann aus Menschen, mit denen wir nicht viel anzufangen wissen.“ Das Gebot der Nächstenliebe soll durch Christen verkörpert werden. Es ist das oberste Gebot, das unser ganzes Verhalten prägen und leiten soll. Im Sport ist Fairness das oberste Gebot. Einen echten Sportler erkennt man am fairen Verhalten.

Gott allein ist beides: Gesetzgeber und Richter. Nur er kann verurteilen und von der Schuld freisprechen. Wer andere verurteilt beansprucht ein Vorrecht, das allein Gott zusteht. Allein Gott hat das Recht und die Fähigkeit, ein endgültiges Urteil über einen Menschen zu fällen. Verurteilen und von Schuld freisprechen betonen Gottes souveräne Macht. Das kann nur Gott. Darum sollen wir Gott ernst nehmen und uns nicht vor Menschen fürchten: Matth 10,28

Woher nimmst du dir also das Recht, deine Mitmenschen zu verurteilen? In der Lutherbibel steht, Wer aber bist du, dass du deinen Nächsten verurteilst? Wer andere verurteilt hat ein falsches Selbstbild und handelt darum überheblich. Wer andere verurteilt und verleumdet macht sich selbst zu etwas, das er nicht ist. Es geht in diesen Versen um den Kontrast zwischen Liebe und Hass. Hass zeigt sich, wo ich andere verleumde, ihr Vertrauen missbrauche, sie schlecht mache, unversöhnlich bleibe, andere verurteile, mich über die Fehler und das Versagen anderer freue, Vergeltung übe, andere aufgebe, nicht mehr für andere bete, über andere nur stöhne, Freundlichkeit heuchle, und das Trennende hervorhebe.

Liebe dagegen kommt zum Ausdruck im Willen und zur Selbstbeherrschung, Verschwiegenheit, Rücksichtnahme, um Vergebung zu bitten, zur Versöhnung, zu echtem Mitleid, Leidensfähigkeit (wenn ich verletzt, verleumdet oder angegriffen werde), an der Hoffnung für andere festzuhalten, beharrlich für andere zu beten, einander in Geduld zu ertragen, zu jeder Heuchelei Nein zu sagen, und das Gemeinsame zu suchen und zu betonen. Gal 6,1 Kriterium für mein Reden über andere und mein Verhalten soll die Frage sein: Hilft es dem anderen? Jesus Christus sagt: So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch. Das ist - kurz zusammengefasst - der Inhalt der ganzen Heiligen Schrift.« Matth 7,12


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