Als Friedensstifter leben
Jakobus 4,1-10 / 10.5.09 - V. Janke
Aus dem Tagebuch eines Christen stammt folgender Eintrag: ‚Mittwoch, 25. Dezember Weihnachten! Tante Marjorie verfügte sich am Morgen in eine „ordentliche“ Kirche. Ralph war noch nicht aus den Federn, als auch Gerald, Anne und ich zum Weihnachtsgottesdienst aufbrachen. Alles wunderschön – bis zu jenem Zeitpunkt mitten in der Gebetsgemeinschaft, als George Farmer, der hinter mir saß, aufstand und begann, mit geballter Faust hin und her zu fuchteln, während er glutvoll um „Eintracht und Bruderliebe zwischen allen Gotteskindern“ betete. Plötzlich traf mich seine Faust mit aller Inbrunst an der Schläfe; ich kippte vornüber und war einen Augenblick lang weg. Schüttelte mich, um wieder klar zu kommen, und merkte zu meinem Erstaunen, dass Farmer noch immer in Fahrt war, als sei nichts passiert! Spürte nicht viel Eintracht und Bruderliebe. Hinterher sagte ich zu ihm: „Ich vergebe dir, dass du mich k.o. geschlagen hast, George.“ Er sagte: „Ich! Wirklich?“ (Plass, Tagebuch eines frommen Chaoten, S.14)

Diese Situation ist vielleicht überzeichnet. Doch ausgedacht ist das nicht. Wir sehnen uns nach Eintracht, Liebe und Frieden. Das Miteinander in der Gemeinde soll harmonisch und schön sein. So wie es von den ersten Christen heißt Alle Christen waren ein Herz und eine Seele. Apg 4,32 Unser Heim soll ein Ort der Geborgenheit und des Friedens sein. Die Bibelstellen, die uns Frieden verheißen, bedeuten uns viel. Frieden ist etwas sehr kostbares! Und die Realität? Unfrieden, Streit und Unzufriedenheit bestimmen uns öfter als uns lieb ist. Weil wir uns beherrschen bleibt es anderen oft verborgen, dass wir innerlich streiten oder sehr unzufrieden sind. Die Friedenstaube ist ein sehr scheuer Vogel. Er fliegt viel öfter davon als uns lieb ist.

Jakobus zeigt uns: auch unter den ersten Christen hat es Streit und Unfrieden gegeben. Wir müssen etwas tun, um Frieden im Herzen zu haben, um im Frieden miteinander unseren Glauben zu leben. Unser Alltag ist das Bewährungsfeld des Glaubens an den Gott des Friedens (Röm 15,22; 16,20; 1 Kor 14,33; Phil 4,9) Schlüssel für 4,1-10 ist Jak 3,17f Die Weisheit aber, die von Gott kommt, ist lauter und rein. Sie sucht den Frieden. ... Nur wer selber Frieden schafft, wird erfahren, dass seine Gerechtigkeit und Friedfertigkeit Früchte trägt.

These: Zeige mir deinen Glauben indem du als Friedensstifter lebst.



1. Friedensstifter lieben die Wahrheit. 1-3

Wieso gibt es denn bei euch so viel Streit, Krieg und Kampf? Auf diese direkte Frage gibt es eine Antwort. Hier sehen wir etwas sehr Wichtiges: Frieden, geistliche Reife und ein von Gott gesegnetes Leben hängen sehr stark davon ab, ob du auf diese Frage eine ehrliche Antwort gibst! Wenn wir ihn lassen, dann will und kann der Geist Gottes uns in alle Wahrheit führen. Die Wahrheit über uns selbst ist manchmal unbequem und schmerzhaft. Aber sie ist immer befreiend und heilend. Darum: Friedensstifter lieben die Wahrheit – über sich selbst und über andere.

Kommt alles nicht daher, dass ihr euren Leidenschaften und Trieben nicht widerstehen könnt? Die eigentliche Ursache für Unfrieden, Streit, Verbrechen und Krieg liegt nicht in der Erziehung oder in der Gesellschaft. In einem Artikel über die aggressive Unberechenbarkeit des Menschen schreibt der ehemalige Generalsekretär des Weißen Kreuzes, Pastor Gerhard Naujokat: ‚Eine Illusion wäre es, sich den Menschen seinem Charakter nach gütig und harmlos vorzustellen. Das menschliche Wesen und Wollen ist nach dem Urteil der Bibel von Grund auf verdorben und eben nicht gut. Die eigentliche Wurzel alles Bösen liegt im menschlichen Herzen. Die Ursache von Konflikten ist immer der Mensch selbst. Der Verhaltensforscher Professor Lorenz meinte, dass dem Menschen die Aggression angeboren sei und deswegen auch nicht überwindbar, allenfalls ablenkbar und einigermaßen zu besänftigen und zu zähmen.‘

In einem ähnlichen Zusammenhang schreibt der Apostel Paulus Darum rate ich euch: Lasst euer Leben vom Heiligen Geist bestimmen. Wenn er euch führt, werdet ihr allen selbstsüchtigen Wünschen und Verlockungen widerstehen können. Vgl. Galater 5,16-26 Der Heilige Geist ist der Geist der Wahrheit. Er allein kann und wird uns in alle Wahrheit führen: Joh 14,15-17; 16,13 Nur der Geist Gottes kann und wird uns befähigen, als Friedensstifter zu leben.

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2. Friedensstifter halten sich unbefleckt von der Welt. 4-6

Wie erbärmlich vergeltet ihr Gottes Treue! Wörtlich lautet der Vorwurf: Ihr Ehebrecher! Das ist in einer Beziehung zwischen zwei Personen einer der schwersten Vorwürfe. Wer von euch würde sich diesen Vorwurf gefallen lassen?! Dieses harte Wort macht deutlich: Christen haben sich mit ihrem ganzen Leben Gott verpflichtet. Wie in einer Ehebeziehung darf es keinen anderen geben, der zwischen Gott und dich kommt. Schon einmal hatte Jakobus an die Gefährdung durch die Welt erinnert: Witwen und Waisen in ihrer Not zu helfen und sich vom gottlosen Treiben dieser Welt nicht verführen zu lassen: das ist wirkliche Frömmigkeit, mit der man Gott, dem Vater, dient. Jak 1,27

Ist euch denn nicht klar, dass Freundschaft mit der Welt zugleich Feindschaft mit Gott bedeutet? Wer also ein Freund dieser Welt sein will, der wird zum Feind Gottes. Christen, die sich entscheiden, wie Nichtchristen zu leben, sind nicht wirklich glücklich! Da ist viel Frust, Unzufriedenheit und Kraftlosigkeit (2+3). Jakobus fragt: „Habt ihr diese wichtige Wahrheit, die alle Christen am Anfang ihres Glaubens vermittelt bekommen haben, nicht ernst genommen? Mit eurer Entscheidung für Jesus Christus habt ihr eine neue Sicht und eine neue Beziehung zu der von Gott abgefallenen Welt, in der ihr lebt.“ Paulus schreibt Nehmt nicht die Forderungen dieser Welt zum Maßstab, sondern ändert euch, indem ihr euch an Gottes Maßstäben orientiert. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt. Röm 12,2

Was heißt Freundschaft mit der Welt? Hier ist mit Welt die von Gott abgewandte Welt gemeint, in der der Fürst dieser Welt regiert (Joh 12,31). Mit Welt ist die Ordnung gemeint, unter der Satan die Menschen organisiert hat auf Grund seiner Prinzipien der Gewalt, der Habgier, der Selbstsucht, des Ehrgeizes und des Vergnügens. Für Christen ist die Welt das Feld des Gehorsams und der Bewährung des Glaubens. Die Bibel sagt darum: Liebt nicht diese Welt, die von Gott nichts wissen will. Hängt euer Herz nicht an sie, auch nicht an irgend etwas, das zu dieser Welt gehört. Denn wer die Welt liebt, kann nicht zugleich Gott, den Vater, lieben. Was gehört nun zum Wesen dieser Welt? Menschliche Leidenschaften, die Gier nach Besitz und Macht, überhaupt ein Leben voller Selbstgefälligkeit und Hochmut. All dies kommt nicht von Gott, unserem Vater, sondern gehört zur Welt. Die Welt aber mit ihren Verführungen und Verlockungen wird vergehen. Nur wer den Willen Gottes tut, wird bleiben und ewig leben. 1 Joh 2,15-17 Wie kann ich als Christ das lieben und bewundern, was Jesus Christus leugnet und verachtet?! Vgl. 1 Joh 5,4 Die Werte, Ziele, Strategien und Verführungen dieser in Feindschaft mit Gott lebenden Welt können und sollen wir durch den Glauben an Jesus Christus besiegen. Unsere sündige Natur und die Verlockungen der Welt können besiegt werden, wenn wir Gottes Geist herrschen lassen und Gott vertrauen. Was ist dir wirklich wichtig? Auf welcher Seite stehst du? Gott hat Anspruch auf uns: unsere Liebe, unsere Treue, unsere Wünsche. Kol 3,1-17

3. Friedensstifter leben in der Abhängigkeit von Gott. 7-10

Gott hilft denen, die wissen, dass sie ihn brauchen. Unterstellt euch Gott im Gehorsam... Der Demütige weiß, dass er in allem auf die Hilfe und Gnade Gottes angewiesen ist: Hebr 4,15 Gott kann und will uns helfen! Ein stolze Herzenshaltung blockiert Gottes Hilfe. Jesus sagt Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Mt 11,29 (Luther) In dem festen Vertrauen, dass Gott uns mit allem versorgt, was wir wirklich brauchen, erfahren wir Frieden und Gelassenheit. In diesem Vertrauen liegt auch Kraft, Erwartungen und Wünsche zurückzustellen oder loszulassen. Darum steht in Ps 37,4f Freue dich über den Herrn; er wird dir alles geben, was du dir von Herzen wünscht. Vertrau dich dem Herrn an und sorge dich nicht um deine Zukunft! Leben, Frieden und Kraft kommen allein durch die Abhängigkeit von Gott. Diese Abhängigkeit macht wirklich frei. Jesus: Ohne mich könnt ihr nichts tun. Joh 15,5 Bei einer Gelegenheit wurde Samuel Brengle als „der große Dr. Brengle“ vorgestellt. In sein Tagebuch schrieb er: „Wenn ich in ihren Augen groß erscheine, hilft mir der Herr gütig zu sehen, wie ich absolut nichts ohne ihn bin, und hilft mir, vor mir selbst klein zu bleiben. Er benutzt mich wohl, aber es ist mir so daran gelegen, dass er mich benutzt und dass nicht ich es bin, der die Arbeit tut. Die Axt kann sich nicht der Bäume rühmen, die sie umgehauen hat. Ohne den Holzfäller könnte sie nichts tun. Er hat sie gemacht, er hat sie geschliffen, und er hat sie benutzt. Im Augenblick, in dem er sie wegwirft, ist sie nur noch altes Eisen. Oh, dass ich das niemals aus den Augen verlieren möchte.“ (O. Sanders, Verantwortung, Leitung, Dienst, S.36)


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