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  Zieht den neuen Menschen an
Epheser 4,24-32 — 24.2.2008 — V. Janke



 
  Die Farbe eines Mantels, eines Kleides, eines Anzugs war früher keine Geschmackssache. Die Kleiderfarbe war ein Statussymbol, das jedem sofort zeigte, wer man war. Bis zur Zeit der Französischen Revolution gab es überall Kleiderordnungen, die bestimmten, wer was tragen durfte. Es gab standesgemäße Farben, standesgemäße Stoffe und standesgemäße Kleidungsstücke. Die Kleiderordnungen unterschieden Farben, Stoffe, Kleidungsstücke für den hohen und den niedrigen Adel, den hohen und den niedrigen Klerus, die reichen Bürger, die armen Bürger, die reichen Bauern und die armen Bauern, für Dienstboten und Knechte, besitzlose Witwen und Waisen, für Bettler. Keiner durfte sich luxuriöser kleiden als es dem Ansehen seines Standes entsprach. Unstandesgemäße Kleidung wurde von der Polizei beschlagnahmt. Es galt das Gesetz: reiche Leute durften leuchtende Farben tragen, die Armen mussten trübe, ungefärbte Kleidung tragen. Wer es wagte, unstandesgemäß Rot zu tragen, wurde hingerichtet. (E. Heller, Wie Farben auf...., S.65f)

Heute gibt es solche festen Kleiderordnungen nicht mehr. Es ist schwer, an meiner Kleidung zu sehen, wer ich bin. Doch woran erkennen Menschen, wer ich bin? Woran erkennen Menschen, dass ich ein Christ bin? Paulus sagt: Ihr sollt daran erkannt werden, dass ihr als neue Menschen lebt. Es geht Gott nicht um eine äußere Kleiderordnung, sondern um eine inwendige: zieht den neuen Menschen an... Was will Gott uns mit dem Bild des Anziehens zeigen? Dass das neue Leben als Christ sich in unseren alltäglichen Entscheidungen und Reaktionen verwirklicht. Gott befähigt uns zu einem neuen Denken, Verhalten und zu neuen Gewohnheiten! In Eph 4,17-32 zeigt Paulus: Im Leben eines Christen sind zwei gegensätzliche Entwicklungen möglich: 1) der „alte Mensch“ will uns durch Begierden und Leidenschaften zugrunde richten. Zu diesen Impulsen sollen wir Nein sagen; hier müssen wir Widerstand leisten! 2) der „neue Mensch“ will in uns Gestalt gewinnen – den sollen wir anziehen, d.h. neue Sichtweisen, Denkmuster, Gewohnheiten lernen und leben. Wir sind aufgefordert:

Zieht das an, was euch als neue Menschen auszeichnet. 4,25-32

und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Eph 4,24 Der neue Mensch ist inwendig in euch! Er kann leben, wenn wir ihn leben. Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Gal 3,26-27 Ihr seid geliebte Kinder Gottes – kleidet euch so und verhaltet euch so, dass andere das merken! Was zeichnet den neuen Menschen nun aus?

1) Die erneuernde Kraft der Wahrheit

Legt deshalb die Lüge ab, und redet untereinander die Wahrheit; denn wir sind als Glieder miteinander verbunden. Erneuerung geschieht, wenn wir ehrlich sind und uns die Wahrheit sagen lassen. Wir brauchen Menschen, die uns genug lieben, dass sie uns die Wahrheit sagen. In einem Ehebuch las ich folgende Worte: „Ich liebe dich. Wenn ich dich liebe, muss ich dir die Wahrheit sagen. Ich möchte Liebe von dir. Ich möchte Wahrheit von dir. Sag mir die Wahrheit, wenn du mich liebst.(D. Augsburger, Sag mir die Wahrheit, wenn du mich liebst) In den Buch wird ein Mann mit den Worten zitiert, „Ich hatte immer gedacht, ein guter Ehemann zu sein, bis meine Frau mir sagte, was sie wirklich dachte.“ Das Bild, das ich von mir habe, mein Selbstbild, ist nicht immer richtig, sondern manchmal ein Wunschbild, ein Traumbild, wie ich mich gerne sehen möchte. Es ist nicht leicht, ein wahres und ehrliches Selbstbild zu entwickeln. Darum brauchen wir den anderen, der uns ehrliche Rückmeldungen gibt: „So erlebe ich dich wirklich.“ Wenn wir einander begegnen, dann ist es wichtig, dass wir aufrichtig, ehrlich und offen sind. Wahr ist sowohl das Positive, Ermutigende, Stärkende und Frohmachende. Das ist wichtig, dass wir einander sagen: Das hat mir gut gefallen. Das machst du toll. Das kannst du gut. Wahr ist aber auch das Negative, Unbequeme, Schmerzhafte – das, was an meinem Selbstbild kratzt. Der „alte Mensch“ will diese Wahrheit nicht – will das Negative nicht wahr haben. Jesus sagte die Wahrheit - und wurde gekreuzigt. Die Bitte Jesu Heilige sie in der Wahrheit. Joh 17,17 ist eine Bitte um Erneuerung. Das ist kein einfacher Prozess. Petrus weinte bitterlich, als er schließlich die Wahrheit über sich erkannte (Matth 26,75). Als Christen sollen wir lernen, konfliktfähig zu werden, d.h. Spannungen auszuhalten, die Wahrheit auszuhalten. Einander die Wahrheit zu sagen und sich sagen zu lassen setzt Konfliktfähigkeit voraus, setzt Vertrauen in den Gott voraus, der mich liebt!





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  2) Die erneuernde Kraft des Gottvertrauens

Zürnt ihr, so sündigt nicht; laßt die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Zorn verliert seine Macht über uns, wenn wir uns Gott anvertrauen. In der vertrauensvollen Hinwendung zu Gott überwinden wir den Zorn und bleiben nicht mehr allein mit bösen Gedanken. Gottvertrauen ist eine große Kraft. Damit ist nicht gemeint, dass wir am gleichen Tag Vergebung üben sollen, wie es die Hoffnung für alle wiedergibt. Vergeben zu können braucht manchmal Zeit. Weil du deine Wut und deinen Zorn vor Gott bekennen kannst und abgeben kannst, erfährst du Gottes erneuernde Kraft.

3) Die erneuernde Kraft ehrlicher Arbeit

Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Faulheit gehört in der katholischen Lehre zu den sieben Todsünden. Ehrliche Arbeit ist eine Berufung Gottes. Weil Gott arbeitet, ruft er Menschen in die Mitarbeit. Wem es möglich ist, der soll mit eigenen Händen arbeiten, damit er für sich selbst sorgen kann und Bedürftigen abgeben kann. Und weil Gott arbeitet und zur Arbeit beruft, können wir Gott um eine Platzanweisung bitten: „Herr, schenke mir eine Arbeitsstelle.“ Wer nicht arbeiten kann oder keine Arbeit findet, obwohl er sucht, sündigt nicht. Aber es ist natürlich, dass ein Mensch unter dieser Situation leidet, weil etwas Wichtiges fehlt. Wir sollten nicht über Arbeit stöhnen, als wäre es eine Strafe. Wir sollten Gott vielmehr für die Arbeit danken, die wir tun können – auch für die Berufsausbildung, für Fortbildung und Weiterschulungen. (1 Thess 4,10b-12; 2 Thess 3,6-11)

4) Die erneuernde Kraft guter, notwendiger Worte

redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. Heißt das, alles Negative und Unbequeme nicht zu sagen – nur die halbe Wahrheit zu sagen – nur das zu sagen, was Menschen gerne hören wollen? Die Alternative zu faulem Geschwätz ist nicht Heuchelei. Die Frage ist: Was hilft dem anderen in seiner Situation? Was braucht der andere? Das können wir nicht immer wissen. Aber wir sollen nachdenken und überlegen, bevor wir reden. Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wißt, wie ihr einem jeden antworten sollt. Kol 4,6 Mit den guten, notwendigen Worten ist es wie mit Geschenken. Achten wir doch darauf, dass unsere Worte liebevoll verpackte Geschenke sind.

5) Die erneuernde Kraft der tatkräftigen Liebe

Werdet gegeneinander freundlich und barmherzig, indem ihr einander verzeiht, so wie Gott euch verziehen hat in Christus Jesus. Erneuerung heißt, jeden Tag aus der Liebe zu leben, die wir von Gott empfangen haben. Erneuerung bedeutet, dem Beispiel der bedingungslosen Liebe Gottes zu folgen. So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Eph 5,1 Freundlich bedeutet für andere das Gute zu wollen und zu suchen. Was ich sage und tue, soll dem anderen wirklich zum Guten dienen - dem anderen die Freundlichkeit Gottes widerspiegeln. Nein, eure Feinde sollt ihr lieben! Tut Gutes und leiht, ohne etwas zurück zu erwarten! Dann bekommt ihr reichen Lohn: Ihr werdet zu Kindern des Höchsten. Denn auch er ist gut zu den undankbaren und schlechten Menschen.« (Lk 6,35 Gute Nachricht) Das Tun des Guten ist der sichtbare Beweis, dass im Glauben das Leben neu wurde und nun Frucht trägt. Wer Gutes tut, der ist von Gott. 3 Joh 11 (Eph 2,10) Barmherzig bedeutet mitfühlend sein. Habt ein Herz füreinander übersetzt U. Wilckens. Mit anderen Worten: Lasst die Not anderer – ob selbstverschuldet oder unverschuldet – an euch heran, an euer Herz. Weint mit den Weinenden. Das bedeutet auch: Es gibt in der Gemeinde, im Leben von Mitchristen Not, Leid, Mangel, Schmerz, Schuld – Situationen, die uns herausfordern, Anteil zu nehmen. Zum Schluß werden wir aufgefordert vergebt einander. Zur Erneuerung gehört auch das versöhnende Gespräch und die Erfahrung der Gnade. Wenn wir erkennen, dass wir nur aus der gegenseitigen Vergebung und der Vergebung Gottes leben können, kann Freundlichkeit und Barmherzigkeit reifen.


 

Baptisten Nordenham | Zoar-Kapelle | 26954 Nordenham | Friedrich-Ebert-Str. 65   
Gottesdienst: So 10:00

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