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  Die Dringlichkeit der Versöhnung
Matthäus 5,21-26 / 19.8.07 - V. Janke

 
  Bundesweit wurden allein im Jahr 2004 offiziell 242.989 Menschen Opfer von Gewaltdelikten. (Quelle: http://www.dr-gasch.de/
Traumatherapie.html) 818 Fälle von Mord oder versuchtem Mord wurden im Jahr 2006 in der Bundesrepublik registriert. Die Zahl der vollendeten Morde: 334. Bei Mord (vollendet u. versucht) fand jede zweite Tat unter Verwandten oder näheren Bekannten statt! Das sind sog. Beziehungsdelikte. Manchmal erschrecken uns Nachrichten von einem Mord und wir fragen: Warum? Wie konnte das geschehen? Wie konnte es so weit kommen?

Es muss nicht so weit kommen. Wir sollen rechtzeitig (früh) Versöhnung suchen und Konflikte klären. Jesus zeigt: es ist von größter Wichtigkeit, dass wir an unseren Beziehungen untereinander arbeiten, Haß und Entfremdung energisch ausrotten, so früh wie möglich Versöhnung suchen. Mit dem Gebot „Du sollst nicht töten!“ unterstreicht Jesus die Dringlichkeit der Versöhnung: Wehret den Anfängen! Quecke-Wurzeln muss man ausgraben, sonst breitet sich dies Unkraut immer weiter aus. Laßt es nicht so weit kommen, dass Hass und Groll sich in euch verwurzeln. „Ich??? – Ich habe doch nichts getan!“ So dachten auch die Pharisäer. Aber welche Gedanken haben in unseren Herzen Raum!? Jesus will mehr als nur äußere Selbstbeherrschung: V. 20. Um seine Forderung zu unterstreichen, vertieft Jesus drei bekannte Gebote aus dem AT und entfaltet ihre eigentliche moralische Bedeutung. Am 5. Gebot zeigt Jesus: unsere Gerechtigkeit soll sich als gelebte Versöhnung zeigen.

1. Menschen werden aneinander schuldig. V.21+22

Kennt ihr die Geschichte von der wütenden Ehefrau, die den Grabstein ihres verstorbenen Mannes ändern ließ? Er hatte seiner Geliebten einen großen Teil seines Vermögens vermacht. Die Witwe war zornig. Doch der Steinmetz wollte das „Ruhe in Frieden“ auf dem Grabstein nicht entfernen. Schließlich fand man einen Kompromiß. Hinter dem „Ruhe in Frieden“ stand: bis wir uns wiedersehen. Bist du auch so jemand, der nur auf die passend Gelegenheit wartet, um Rache zu nehmen?

Gemeinde Jesu ist nicht der Himmel auf Erden, kein Schutzraum vor Sünde, Lieblosigkeit und Verletzungen. Jesus zeigt uns in aller Nüchternheit, was auch unter Christen erlebt wird: Schuld, Entfremdung und seelische Verletzungen trüben und belasten das Miteinander, können es zerstören. Die zentrale Frage lautet: Wie gehen wir mit persönlichen Konflikten um? Über dem Eingang zum Gottesdienst sollte ein gut lesbares Schild hängen:

Wenn in dieser Gemeinde Frieden und Versöhnung herrschen sollen, musst vor allem   d   u   etwas dafür tun!

Im Brief an die Philipper spricht Paulus einen Konflikt in der Gemeinde an ohne Partei zu ergreifen: Evodia ermahne ich und Syntyche ermahne ich, dass sie eines Sinnes seien in dem Herrn. Phil 4,2 Die beiden Schwestern werden namentlich aufgefordert, ihre persönlichen Differenzen auszuräumen. Wir können davon ausgehen, dass ihr Konflikt schon eine ganze Weile gärte. Das soll nicht sein! „Wo keine Versöhnung in den Gemeinden stattfindet, entsteht auch kein Wachstum. Versöhnung ist, wenn wir wie Jakob im Gesicht des Feindes das Gesicht Gottes sehen.“ (Dr. Denton Lotz, Generalsekretär des Bapt. Weltbundes, Bibelarbeit z. Jubiläumskonf. der Baptistengemeinden in Österreich, Die Gemeinde 14/2003, S.6)

„Spaltungen und Streitigkeiten unter Christen und Gemeinden sind ein unhaltbarer Zustand, weil Gott uns das Amt der Versöhnung übertragen hat.“ (T. Marshall) Versöhnung ist eine nicht zu unterschätzende geistliche Herausforderung an jeden Christen. In unseren Beziehungen zu anderen Menschen geht es nicht ohne Ungerechtigkeiten und Verletzungen ab. Mal sind wir Opfer, mal Täter, oft Beides – wir kränken und werden gekränkt, wir enttäuschen und werden enttäuscht, wir verleumden... Weil all dies geschieht, brauchen wir die ehrliche und ernsthafte Bereitschaft, Versöhnung zu suchen. Matth 5,21-26 lehrt: Es ist wichtig, möglichst früh in einem Konflikt das versöhnende Gespräch zu suchen. Versöhnung lebt von der ehrlichen und demütigen Begegnung zweier Menschen.

V.22 Jesus stellt sich auf eine Stufe mit Gott, wenn er sagt Ich aber sage euch... Wir werden viel schneller schuldig am 5. Gebot als wir meinen! Jesus will uns sensibler machen. Jesus will, dass wir die Wurzeln von Mord ernst nehmen. Er konzentriert sich auf das böse Motiv, statt allein auf die böse Tat. Zorn kann sich nach innen (Bitterkeit, Groll, Wegbleiben) und nach außen richten (lieblose Worte, Beleidigung, Spott, Zynismus). ...der ist schuldig (3x) Wir hätten sicher nicht genug Gefängnisse in Deutschland für alle schuldigen Menschen. Jesus verschärft Gottes Gebot und stört die Selbstzufriedenheit der Frommen; er spricht diejenigen schuldig, die sich unschuldig fühlten; er fordert diejenigen zum Handeln auf, die überhaupt keinen Bedarf zum Handeln sahen.

Bevor es zum Mord kommt, hat es eine Entwicklung und eine Geschichte gegeben. Jeder Mord hat eine Vorgeschichte. Wie konnte es so weit kommen? Wer seinen Bruder haßt, der ist ein Totschläger, und ihr wißt, dass kein Totschläger das ewige Leben bleibend in sich hat. 1. Joh 3,15 (vgl. 1.Joh 4,20) Die Lehre, dass Mord auf Feindseligkeit beruht und dass Feindseligkeit Sünde ist, ist nicht ausschließlich im NT begründet. Auch das AT enthält ausdrücklich Gebote gegen böse Einstellungen. In 3. Mo 19,16-18 heißt es: Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst. (V.17) Was sollen wir nun tun? Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (V.18)




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  2. Geh und versöhne dich! V.23+24

„Ich sah, wie sich in den Bergen etwas bewegte, und dachte, es sein ein Tier. Als es näher herankam, merkte ich, dass es ein Mensch war. Als er noch näher herankam, erkannte ich meinen Bruder.“ Liebe ist, auf den anderen zuzugehen. Liebe ist nicht: Soll er/sie doch den ersten Schritt machen! So denken viele - auch Christen. Jesus sagt: „Das Opfer im Tempel kann, muss warten. Das versöhnende Gespräch duldet keinen Aufschub. Die Beziehung zum Bruder ist wichtiger als alles andere!“ Wenn wir zutiefst verletzt sind, fällt es uns schwer, mit dem anderen wieder Frieden zu schließen und neu zu beginnen. Doch einer muss diesen ersten Schritt auf den anderen zugehen. Wer macht den ersten Schritt zur Versöhnung? Den ersten Schritt macht der, der von ganzem Herzen Versöhnung will. Ob er sich schuldig fühlt oder nicht ist zweitrangig.

Was motiviert dazu, diesen ersten Schritt zu machen?

1) Liebe zu Jesus, die sich im Gehorsam gegenüber seinem Wort und Willen zeigt. Jesus ist das große Vorbild für Versöhnung. Er liebte uns als wir noch seine Feinde waren (Röm 5,8).

2) Liebe (als Wille zum Frieden u. Wohl des anderen, nicht als Gefühl) zum Bruder, zur Schwester.

3) Wissen um die Gefahr einer Eskalation oder Verhärtung.

4) Das Überzeugtsein von der Wichtigkeit eines versöhnten Miteinanders.

5) Die eigene Erfahrung (als Kind möglichst), dass und wie Versöhnung gelingt. Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Sei ein Friedensstifter, der Liebe praktiziert (1. Kor 13,4-7; Röm 12,18; Hebr 12,14). Jesus setzt dabei voraus: ihr wisst, was mit Versöhnung gemeint ist und wie sie gelingt.

Was ist Versöhnung?

Pfeil Versöhnung bedeutet ursprünglich die Wiederherstellung eines gutes Verhältnisses zwischen Feinden;

Pfeil bedeutet: das Trennende ist ausgeräumt; der andere hat nichts mehr gegen mich;

Pfeil ist der Wille und die Kunst, eine Beziehung neu anzufangen;

Pfeil braucht vertrauliche Begegnung, Aussprache, Hören aufeinander, Vergeben, um Vergebung bitten

Pfeil erfordert Opfer (Stolz, Rechthaberei, Einbildung) und viel Geduld;

Pfeil schafft Frieden, rettet Beziehungen, schenkt neues Leben;

Pfeil gelingt nur, wenn beide Versöhnung wollen – aber auch dann nicht immer.

„Aus all dem Gesagten geht für die Glieder der Gemeinde Jesu hervor, dass ein jeder einzelne immer und immer wieder auf das Verhältnis zum Bruder peinlich genau zu achten und immer wieder sich im Licht des Wortes Gottes in Gedanken und Worten zu prüfen und zu fragen habe: Wie steh ich zu meinem Bruder? Wie steht er zu mir? (...) Jedes Verärgertsein, das im Herzen weiterfrisst, ist Mord am Bruder.“ (Fritz Rienicker, WStBi, S.58)

Versöhnung macht mutig / Sie stiftet Frieden / Sie macht einsichtig für den eigenen Anteil an Schuld Sie öffnet den Blick für die Wirklichkeit / Sie bewahrt vor falscher Parteilichkeit / Sie bewahrt vor ungerechtem Urteil / Sie gibt nicht auf, auch wenn der andere die Hand zurückweist / Sie lässt uns wachsen an der Gesinnung Jesu, der kam, nicht um Recht zu haben, sondern um Recht zu schaffen und die Menschen für immer mit Gott zu versöhnen. (Verfasser unbekannt )

Amen

 

Baptisten Nordenham | Zoar-Kapelle | 26954 Nordenham | Friedrich-Ebert-Str. 65   
Gottesdienst: So 10:00

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